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Bohrpfähle fürs Herrenhaus

Das Kleinod in Limbach wird gesichert. Nutzungsideen für das Baudenkmal gibt es bereits.

Von Maik Brückner

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Der erste Schritt zur Sicherung des Limbacher Herrenhauses ist getan. „Das Dach ist im Sommer fertig geworden“, sagt Ingolf Dachsel. Er arbeitet im Wilsdruffer Bauamt und kümmert sich um den Erhalt und die Sanierung dieses Gebäudes. Und die steht erst am Anfang. „Wir müssen jetzt die Grundmauern sichern“, sagt er und zeigt auf die Risse in den Außenwänden. Der Baugrund, auf dem das Herrenhaus steht, gibt nach. Mit dem bloßen Auge sind die Risse in den Mauern zu sehen. Eine der Mauern hängt deutlich über.

Robert Schau von der Firma Brücken- und Spezialbau Meißner wird in den nächsten Tagen mit diesem Bohrgerät (Foto li.) Bohrpfähle in das Erdreich treiben. Sie sollen die Mauern des Limbacher Herrenhauses stabilisieren und weitere Risse, wie die über dem Wa
Robert Schau von der Firma Brücken- und Spezialbau Meißner wird in den nächsten Tagen mit diesem Bohrgerät (Foto li.) Bohrpfähle in das Erdreich treiben. Sie sollen die Mauern des Limbacher Herrenhauses stabilisieren und weitere Risse, wie die über dem Wa
Ingolf Dachsel vom Bauamt Wilsdruff (li.) und Gerold Meißner, Chef der Brücken- und Spezialbau GmbH, trafen sich in dieser Woche zur Bauanlaufberatung am Herrenhaus Limbach. Das soll nach und nach saniert werden, um es wieder zu einem Schmuckstück zu mach
Ingolf Dachsel vom Bauamt Wilsdruff (li.) und Gerold Meißner, Chef der Brücken- und Spezialbau GmbH, trafen sich in dieser Woche zur Bauanlaufberatung am Herrenhaus Limbach. Das soll nach und nach saniert werden, um es wieder zu einem Schmuckstück zu mach

„Wir haben lange überlegt, wie wir hier vorgehen“, erzählt Dachsel. Zunächst sollte eine Bodenplatte Halt geben. Doch der Eingriff in die historische Bausubstanz wäre zu groß gewesen. Viele Zwischenwände aus der Anfangszeit des rund 600 Jahre alten Gebäudes hätten herausgenommen werden müssen. Auch die Freilegung und anschließende Stabilisierung der Außenmauern wurde thematisiert. Doch auch das schied aus. Letztlich habe man sich für eine Methode entschieden, die für das Gebäude wohl die beste ist. Die Außenmauern sollen mithilfe von Bohrpfählen stabilisiert werden. Diese werden leicht schräg etwa zehn Meter tief ins Erdreich getrieben. Fünf Meter unterhalb des Erdbodens liegt Fels.

Dieser soll dem Gebäude über die Pfähle Halt geben. Am Ende sollen die Pfähle die Lasten des Gebäudes aufnehmen. Das Mauerwerk soll zur Ruhe kommen. Weil man zuvor Probepfähle gesetzt hat, ist man im Bauamt zuversichtlich, dass das funktioniert. Auch Gerold Meißner geht davon aus, dass es klappt. Seine Firma, die Brücken- und Spezialbau Meißner hat sich den Auftrag dazu gesichert. „Wir haben uns auf solche Arbeiten spezialisiert“, sagt er. Seine Firma, die aus dem Schachtbau Nordhausen hervorging, war schon am Pergamon-Museum in Berlin, an der Klosterbrauerei in Neuzelle und an der Spreewaldbrauerei in Schlepzig tätig. Der Auftrag in Limbach ist für sein Unternehmen etwas Besonderes. Denn hier müssen die Bohrpfähle auch von innen in das Erdreich getrieben werden. Und aufgrund der geringen Raumhöhe ist das nicht einfach. „Normale Bohrgeräte sind zu groß“, erklärt Meißner. „Wir können hier nur arbeiten, weil wir selbstentwickelte Geräte besitzen.“ Die können auch in den 2,50 Meter hohen Innenräumen arbeiten. Meißner hofft, dass seine Mitarbeiter die Arbeiten in den nächsten drei Wochen abschließen können. Dann sollen 65 Bohrpfähle gesetzt sein. „Damit wären wir einen Schritt bei der Sicherung des Gebäudes weiter“, sagt Ingolf Dachsel. Die wichtigsten Probleme wären beseitigt. Und der Verfall gestoppt.

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist nicht viel zum Erhalt des Herrenhauses getan worden, erzählt er. Nach der Enteignung der Rittergutsbesitzer, der Familie von Schönberg, wurden im Herrenhaus Wohnungen eingerichtet. Hier zogen Flüchtlinge und Vertriebene aus den früheren deutschen Ostgebieten ein. Manche blieben bis Anfang der 1990er-Jahre, obwohl sich die Wohnbedingungen mit der Zeit deutlich verschlechtert hatten. Das Dach war zuletzt so undicht, dass das Regenwasser mit Badewannen aufgefangen werden musste. Nach dem Auszug der letzten Mieter stand das einst prächtige Herrenhaus leer und verfiel. Vor zwei Jahren begann die Stadt Wilsdruff mit der Sicherung. „Unterstützung kam vom Denkmalschutz, vom Bund und vom Land“, sagt der Bauamtsmitarbeiter. Ohne die finanzielle Hilfe wären die Arbeiten nicht möglich gewesen. Allein die Arbeiten am Dach und an den Mauern kosten rund 812 000 Euro. „80 Prozent bekamen wir gefördert“, so Dachsel. Wie es nach der Mauersicherung weiter geht, steht noch nicht fest. Das hänge von der künftigen Nutzung ab. Dafür gibt es einige Ideen. Noch sei keine davon spruchreif.

Stefan Bunke, der die Sanierung des Rittergutes seit 2001 als Architekt begleitet, kann sich vorstellen, dass das Erdgeschoss des Herrenhauses als Empfangsraum genutzt wird. Die im Rittergut tätige Stiftung Arbeit und Leben könnte hier ihre Gäste und Besucher begrüßen. Außerdem könnten hier Verwaltungsbüros entstehen. Im oberen Geschoss könnten eine Mitarbeiterwohnung und höherwertige Gästewohnungen eingerichtet werden.