Teilen: merken

Brandstifterprozess noch einmal verlängert

Erst am 22. März will das Gericht das Urteil verkünden. Einige Anklagepunkte wurden aber schon eingestellt.

© DA-Archiv

Von Jens Hoyer

Döbeln. Eigentlich sollte am Donnerstag das Urteil gegen eine 70-jährige Döbelnerin gesprochen werden, der vorgeworfen wird, viermal Feuer im Wohnhaus Albert-Schweitzer-Straße 23 gelegt und den Tod einer Frau verursacht zu haben. Zur Überraschung von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und den Prozessbeobachtern kam es nicht dazu. Die vorsitzende Richterin setzte einen weiteren Termin an: Am 22. März soll der Prozess nun zu Ende kommen. Auch der MDR war im Gerichtssaal. Mangels Urteil befragte das Fernsehteam zumindest einen Nachbarn der Angeklagten, der aus Interesse zur vermeintlichen Urteilsverkündung gekommen war.

Symbolbild Anzeige
Anzeige

Ein neuer Volkswagen für saubere Luft

Mit den neuen Modellen werden Schadstoffe in den Städten verringert: Die Volkswagen-Wechselprämie hilft allen Autofahrern dabei.

Beim Urteil werden wahrscheinlich nicht mehr alle Vorwürfe eine Rolle spielen, die der Frau zur Last gelegt werden. Das Gericht schlug dem Staatsanwalt vor, die Anklagepunkte, die das Vortäuschen von Straftaten betreffen, vorläufig einzustellen. Im Falle einer Verurteilung wegen Brandstiftung wären diese Punkte nicht besonders strafverschärfend. Allerdings können die Fakten zur Urteilsfindung mit herangezogen werden.

Um was geht es dabei? Der Angeklagten war vorgeworfen worden, Straftaten, insbesondere Überfälle auf ihre Person, nur vorgetäuscht zu haben. So hatte sie gegenüber der Polizei angegeben, im Januar vergangenen Jahres von zwei Männern angegriffen und geschlagen worden zu sein, als sie auf dem Weg zum Briefkasten war. Der Polizist, der die Anzeige damals aufnahm, hatte in der Verhandlung ausgesagt, dass ihm das alles sehr komisch vorgekommen sei. Die Frau habe keinen sehr verängstigten Eindruck gemacht. Eine Gerichtsmedizinerin, die die Verletzungen der Frau begutachtete, sagte aus, dass sie auch durch Anstoßen an Kanten verursacht worden sein können. Das Schreiben von fingierten Drohbriefen gegen den Vermieter Pro Leipzig ist der einzige Tatvorwurf, den die Angeklagte gegenüber der Polizei zugegeben hatte.

Auch wegen des fehlenden Geständnisses stützt sich die Anklage vor allem auf Indizien. Nach Ansicht der Ermittler gibt es viele Ungereimtheiten in den Aussagen der Frau. So will sie bei einem Kellerbrand im Oktober 2016 dem mutmaßlichen Brandstifter begegnet sein. Der sei aus dem Keller gestürmt, wo das Feuer schon ein beträchtliches Ausmaß hatte, und habe die Angeklagte ins Gesicht geschlagen. Nebenbei will sie ihm noch einen Drohbrief entrissen haben, von dem ja schon bekannt ist, dass er von der Angeklagten stammt.

Die Schuldfähigkeit der Angeklagten hatte der psychiatrische Gutachter schon festgestellt. Er zeichnete auch ein Bild der Angeklagten, dass eine Ahnung vom möglichen Tatmotiv hinterlässt. Sie habe mit Ängsten und Verunsicherung auf den Einzug eines Iraners ins Haus reagiert. Am Kellerverschlag dieses Mitbewohners war auch das erste Feuer der Brandserie gelegt worden.

Das Gericht macht sich die Urteilsfindung nicht leicht. Seit November vergangenen Jahres wird verhandelt. Ursprünglich waren nur sieben Verhandlungstage bis Anfang Januar mit rund 50 Zeugen geplant.