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Löbau

Flammen auf dem Erntefeld

Der Brand einer Strohpresse im August 1975 bei Rennersdorf hätte schlimme Folgen haben können – auch für die Industrie.

Symbolbild
Symbolbild © Constanze Junghanß/SZ-Archiv

Wenn es mitten in der Getreideernte plötzlich brennt – da läuten die Alarmglocken. Das war auch am 13. August 1975 der Fall, als am späten Nachmittag plötzlich zwischen Großhennersdorf und Rennersdorf eine Strohpresse in Flammen stand. Ein technischer Defekt an der Zapfwelle hatte für Reibungshitze gesorgt. Solch ein Feldbrand barg ein hohes Gefahrenpotenzial, zumal jener Sommer von anhaltender Trockenheit geprägt war. Zum Glück konnte die „Strohbergungsbrigade“, so bezeichnete die Polizei die auf dem Feld arbeitenden Bauern, Schlimmeres sofort abwenden, noch ehe die Feuerwehr eintraf. Nicht auszudenken, wenn die Flammen auf das gesamte Feld oder den angrenzenden Wald übergegriffen hätten.

Getreidestroh hatte zu dieser Zeit in der DDR einen hohen Stellenwert. Es wurde nicht nur in der Tierproduktion der Landwirtschaft gebraucht, sondern war auch in der Industrie als Rohstoff gefragt. Es fand sich beispielsweise in Zellstoff, Pappe, Papier, in Bindegarn, Faserplatten oder in Trinkhalmen wieder. Ein Teil des Erntestrohs musste daher von den Pflanzenbaubetrieben abgeliefert werden. Pro Hektar Getreideanbaufläche waren das zu jener Zeit 1,5 bis 3 Doppelzentner (Dezitonnen). Darüber hinaus nahmen die staatlichen Erfassungs- und Aufkaufbetriebe auch Stroh aus freiem Verkauf ab. Dafür wurde der doppelte Preis gezahlt.

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Aber auch andere Stroharten waren begehrt, so Raps-, Rüben- oder Fenchelstroh, das die rohstoffarme DDR-Industrie für die Hartfaserplattenproduktion, für die Möbelherstellung oder im Waggon- oder Schiffbau brauchte. Der große Wert von Stroh wurde auch mit der Schonung des Waldes begründet. Für eine Tonne Stroh, die der Industrie nicht zugeführt werde, müssten 2,2 Raummeter Holz eingeschlagen werden, lautete die Argumentation. 

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