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Bolzplatz ja, Toilette nein

Die Pläne für den neuen Park am Güterbahnhof werden konkret. Zeitlich auch: Im Juni 2020 soll er eröffnet werden.

© nikolaischmidt.de

Von Ingo Kramer

Beschlossen sind die konkreten Inhalte des neuen Parks am Güterbahnhof zwar noch nicht, aber in einigen Punkten kann sich Friedemann Dreßler vom Amt für Stadtentwicklung trotzdem schon weit aus dem Fenster lehnen. „Ein Bolzplatz ist hier fast schon ein Muss“, sagt er. Es gebe ja kaum Bolzplätze in der Innenstadt. Und bei der Bürgerbeteiligung für den Park sei der Wunsch nach einem Bolzplatz immer wieder aufgetaucht. Der nach einer Toilette auch, aber die wird es trotzdem nicht geben: „Im Umkreis von 500 Metern haben wir ja eine, nämlich am Busbahnhof.“

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Vor den Stadträten im Technischen Ausschuss stellte Dreßler vor wenigen Tagen alle Ideen für den Park vor – und die weiteren Zeitpläne. „Der Flächenerwerb von der Deutschen Bahn ist abgeschlossen“, sagt er. Nun laufen nacheinander die verschiedenen Planungsphasen ab. Im November sollen die Stadträte den Baubeschluss fassen. Dann könnten die Arbeiten im Winter ausgeschrieben und im zeitigen Frühling die Aufträge vergeben werden. Als Bauzeit hält er Mai 2019 bis Mai 2020 für realistisch – und als Eröffnungstermin Juni 2020, direkt zum Tag der offenen Sanierungstür.

Apropos Tag der Sanierungstür: „Das war dieses Jahr ein Höhepunkt der Bürgerbeteiligung, zudem das Zukunftsvisionen-Festival und die Weltstadt-Ausstellung.“ Alle drei fanden im Mai/Juni im Güterbahnhof statt. Besucher machten rege davon Gebrauch, ihre Wünsche und Ideen für den Park zu formulieren. Außerdem gab es eine Mitmachwoche, einen Baustellenspaziergang und einiges mehr, vor allem getragen vom Tierra-Eine-Welt-Verein. Nicht alle Ideen sind umsetzbar. Vor allem muss die Stadt mit dem umgehen, was da ist. Das heißt zum Beispiel: Von der Bahnhof- und der Lutherstraße dringt viel Verkehrslärm in den künftigen Park. Am ruhigsten ist es in der Mitte – da, wo beide Straßen am weitesten entfernt sind. Dort könnte am ehesten eine Zone zum Entspannen entstehen.

Ein anderes Problem: Am Zugang aus Richtung Krölstraße/Bahnhofstraße fehlt die sogenannte Raumkante, also eine klare Abgrenzung vom Park zur Stadt beziehungsweise zum angrenzenden Penny-Markt. Um das zu ändern, sollen dort Bäume gepflanzt werden. Drittens steht die Frage der Zugänge. Am Brautwiesenplatz sind es fast neun Meter Höhenunterschied zum Park. Dort gibt es schon jetzt eine (versteckte und sehr steile) Treppe. Sie soll künftig etwas weniger steil sein, aber an dieser Stelle erhalten bleiben. Um den Park von dort rollstuhlgerecht zu erschließen, wäre eine 170-Meter-Rampe erforderlich. Die Stadt hat mit Behindertenverbänden darüber gesprochen. Deren Antwort: Die Stadt möge auf einen solchen Gewaltakt verzichten, es gebe ja auch noch andere Eingänge, die behindertengerecht sind.

Die inhaltlichen Anregungen der Bürger enthielten alle denkbaren Sportarten, bis hin zur Schwimmhalle, sagt Dreßler. Letzteres schließt er zwar aus, aber es sei trotzdem schwer, eine Prioritätenliste aufzustellen: „Wir prüfen derzeit, was realistisch ist, wo es Bedarf und Defizite gibt.“ Tischtennisplatten seien realistisch, außerdem ein 20 mal 35 Meter großes Sportfeld für Fuß- und Basketball. Dort ließe sich sechs gegen sechs oder acht gegen acht Fußball spielen. Ebenfalls realistisch sind ein Trampolin, eine Inliner-Strecke, Spazierwege, Liegewiesen, Grillplatz, Feuerstelle, vielleicht auch ein kleiner Veranstaltungsbereich für Stadtteilfeste mit Open-Air-Kino und kleiner Bühne für Konzerte.

Für Kinder soll es Klettermöglichkeiten, Schaukeln, einen Sandkasten, einen Naturspielplatz mit Verstecken und Spielbereiche nach Altersgruppen geben. Eine Fitnessstrecke mit Geräten für alle Generationen will die Stadt ab diesem Jahr im Park des Friedens testen. „Wenn es dort erfolgreich ist, könnte es am Güterbahnhof eine Fortsetzung finden“, sagt Dreßler. Skeptischer ist er bei den ebenfalls oft gewünschten Themen Wasser und Brunnen: „Im Gegensatz zum Stadtpark ist hier kein natürlicher Wasserlauf vorhanden.“ Zudem wären Folgekosten zu beachten.

CDU-Stadtrat Matthias Urban hätte gern Möglichkeiten zum Gärtnern. Hier verweist Dreßler aber auf andere Flächen: „Einen Schulgarten gibt es nebenan auf dem Gelände der Waldorfschule, eine Fläche zum Stadtgärtnern bei der Rabryka in der Bautzener Straße.“ Zudem existieren in der Stadt auch Kleingartenanlagen, etwa an der Pontestraße. Hohe Erträge seien in dem Park ohnehin nicht zu erwarten: „Das ist aufgeschütteter Boden, der auch recht trocken ist.“ Günter Friedrich (Bürger für Görlitz) wünscht sich eine Fortsetzung entlang der Bahnschienen bis zur Rauschwalder Straße. Dreßler sieht das genauso: „Allerdings will die Bahn dort ihre Flächen noch nicht verkaufen.“ Die Stadt dränge darauf, als Minimalvariante wenigstens einen Fahrradweg hinter den Häusern der Brautwiesenstraße anzulegen, der bis zur Rauschwalder Straße führt und von dort dann direkt weiter zum Helenenbad.

Ebenfalls noch offen ist die Frage, wie der neue Park heißen soll. Bei der Bürgerbeteiligung gab es ganz viele Vorschläge, von Brautwiese, Brautwiesenpark und Brautwiesengarten bis zu ungewöhnlichen Ideen wie „Stilles Örtchen“, „Wunschpark“ oder „Berliner Park“. Hier ist bisher noch gar nichts entschieden. Auf ein Wort