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Geld und Recht

Boni und Rabatte richtig nutzen

Mit satten Rabatten können Haushalte heute Dutzende Euro sparen.

© adobe.com; Drobot Dean

Gerade beim Kauf von Möbeln, Autos oder teurer Unterhaltungselektronik sind 10 Prozent bis 20 Prozent Sparvorteil schnell sogar einige hundert Euro. Warum nicht einfach zugreifen? Schließlich ist das Angebot nur zeitlich begrenzt verfügbar. Wer als Verbraucher so denkt, ist dem Händler schon den halben Weg entgegengekommen. Heute werden Rabatte nicht mehr nur zur Lagerräumung eingesetzt – etwa, wenn im Spätsommer die Bikinis und Polo-Shirts unters Volk gebracht werden müssen.

Gutscheine und Co. werden gezielt eingesetzt, um den Absatz anzukurbeln. Und es geht auch darum, Verbraucher in die Läden zu locken. Die Rechnung: Es wird nicht nur der rabattierte Artikel mitgenommen. Beim Kauf eines neuen 4K-Fernsehers kommt auch noch das neue Gold-HDMI-Kabel, eine Smart-Home-Steuerung usw. mit nach Hause. Auf diese Weise treibt die Rabatt-Aktion den Umsatz der Shops an. Mit ein paar recht einfachen Tipps vermeiden Haushalte Stolperfallen, die am Ende aus dem günstigen Rabatt ein teures „Schnäppchen“ machen. 

Tipp 1: Niemals nur wegen Rabatt kaufen

Rabattcodes und Coupons sind heute allgegenwärtig. Beim Lesen der Zeitung oder Surfen im Internet – überall werden Verbraucher heute damit förmlich überschüttet. Einfach mal einen neuen Fernseher günstiger kaufen? Ach, warum eigentlich nicht. Wer so denkt, ist den Machern der Rabatt-Aktionen sprichwörtlich auf den Leim gegangen.

Unternehmen spekulieren darauf, dass die Rabatte und Vergünstigungen verführerisch wirken. Und am Ende etwas gekauft wird, was der Haushalt nicht braucht. Genau hier liegt auch einer der Tipps, um mit Rabattaktionen richtig umgehen zu können. Verbraucher müssen sich vor der Kaufentscheidung fragen, ob die vergünstigten Produkte oder Dienstleistungen wirklich gebraucht werden.

Klar, sind:

• Kühlschrank

• Waschmaschine

• Trockner

• TV-Gerät

in die Jahre gekommen, ist die Entscheidung schnell getroffen. Funktioniert das zwei Jahre alte Smartphone noch einwandfrei – braucht es dann wirklich ein neues Gerät? Wird nur gekauft, um sich den Rabatt zu sichern, wird das Ganze am Ende ein teurer Spaß – und der Haushalt hat nichts gespart.

Immer genau hinschauen

Dieser Grundsatz gilt für jede Rabatt-Aktion – auch, wenn es sich gerade um ein Technikbundle handelt. In einem Bereich kann der Rotstift aber weggelassen werden. Soll heißen: Wenn ein günstiger Preis mehr Funktionen als ursprünglich angedacht beinhaltet, darf zugegriffen werden. Beispiel Küchenmaschine: Ein Gerät mit Grundfunktionen kostet 150 EUR, dank Rabatt ist die Premium-Ausführung nur 15 EUR teurer. Hier ist es durch eine Überlegung wert, aufgrund der niedrigen Preisdifferenz das bessere Haushaltsgerät anzuschaffen.

Tipp 2: Normal- und Grundpreis prüfen

Satte Rabatte gibt’s heute nicht nur im Lebensmittelhandel. Fast jeder Bereich im Einzelhandel nutzt Rabatt-Aktionen. Auf den ersten Blick ein gefundenes Fressen für alle Schnäppchenfüchse. Einfach den Warenkorb füllen und mit einem guten Gewissen nach Hause gehen – der typische „Anfängerfehler“.

Preissteigerung vor Rabatt?

Um die Rabatt-Aktionen der Händler wirklich bis aufs Letzte auszureizen, muss der Blick Richtung Grundpreis gehen. Hintergrund: In der Vergangenheit ist es immer wieder vorgekommen, dass Händler zu Beginn von Rabatt-Aktionen die Preise der Artikel anhoben. Damit hat der Kunde zwar ein vermeintliches Schnäppchen gemacht – die Marge des Händlers wird mit einer solchen Aktion allerdings nicht ganz so stark beschnitten.

Beispiel: Ein Artikel kostet vor der Aktion 100 EUR. Mit Beginn wird dessen Preis auf 110 EUR angehoben, gleichzeitig eine 15 Prozent Aktion gefahren. Damit kostet der Artikel an der Kasse 93,50 EUR – über acht Euro mehr als ohne Preiserhöhung. In den Augen von Verbraucherschützern eine umstrittene Taktik, welche im Fall der mittlerweile insolventen Baumarkt-Kette Praktiker zu mehreren Gerichtsverfahren bis zum BGH führte.

Achtung: Haushalte sollten gerade bei Lebensmitteln immer den Grundpreis pro:

• Kilogramm

• 100 Gramm

• Liter

prüfen, um die tatsächliche Höhe der Rabatt-Aktion auszuloten. Wird im Zuge der Aktion nämlich die Packungsgröße korrigiert, kann es zu einer versteckten Preiserhöhung kommen. 

Tipp 3: Bonusbedingungen genau prüfen

Was für Lebensmittel gilt, lässt sich auch auf andere Bereiche – wie Dienstleistungsangebote – übertragen. Im Software-Segment oder bei Sportwetten kommt es regelmäßig zu Bonusaktionen. Gerade in letztgenanntem Sektor versuchen Anbieter, sich über Incentives wie:

• Free Bets

• Bonusguthaben

gegenüber der Konkurrenz zu profilieren. Auf den ersten Blick wirken die Angebote verlockend. Wo gibt’s schließlich Geldgeschenke nur für die Anmeldung eines Nutzeraccounts oder dafür, dass Geld auf das Nutzerkonto eingezahlt wird.

In der Praxis steckt hinter solchen Aktionen Kalkül – und eine lange Liste an Bonusbedingungen, die eines genaueren Blicks bedürfen. Diese Bedingungen enthalten sehr genau Vorgaben, welche Rahmenbedingungen Nutzer zu erfüllen haben. So ist die Auszahlung von Bonusvorteilen auf das Bankkonto solange gesperrt, bis Mindestumsätze erreicht sind.

Zusätzlich existieren ganz unterschiedliche Formen von Boni:

• Willkommensbonus (Startguthaben mit Bedingungen)

• Boni mit entsprechenden Mindestumsatz

• Gratiswetten

• Bestandskunden-Rabatte

Genau hier liegt ein Grund, dass speziell Einsteiger ohne Erfahrung unangenehme Überraschungen erleben. Leider werden die Bonusbedingungen zu selten gelesen. Bei einigen Anbietern sind diese sogar nicht ins Deutsche übersetzt – was die Frage der Transparenz und Seriosität berührt. Achtung: Neben der Umsatzanforderung gelten im Regelfall auch Fristen für das Erspielen der nötigen Summe.

© adobe.com; Monkey Business

Tipp 4: Trotzdem Angebote vergleichen

Rabatt-Produkte und Coupons verleiten dazu, Produkte einfach in den Warenkorb zu legen – und diese nicht weiter zu prüfen. Dabei kann ein Preisvergleich durchaus Überraschendes offenbaren. Wirkt das Angebot eines Händlers unschlagbar günstig, kann der gleiche Artikel bei der Konkurrenz mitunter noch deutlich günstiger sein.

Gerade sogenannte B-Ware, die bei der Gewährleistung aufgrund richterlicher Entscheidungen wie Neuware zu behandeln ist, und Rückläufer aus Retouren bieten die Chance auf erhebliche Sparvorteile. Haushalte können online meist sehr schnell einschätzen, wie hoch das Sparpotenzial ist.

Angebote vergleichen gehört noch aus einem anderen Grund auf die Agenda. Gerade bei Laufzeitverträgen werden die Konditionen nach Ablauf einer gewissen Frist angepasst. Dies kann beispielsweise in Form einer Grundpreiserhöhung passieren. Oder durch das Entfallen von Rabattvorteilen – wie höheren Download-Volumen. Haushalte, die im Vorfeld auch die Anschlusskonditionen auf den Prüfstand stellen, kommen am Ende günstiger weg. Klar: Das Ganze bedeutet einen gewissen Mehraufwand. Wird dieser in Kauf genommen, bieten sich in der Praxis noch einmal deutlich bessere Sparmöglichkeiten – etwa indem eine lange Mindestlaufzeit „umschifft“ wird.

Achtung:

Gerade im Lebensmittelbereich muss es nicht immer der Werbeprospekt sein, welcher Rabatte verspricht. Häufig werden Waren, deren MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) näher rückt, verbilligt angeboten. Deren Qualität und Verzehrfähigkeit ist nicht schlechter. Allerdings gibt es schnell einen Preisabschlag von 30 Prozent – oder mehr.

Tipp 5: Rabatte sind Lockangebote

Warum setzen Unternehmen Rabatte ein, um Waren und Dienstleistungen abzusetzen? Auf der einen Seite geht es darum, Lager zu räumen – etwa im Zusammenhang mit Saisonware. Andererseits ist die Absatzsteuerung das zweite Argument für Rabatt-Aktionen.

Allerdings funktioniert das Ganze manchmal anders als von Verbrauchern im ersten Moment vermutet. Gerade im Lebensmittelhandel sind spezielle „Lockangebote“ verbreitet. Hier wird mit extrem niedrigen Schnäppchenpreisen geworben.

Verbraucher, welche davon in die Läden gezogen werden – so das Kalkül – nehmen gleich noch andere Produkte mit. Der Einkaufskorb wird zunehmend voller. Sind dann die Grundpreise für häufig abverkaufte Artikel ein Stück weit angehoben, wird der Sparvorteil durch den Rabatt schnell wieder wettgemacht. Das heißt: Verbraucher sollten sich eher darauf beschränken, nur bei den rabattierten Artikeln zuzugreifen.

Fazit: Mit den richtigen Tipps Rabatte ausnutzen

Der Handel bietet immer wieder Gutscheine und Rabatt-Aktionen. Letztere sind heute in so gut wie allen Konsumbereichen anzutreffen – von Lebensmitteln über Mode bis hin zur Unterhaltungselektronik. Wer als Haushalt sparen will, fühlt sich wahrscheinlich schnell wie im Schlaraffenland. Aber: In der Praxis gibt es bei vielen Aktionen die eine oder andere Stolperfalle zu beachten. Preiserhöhungen bei anderen – vom Sonderpreis ausgenommenen – Produkten oder B-Ware, die bei der Konkurrenz viel billiger ist, sind nur zwei Aspekte. Verbraucher, die am Ende nicht das Nachsehen haben, sondern wirklich sparen wollen, müssen die Augen immer offenhalten. 

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der externen Redakteurin K. Radomsky.