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Brandschützer auf dem Sprung

Der Tauschaer Feuerteufel war auf der Jahreshauptversammlung der Feuerwehren ein Thema – nicht jeder konnte entspannt ein Bierchen genießen.

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© A.H.

Von Manfred Müller

Tauscha. Die Löschfahrzeuge parkten draußen vor der Mehrzweckhalle, die Einsatzbekleidung lag griffbereit im Wageninneren. Eine gewisse Anspannung war nicht zu übersehen bei der Jahreshauptversammlung der Thiendorfer Feuerwehren am Sonnabend. Im Ortsteil Tauscha geht seit November 2015 ein Feuerteufel um. Sechs Brände innerhalb eines Vierteljahres – die letzten drei auch noch auf den Grundstücken von Feuerwehrleuten. Da lag die Befürchtung nahe, dass der Brandstifter gerade dann zündelt, wenn die Brandschützer in trauter Runde ein Bierchen trinken. Für die Fahrer der Feuerwehrautos war Alkohol deshalb tabu. Und auch die Besatzungen aus Tauscha und Kleinnaundorf hielten sich zurück. „Es gab ja alkoholfreies Bier und Radler“, sagt Gemeindewehrleiter Friedemann Böhme. „In so einer Situation schlägt keiner über die Stränge.“ Am Ende gab es doch keinen Alarm – die gesamte Mannschaft konnte sich in die bereitstehenden Busse setzen und zurück in ihre Dörfer fahren lassen. Das Thiendorfer Busunternehmen Stülpner hatte einen kostenlosen Hol- und Bringdienst eingerichtet – was dafür spricht, dass die Feuerwehr in der Gemeinde geachtet und geschätzt wird.

An die 200 Feuerwehrleute hatten sich am Samstagabend in der Sporthalle versammelt, um Rechenschaft über die Arbeit des vergangenen Jahres abzulegen. Durch die Eingliederung von Tauscha nach Thiendorf ist die Gemeindewehr zahlenmäßig erheblich angewachsen. 219 aktive Mitglieder stehen in zwölf Ortsfeuerwehren ihren Mann. Nicht leicht zu händeln für einen ehrenamtlichen Feuerwehrchef. „Da ist schon eine gewisse Schmerzgrenze erreicht“, sagt Friedemann Böhme. „Aber ich habe zwei richtig gute Stellvertreter, da kann man sich in die Aufgaben hineinteilen.“ Die Thiendorfer Jahreshauptversammlung fand erstmals in so großem Rahmen statt. Mehr als ein Dutzend Rechenschaftsberichte, etliche Grußworte und eine gewaltige Gratulationscour für Jubiläen und Beförderungen – das war schon etwas anstrengend. Einige Kameraden, besonders von der Sackaer Ortsfeuerwehr, machten auch keinen Hehl daraus, dass sie lieber unter sich geblieben wären. Wenn es darum geht, die Sorgen und Nöte einer Ortsfeuerwehr zu diskutieren, ist die Formel „Aus zwölf mach eins“ wahrscheinlich nicht so günstig. Aber ein zahlreiches Publikum hat auch Vorteile. „Es ist viel würdevoller, wenn bei einer Auszeichnung 200 statt zehn Leute Beifall klatschen“, hält Friedemann Böhme gegen.

Nicht genügend Löschwasser

Es war ja auch nicht so, dass bei der Jahreshauptversammlung keine Probleme auf die Tagesordnung kamen. Zum Beispiel die Versorgung mit Löschwasser bei einem größeren Brand. Als im November am Tauschaer Ortsrand die Scheune der Agrargenossenschaft in Flammen stand, reichte das Wasser hinten und vorne nicht. Die Hydranten machten schlapp, und die umliegenden Teiche waren größtenteils abgelassen. Auch die kleine Lüttichauer Ortsfeuerwehr wies darauf hin, dass in ihren Teichen nur wenige Kubikmeter Löschwasser zur Verfügung stehen. Eine ausgesprochene Bereicherung hingegen ist für Thiendorf die Kleinnaundorfer Jugendfeuerwehr. Sie sorgt seit Jahren dafür, dass es kaum Probleme mit dem Brandschützer-Nachwuchs gibt. 19 Mädels und Jungs wurden bisher in den aktiven Dienst übernommen, und außerdem sind die Kleinnaundorfer echte Sportskanonen, die schon bei vielen Jugendwettbewerben abgeräumt haben. „Von denen können die anderen wirklich etwas lernen“, sagt Thiendorfs Gemeindewehrleiter.

Bürgermeister Mocker appellierte an seine Feuerwehrleute, sich von der Gerüchteküche um die Tauschaer Brandserie nicht verunsichern zu lassen. Über die sozialen Netzwerke werde naturgemäß auch viel Unsinn verbreitet. Die Aufklärung sei nicht Sache der Feuerwehr, sondern der Polizei. Das sieht auch Feuerwehr-Chef Böhme so. „Wenn jemand auf die Idee kommt, in Tauscha nachts auf Streife zu gehen“, sagt er, hält man ihn wahrscheinlich für den Täter, und er kriegt eins auf die Mütze.“