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Böses Déjà-vu für Pechvogel Reus

Nicht schon wieder. Für den gerade erst genesenen WM-Pechvogel Marco Reus endete die EM-Quali gegen Schottland mit einem bandagierten Knie - nicht nur zum Leidwesen von Bundestrainer Löw.

© Reuters

Von Heinz Büse und Klaus Bergmann

Dortmund. Die besorgte Miene des Pechvogels verriet mehr als tausend Worte. Mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze und bandagiertem linken Knöchel humpelte Marco Reus nach dem 2:1 der DFB-Elf gegen Schottland zum direkt am Kabinenausgang geparkten Wagen - kommentarlos vorbei an den vielen Kameras und Mikrofonen. Nicht nur der BVB-Profi fühlte sich an jenen folgenschweren 6. Juni erinnert, als er sich im letzten Testspiel vor der WM gegen Armenien eine schwere Verletzung zugezogen hatte. Mitfühlend kommentierte Doppeltorschütze Thomas Müller das unliebsame Déjà-vu: „Wahnsinn, was Marco im Nationaltrikot für ein Pech hat. Das ist unglaublich.“

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Die Untersuchung am nächsten Tag in einer Dortmunder Klinik bestätigte den bösen Verdacht. Demnach hat sich der Angreifer einen Außenbandteilriss im linken Sprunggelenk sowie eine Dehnung der Fußwurzelbänder zugezogen. Der gerade erst von einem Syndesmose-Teilriss und einem knöchernen Bandausriss am Fersenbein genesenen BVB-Profi wird deshalb weitere vier Wochen fehlen.

Rückschlag zur Unzeit

Allein seine Reaktion nach dem Foul von Charlie Mulgrew in der Nachspielzeit verhieß wenig Gutes. Im ersten Schock hielt Reus mehrfach die linke Hand vor das Gesicht, mit der rechten Hand schlug er verzweifelt auf den Rasen. Gestützt auf zwei DFB-Mediziner mühte er sich Richtung Kabine. Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff spendeten direkt nach dem Schlusspfiff Trost. „Wir alle waren nach dem Spiel bei ihm“, verriet der Dortmunder Mitspieler Erik Durm.

Das Deutschland-Zeugnis: Müller macht’s

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Manuel Neuer

Note 3: Trat zur Freude der Zuschauer gelegentlich in altbekannter Manier als Libero in Aktion. Erst in der zweiten Halbzeit wirklich gefordert.

Erik Durm

Note 3: Stärker als beim schwachen Auftritt gegen Argentinien. Vor allem in der Offensive mit einigen sehenswerten Aktionen, schoss auch mutig.

Benedikt Höwedes

Note 3: An der Seite des erfahrenen Boateng formverbessert. Ließ sich jedoch bei der ersten großen Chance der Schotten von Naismith austanzen.

Jerome Boateng

Note 3: Sorgte nach den vier Gegentoren gegen Argentinien mehr Sicherheit. Starkes Stellungsspiel, gute Zweikampfbilanz, hohe Ballsicherheit.

Sebastian Rudy

Note 4: Wechselvolles Debüt als Außenverteidiger. Bereitete mit seiner Flanke das 1:0 ein, in der Defensive größte Mühe gegen Torschütze Anya.

Toni Kroos

Note 3: Dreh- und Angelpunkt des deutschen Spiels. Der Real-Profi bestimmte mit Übersicht und Routine – auch ohne geniale Momente – den Takt.

Christoph Kramer

Note 4: Nicht so auffällig wie zuletzt. In der Defensive solide, im Aufbauspiel mit gewohnt viel Laufarbeit, aber ohne entscheidende Wirkung.

André Schürrle

Note 4: Fleißiger Flügelspieler und zielstrebiger Vorbereiter. Torgefahr war allerdings nur selten erkennbar. Die große Chance zum 2:0 vergab er überhastet (51.).

Marco Reus

Note 3: In der Spielgestaltung mit Luft nach oben. Stellte wiederholt Torgefahr unter Beweis. Der WM-Pechvogel humpelte am Ende aber verletzt vom Platz.

Thomas Müller

Note 2: Größter Aktivposten. Sein vierter Doppelpack im Nationaltrikot bewahrte den Weltmeister vorm Fehlstart. Traf in der 93. Minute noch den Pfosten.

Mario Götze

Note 4: Die befürchteten Pfiffe gegen ihn blieben weitgehend aus. Wirkte in der Sturmspitze dennoch lange gehemmt.

Nicht zu bewerten:

Lukas Podolski, Matthias Ginter. (dpa mit SZ)

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Für den 25 Jahre alten Reus kommt der Rückschlag zur Unzeit. Die Enttäuschung über die verpasste WM schien eben verarbeitet, die alte Form zurück. Beim 3:2 der Dortmunder am vorigen Bundesliga-Spieltag beim FC Augsburg brillierte er als laufstarker Spielgestalter und Torschütze. Und beim ernüchternden 2:4 im Test am Mittwoch gegen Argentinien in Düsseldorf war er einer der wenigen Aktivposten im deutschen Team.

„Es tut mit sehr leid für Marco. Er hatte sich gerade erst wieder herangekämpft und war auf einem guten Weg“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc und verhehlte nicht, dass der Ausfall auch für den ambitionierten Club ein Tiefschlag ist. „Es ist für uns keine schöne Situation, da wir in den kommenden Wochen ein volles Programm haben.“

Reus verpasst viele wichtige Spiele

Noch zwei Tage vor der Partie gegen die Schotten strotzte Reus vor Tatendrang: „Natürlich war der WM-Ausfall für mich ein trauriges Erlebnis. Aber es hilft jetzt nicht, weiter zu jammern. Über die Vergangenheit denke ich nicht mehr nach.“

Sein neuerlicher Ausfall trifft nicht nur Löw, sondern auch BVB-Trainer Jürgen Klopp schwer. Die beiden nächsten Qualifikationsspiele der DFB-Elf in Polen am 11. Oktober und gegen Irland in Gelsenkirchen drei Tage später dürften für Reus noch zu früh kommen.

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Die Borussia muss mindestens für die Bundesligaspiele gegen Freiburg, Mainz, Stuttgart und Schalke ohne den offensiven Spielgestalter planen. Zudem startet der Revierclub gegen den FC Arsenal und den RSC Anderlecht ohne Reus in die Champions League. Matchwinner Müller sprach Klopp aus dem Herzen: „Ich hoffe, dass sich das Pech bei Marco irgendwann einmal legt. Weil wir brauchen ihn auf jeden Fall.“ (dpa)