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Borkenkäfer vernichten Fichten

Allein rund um die Talsperre sind 400 Bäume zu fällen. Es wächst aber schon die nächste Käfergeneration heran.

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© André Braun

Von Tina Soltysiak

Döbeln. Rund um eine hochgewachsene Fichte liegen grüne Nadeln am Boden. Die übrigen in der Baumkrone sind gelblich verfärbt. Das ist ein eindeutiges Zeichen, dass ein Schädling den Baum befallen hat: der Borkenkäfer. Die Population hat sich schlagartig vermehrt. Und zwar nicht nur in den Wäldern rund um die Talsperre Kriebstein, sondern im gesamten Landkreis Mittelsachsen. Die Forstbehörde des Landratsamtes spricht von einem „massiven Befall“.

Im gefällten Holz reifen weitere Larven des Borkenkäfers heran.
Im gefällten Holz reifen weitere Larven des Borkenkäfers heran. © André Braun
Aufgrund der zeilenartigen Gänge handelt es sich um den Buchdrucker.
Aufgrund der zeilenartigen Gänge handelt es sich um den Buchdrucker. © André Braun

Steffen Kühn ist Förster im Privat- und Körperschaftswald im Revier Hainichen. Zu diesem gehört außer Hainichen und Kriebstein unter anderem auch Striegistal. Beim Vor-Ort-Termin im Privatwald zwischen Falkenhain und Erlebach erzählt er: „Rund um die Talsperre sind etwa 400 Bäume betroffen.“ Das seien deutlich mehr als in den Vorjahren, weil sich die Käfer so stark vermehrt haben.

Ronald Köllner, zuständig für das Revier Thümmlitz-Klosterbuch, erzählt, dass er Glück habe. In seinen Wäldern seien keine Borkenkäfer unterwegs. „Wir haben auch nur wenige Fichten im Bestand, deshalb finden die Borkenkäfer nicht genug zu fressen“, sagt er. Sein Revier umfasst insgesamt 1 500 Hektar, davon seien 40 mit Fichten bewachsen. Köllner pflegt und bewirtschaftet in Klosterbuch 650 Hektar, auf rund 15 stehen Fichten. „Weil sich die Trockenzeiten immer weiter verlängern, verzichten wir auf die Neupflanzung von Fichten“, so Ronald Köllner.

Bäume unter Stress

Sein Kollege Steffen Kühn ergänzt, dass die Bäume unter Stress stehen. Das liege an der Trockenheit des letzten Jahres und dem milden Winter. Unter diesen Bedingungen fühlen sich die Käfer wohl. „Es ist möglich, dass in diesem Jahr bis zu drei Generationen heranwachsen“, sagt Kühn. Zwischen sechs und acht Wochen dauere es, bis aus den Eiern Käfer werden. Unter den aktuellen Wetterbedingungen würden sich die Larven sogar binnen zwei Wochen zu Käfern entwickeln. Innerhalb eines Jahres könnte dann die Population von 40 Käfern auf etwa 10 000 Stück ansteigen.

Es sind in der Regel über 50-jährige Baumhölzer, weniger jüngere Waldbestände, betroffen. Die Waldbesitzer müssen jetzt ganz besonders die Augen offen halten. Erste Anzeichen für einen Befall: zahlreiche Einbohrlöcher rund um den Baumstamm mit ausgeworfenem, hellbraunem Bohrmehl. Pickende Spechte sind ebenfalls ein Indiz dafür. „Der Vogel sucht nach Larven. Deshalb sind häufig auch Rindenabplatzungen zu sehen“, erklärt Steffen Kühn, der beim Staatsbetrieb Sachsenfort angestellt ist.

Die Vorarbeit würden die Männchen liefern. „Sie bohren sich in die Rinde und legen eine Rammelkammer an. Dann sondern sie Duftstoffe ab, die die Weibchen anlocken. Es kommt zur Eiablage“, beschreibt Kühn das Fortpflanzungsverhalten der Borkenkäfer. Hat sich der Käfer einmal zwischen Rinde und Holzkörper der Fichten eingenistet, stirbt der Baum ab. Denn die Wasserversorgung wird unterbrochen. „Die Fichten müssen gefällt werden“, sagt Kühn. Das übernimmt die Erntemaschine namens Harvester. Sie greift den Baum, fährt eine Kettensäge aus und bringt die Fichte zu Fall. Dann trennt sie die Äste ab und zerlegt den Stamm in gleichmäßige Teile, die abtransportiert werden können.

Momentan stapeln sich die Baumstämme noch im Wald. „Sie werden aber schnell weggebracht“, sagt Steffen Kühn. Denn zwischen der Rinde entwickeln sich bereits neue Larven. Da die Fällung im Privatwald passiert, muss der Besitzer die Kosten tragen. „Das Holz ist trotzdem wertvoll und wird an die Industrie verkauft. Deshalb bleiben meist Erlöse“, sagt er.

Selbst aufmerksame Waldbesitzer seien erstaunt, dass wenige Tage nach ihrem letzten Kontrollgang ohne Befund plötzlich Befallsherde auftreten, heißt es vonseiten der Forstbehörde des Kreises. Je nach Entwicklungsstadium sei zwischen wenigen Tagen und maximal fünf Wochen Zeit für die fachgerechte Waldsanierung. Besitzer, die über 50-jährige Fichten im Bestand haben, sind deshalb dazu aufgerufen, zumindest alle zwei Wochen einen Kontrollgang durchzuführen. Meldungen zu erkannten Borkenkäferherden – der Ort ist möglichst exakt zu beschreiben – nimmt die Forstbehörde unter Tel. 03731 799-3610, -3611, -3621 oder per E-Mail ([email protected]) entgegen.