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Leipzig

Linksextremisten verüben erneut Anschlag 

In Leipzig brannte ein Büro der Steuerbehörde aus. Die Polizei vermutet einen politischen Hintergrund. Jetzt gibt es ein Bekennerschreiber .

© Symbolbild/Britta Pedersen/dpa

Von Sven Heitkamp, Leipzig

In Leipzig ist offenbar erneut ein Anschlag von Linksextremisten verübt worden. Nach einem Feuer im Landesamt für Steuern und Finanzen im Stadtteil Lindenau tauchte am Wochenende auf dem deutschschweizerischen Internetportal barrikade.info eine Art Bekennerschreiben auf. Dessen Titel verweist auf den Todestag eines jungen griechischen Demonstranten, der 2008 im alternativen Athener Szeneviertel Exarchia erschossen wurde: „Niemand wird unseren Kampf befrieden – Solidarische Grüße aus Leipzig an die kämpfenden Gefährt*innen in Exarchia!“ Am Abend des 6. Dezember 2008 war der 15-jährige Alexis G. bei einer Konfrontation von Polizei und Autonomen erschossen worden.

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Das Feuer in der Leipziger Außenstelle war in der Nacht zum Sonnabend gegen 1:30 Uhr ausgebrochen. Das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen, da ein politisches Motiv als wahrscheinlich gilt. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde in der Nacht im Innenhof des Gebäudes im Erdgeschoss ein Fenster eingeschlagen und ein Brandmittel angezündet. „Durch den Brand wurde ein Büroraum vollständig zerstört“, berichten die Ermittler. Zeugen werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei zu melden. Durch das Feuer sei sämtliche Post, die am 5. und 6. Dezember eingegangen sei, vernichtet worden, berichtet das Landesamt jetzt. Daher werden alle Absender, die an diesen Tagen Post an die Außenstelle geschickt haben, gebeten, ihre Schreiben erneut zu versenden.

Im Bekennerschreiber heißt es, das Landesamt für Finanzen vollziehe „die Politik des freien Marktes“, die „auf die Bevorzugung von Unternehmen zum Nachteil der Bevölkerung“ ziele. Deutschland trage „die direkte Schuld, die griechische Bevölkerung kaputtgespart und das griechische Staatseigentum zum Ausverkauf freigegeben zu haben“. Als Akt der Solidarität habe man das Landesamt in Brand gesetzt, aber Gefahren für Menschenleben ausgeschlossen. „Wir senden Rauchzeichen der Kraft und Liebe für die Freiheit.“ Zugleich werden Parallen nach Leipzig-Connewitz gezogen. Seit einigen Wochen belagere die Polizei erneut Connewitz und „die Ermittlungsgruppe gegen Linksextremismus wurde zum x-ten Mal wieder umbenannt und aufgestockt“. „Die widerständigen Strukturen sollen zerstört werden, damit die Investor*innen freie Hand haben, sich auszubreiten.“

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Zeugen werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei, Dimitroffstraße 1 in 04107 Leipzig, Tel. (0341) 966 4 6666 oder jeder anderen Polizeidienststelle zu melden.

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