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Politik

Boris Johnson hat Intensivstation verlassen

Der britische Premier scheint mit dem Schrecken davongekommen zu sein. Doch seinem Land steht in der Coronakrise das Schlimmste wohl noch bevor.

Boris Johnson ist auf dem Weg der Besserung.
Boris Johnson ist auf dem Weg der Besserung. © Victoria Jones/PA Wire/dpa

Von Christoph Meyer

London. Für den an Covid-19 erkrankten britischen Premierminister Boris Johnson ist es am Freitag weiter bergauf gegangen. Johnson setze seine Genesung fort, teilte ein Regierungssprecher mit. Diese sei zwar noch in einem frühen Stadium, der Premier sei aber weiterhin "sehr guter Dinge". Er habe sogar den Krankenhausmitarbeitern zugewinkt, als er die Intensivstation am Donnerstagabend verlassen habe.

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Die Erleichterung über die Verlegung Johnsons auf eine normale Krankenhausstation war groß. "Das sind gute Nachrichten", twitterte Labour-Chef Keir Starmer und fügte hinzu: "Ich hoffe, das ist der Beginn einer raschen Genesung." Gesundheitsminister Matt Hancock lobte die "Weltklasse-Versorgung" des Nationalen Gesundheitsdiensts NHS. "So gut, dass der Premierminister aus der Intensivbehandlung raus ist und auf dem Weg der Genesung ist", schrieb er per Twitter. "Großartige Neuigkeiten", frohlockte US-Präsident Donald Trump. 

Drei Tage lang hatten die Briten um das Leben ihres Regierungschefs gebangt. Doch auch wenn Johnson persönlich auf dem Weg der Besserung sein sollte, klafft durch seine Abwesenheit in der Regierung eine Lücke. Ausgerechnet zu einer Zeit, in der die Krise in Großbritannien ihren Höhepunkt erreichen könnte.

Nach Ansicht des wissenschaftlichen Chefberaters der Regierung, Patrick Vallance, könnte es noch mindestens zwei Wochen dauern, bis die Zahl der neu gemeldeten Todesfälle nicht mehr ansteigt. Mit der bislang höchsten Zahl von 938 Todesfällen am Mittwoch ist Großbritannien nicht mehr weit entfernt von dem bislang am schlimmsten getroffenen europäischen Land Italien, das Ende März fast 1.000 Todesfälle an einem Tag verzeichnet hatte.

Damit wächst die Sorge, dass der britische Gesundheitsdienst in die Knie gehen könnte. Dem NHS fehlt es an Beatmungsgeräten, Schutzkleidung und Personal. Die Bundeswehr reagierte inzwischen auf einen Hilferuf aus Großbritannien mit einer Zusage für 60 mobile Beatmungsgeräte. Diese sollten so schnell wie möglich an den Nato-Partner verschickt werden, hieß es am Donnerstag aus dem Verteidigungsministerium in Berlin. 

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Der Vater des 55 Jahre alten Premiers, Stanley Johnson, glaubt nicht an eine schnelle Rückkehr seines Sohns in die Amtsgeschäfte. "Er braucht Zeit. Ich kann nicht glauben, dass man das durchmachen kann und direkt wieder zurück in die Downing Street (den Regierungssitz) geht und die Zügel in die Hand nimmt, ohne eine Phase der Wiederanpassung", sagte der 79-Jährige dem Radiosender BBC 4 am Freitag. Noch sei sein Sohn nicht über den Berg.

Johnson war am Montag auf die Intensivstation des St. Thomas' Hospital in London gebracht worden, nachdem sich sein Gesundheitszustand eineinhalb Wochen nach seiner Diagnose verschlechtert hatte. Tags zuvor war er wegen anhaltender Symptome in die Klinik gebracht worden.

Kritik an Männlichkeitskult und Realitätsverweigerung

Johnson wird derzeit von Außenminister Dominic Raab vertreten. Die Kompetenzen des Premierministers hat er aber nicht. Großbritanniens ungeschriebene Verfassung sieht keine klare Regelung für den Fall vor, dass der Regierungschef ausfällt. Kritiker fürchten, dass davon die Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigt sein könnte.

Unterdessen wurde erneut Kritik am Umgang der Regierung mit der Pandemie laut. Die Ansteckungsgefahr sei massiv unterschätzt worden, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg ein Mitglied der konservativen Regierungspartei. Schuld daran gewesen seien ein übersteigerter Männlichkeitskult und Realitätsverweigerung. Johnson hatte noch Anfang März geprahlt, er habe in einem Krankenhaus Menschen, darunter Covid-19-Patienten, die Hand geschüttelt und angekündigt, dies weiterhin zu tun.

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Bis zum Mittwochabend wurden der Regierung zufolge 881 neue Todesfälle verzeichnet. Insgesamt stieg die Zahl der Toten damit auf knapp 8.000. Nicht eingerechnet sind dabei bislang die Sterbefälle in Pflegeheimen. Schätzungen zufolge könnten dort bereits zusätzlich etwa 1.000 ältere und pflegebedürftige Menschen an dem Virus gestorben sein, wie der "Guardian" berichtete. Die Zahl der positiv getesteten Personen in Großbritannien stieg auf 65.077. (dpa) 

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