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So lief die Open-Air-Boxgala

In Magdeburg fand erstmals seit Corona-Ausbruch wieder ein Boxkampf mit Zuschauern statt. Dabei zeigte Ex-Europameister Kabayel seine Klasse.

Blick auf die abendliche Seebühne im Elbauenpark: Hier fand am Samstagabend der erste Boxkampf mit Publikum seit Beginn der Pandemie statt.
Blick auf die abendliche Seebühne im Elbauenpark: Hier fand am Samstagabend der erste Boxkampf mit Publikum seit Beginn der Pandemie statt. © dpa/Peter Gercke

Magdeburg. Ulf Steinforth war sichtlich erleichtert. "Wir sind glücklich, dass alles aufgegangen ist. Wir haben das Konzept perfekt umgesetzt. Es war eine tolle Kulisse und mit den Zuschauern einfach eine tolle Atmosphäre", sagte der Promoter am Ende einer langen Box-Nacht. Diese war kurz zuvor auf der Magdeburger Seebühne erstmals seit der Corona-Pause wieder vor Zuschauern zu Ende gegangen. Vor 550 Fans hatten die Schwergewichtshoffnungen Agit Kabayel und Peter Kadiru am Samstag unter freiem Himmel ungefährdete Siege gefeiert.

Sportlich waren die Duelle des Abends nicht auf dem höchsten Niveau. Viel wichtiger war SES ohnehin etwas anderes. Die langsame Rückkehr zur Normalität. "Wir wollten zeigen, wir können das", betonte Steinforth. Mit Ausnahme einiger Kämpfe in Nicaragua war die Veranstaltung in Magdeburg weltweit wieder die erste mit zahlenden Gästen. Und entsprechend viel Aufmerksamkeit erhielt das Event in der besonderen Szenerie des Elbauenparks.

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ESPN übertrug Teile des Kampfabends live in den USA. Promoter-Legende Bob Arum meldete sich aus den Staaten noch vor Ende der Kämpfe und gratulierte Steinforth. Politiker Sachsen-Anhalts saßen am Ring, überzeugten sich aus erster Hand vom Konzept des Boxstalls. Eine Taskforce von zehn Personen hatte einen 90 Seiten starken Plan umgesetzt. Von den Fiebermesskameras am Eingang bis zum Einbahnstraßensystem rund um den Ring.

Agit Kabayel feiert seinen Sieg gegen den Griechen Lazaridis.
Agit Kabayel feiert seinen Sieg gegen den Griechen Lazaridis. © dpa/Peter Gercke

Die Zuschauer, die maximal zu zweit nebeneinander sitzen durften, hielten sich weitestgehend an die Vorschriften. Nur vor den Bierständen außerhalb der strengsten Hygiene-Zonen wurde es bisweilen etwas enger. "Es war keiner genervt, alle haben mitgezogen. Das fand ich toll", sagte Steinforth. Die Maskenpflicht hatte sich SES sogar selbst auferlegt, sie wäre unter freiem Himmel in Sachsen-Anhalt nicht zwingend gewesen.

Den Star des Abends bekamen die Fans immerhin über die volle Distanz zu sehen. Ex-Europameister Agit Kabayel arbeitete sich zehn Runden an dem Griechen Evgenios Lazaridis ab, siegte einstimmig nach Punkten. Einem vorzeitigen Ende stand eine verheimlichte Verletzung im Weg. "Ich hatte mich im Training an der rechten Hand verletzt. Ich habe davon aber nicht mal meinem Trainer erzählt", sagte Kabayel. Erst nach der sechsten Runde offenbarte er sich seinem Coach Sükrü Aksu.

Stallgefährte Peter Kadiru wollte eigentlich länger boxen, wurde aber Opfer einer Verletzung. Sein Gegner Eugen Buchmüller warf in der Pause vor der vierten Runde wegen einer lädierten Schulter das Handtuch. Für Kurzarbeiter Kadiru soll es bereits im September weitergehen - im Rahmenprogramm der ersten Titelverteidigung von Weltmeister Dominic Bösel.

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Diese war ursprünglich für den 28. März in der Magdeburger Getec-Arena geplant, fiel dann Corona zum Opfer. "Wir kämpfen um einen Termin Mitte/Ende September in der Getec-Arena", sagte Steinforth. In Kürze soll alles fix gemacht werden. Einen Plan B unter freiem Himmel hat der Manager sich auch schon zurechtgelegt. "Ein Fußballstadion ist hundertprozentig ein Alternativplan. Wir müssen realistisch sein und ein offenes Auge haben." Derzeit ist Boxen Open-Air-Sport. (dpa) 

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