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Braver Protest

Mit Fakten wirbt Strehla beim Bund für die B 182-Umgehung. Doch es gibt Stimmen, die meinen: Das reicht nicht.

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© Sebastian Schultz (Archiv)

Von Eric Weser

Strehla. Es ist ein beeindruckend langes und datengesättigtes Schreiben, das mittlerweile in Berlin angekommen sein dürfte. Die Rede ist vom Brief, den der „Verein für ein lebenswertes Strehla“ ans Verkehrsministerium geschrieben hat, um eine Höherstufung der Strehlaer B 182-Umgehung zu erreichen. Bis jetzt rangiert die Straße im Bundesverkehrswegeplan 2030 nämlich, so viel ist seit einigen Wochen klar, unter ferner liefen.

Um daran noch etwas zu ändern, hat der Verein für ein lebenswertes Strehla in seiner Einwendung minutiös Gründe, die aus seiner Sicht für einen Bau sprechen, zusammentragen. Etwa diesen: Einerseits wolle der Gesetzgeber, dass Innenstädte baulich verdichtet werden. Andererseits möchte kaum jemand in einer Innenstadt leben, durch deren Mitte eine Bundesstraße führt. Schon jetzt seien Sanierungsstau und Leerstand entlang der B 182 in Strehla sichtbar. Auch Zahlen sollen die Forderung nach der Straße untermauern: Eine vereinseigene Verkehrszählung ergab, dass täglich mehr als 6 000 Fahrzeuge durch die Stadt rollen. Die Zahlen des Bundes (2 000 Kfzs) sehen die Strehlaer damit widerlegt. Vom Verein durchgeführte Schallmessungen weisen zudem darauf hin: Mit über 60 Dezibel dringt so viel Lärm ins Hausinnere einiger B 182-Anlieger, wie eigentlich gerade so vor der Tür zulässig wären.

Lärmbelastung ist auch eins der Hauptargumente von Reimar Kalkhof. In seiner Wortmeldung zu den Bundes-Plänen legt der Strehlaer Arzt dar, weshalb die Umgehung aus medizinischen Gründen kommen muss. So sei mehr als jeder vierte Strehlaer von den negativen Auswirkungen der Bundesstraße in der Stadt betroffen. Dazu gehöre neben Gesundheitsbelastungen durch Lärm, Feinstaub, Dieselruß auch die allgegenwärtige Unfallgefahr für Jung und Alt auf den engen Gehwegen. Die Entscheidungsträger hätten eine Fürsorgepflicht für die Menschen, die an der Straße leben, so der Appell des Arztes.

Kritik an Plakataktion

Vieles, was die Strehlaer vortragen, klingt überzeugend. Und das meiste davon ist nicht neu. Wohl auch deshalb gibt es selbst unter den Umgehungs-Befürwortern inzwischen Stimmen, die meinen: Bloße Fakten alleine reichen nicht mehr. Der Strehlaer Protest sei zu brav, er müsse lauter und besser öffentlich wahrnehmbar werden.

Wie ein Protest für eine Ortsumgehung aussehen kann, hat Schönfelds Bürgermeister Hans-Joachim Weigel gezeigt, der sich anno 2015 mit einem Stuhl auf die Straße setzte und kurzerhand die B 98-Durchfahrt blockierte. Zu solch drastischen Mitteln wollen die Strehlaer nicht greifen, sagt zumindest Hans-Jürgen Grübler, Vorsitzender des Vereins für ein lebenswertes Strehla. Man wolle niemanden gefährden. Über Aktionen „zivilen Ungehorsams“ werde aber nachgedacht. Zuletzt war schon von einem Autokorso die Rede.

Kritik gibt es derweil an Strehlas einzig wirklich öffentlichem Protest für die Umgehung, der Plakataktion: Zwar hängt am Nadelöhr von Julius-Scharre- und Torgauer Straße seit mehr als drei Jahren ein rotes Banner, das auf die fehlende Ortsumgehung hinweist. Doch es ist eben nur ein einziges Plakat, das schon aus Richtung Torgau kommend kaum mehr zu sehen ist. Andernorts gebe es eine regelrechte Plakatflut in der Stadt, monieren Kritiker. Strehla dagegen vermittle eher den Eindruck friedlicher Kleinstadt-Idylle.

Wie der Strehlaer Protest künftig aussieht, dazu will sich Vereinschef Hans-Jürgen Grübler noch nicht äußern. Er macht aber klar: Es muss noch vor der nächsten Bundestagswahl etwas passieren. Strehla wolle sich nicht mehr abspeisen lassen. Zu groß ist nach jahrelangen Mühen und bereitwilliger Kooperation mit Politik und Behörden der Frust, dass die B 182-Umgehung wieder keine Chance zu haben scheint.