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Breite Unterstützung für Pfarrer König

«In der Welt geht es nicht gerecht zu», sagt der Jenaer Pfarrer Lothar König. Vom 19. März an wird dem Mann mit Rauschebart und Jesus-Latschen in Dresden der Prozess gemacht. Aus Sicht der Staatsanwälte hat er zu Gewalt angestachelt.

© dpa

Dresden. Der Jenaer Jugendpfarrer Lothar König kann bei seinem Prozess wegen Landfriedensbruchs in Dresden auf breite Unterstützung bauen. Am Donnerstag gab das Komitee für Grundrechte und Demokratie dem 59-Jährigen Rückendeckung. Die Anklage wurde als «politischer Akt» bewertet. Mit dem Prozess würden Gegner der Rechtsextremisten kriminalisiert und unter Strafe gestellt, sagte, Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, die gegen Rassismus kämpft. Das Komitee für Grundrechte und Demokratie mit Sitz in Köln ist eine Bürgerrechtsorganisation, die sich für Menschenrechte stark macht.

König muss sich vom 19. März an wegen seiner Beteiligung an Demonstrationen gegen Neonazis in Dresden verantworten. Angeklagt sind auch versuchte Strafvereitelung und Beihilfe zum Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft König vor, bei Protesten gegen einen genehmigten Neonazi-Aufmarsch am 19. Februar 2011 zu Gewalt gegen Polizisten aufgerufen zu haben. König bestreitet das.

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König habe während einer gefahren- und risikoreichen Situation versucht, sich um junge Leute zu kümmern, erklärte sein Anwalt Johannes Eisenberg in einer Stellungnahme: «Er hat versucht, in Konfliktsituationen zu einem geordneten und Eskalation vermeidenden Verhalten beizutragen.» Der frühere Dresdner Superintendent Christof Ziemer fügte hinzu: «Ich denke, Lothar König ist nicht nach Dresden gekommen, um den Landfrieden zu brechen.»

Ziemer, der zur Wende in Dresden eine Hauptrolle spielte, erinnerte auch an den Herbst 1989. Das Recht auf friedliche Demonstrationen sei damals das erste Recht gewesen, was zwar nicht de jure, aber de facto auf den Straßen erstritten wurde. Es müsse eine Freiheit für unterschiedliche Formen von Demonstrationen einschließlich friedlicher Blockaden geben. Blockaden genehmigter Aufmärsche werden in Sachsen strafrechtlich verfolgt.

Als Unterstützer Königs ergriff auch Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel das Wort. «Ich frage mich, inwieweit bei diesem Prozess ein Exempel statuiert werden soll.» Krumbiegel hielt der sächsischen Justiz vor, mit dem Prozess Menschen einzuschüchtern, die sich gegen Rechtsextremismus wehren. Da werde «in die falsche Richtung geschossen». Er kenne Lothar König als einen Christen, der sich Gewaltfreiheit auf die Fahnen geschrieben habe.

König selbst wollte sich auf der Pressekonferenz zunächst nicht zur bevorstehenden Verhandlung äußern. Im Anschluss gab er dennoch einen Einblick in seine Gefühlslage. «In denke und hoffe, dass ich da hineinwachse und im Notfall auch ein ungünstiges Urteil für mich tragen kann», sagte er. «Ich erlebe Tage, da geht es mir richtig gut, da bin ich voller Hoffnung. Und dann hänge ich wieder ganz schön durch.»

Am 19. Februar 2011 war es in Dresden zu Gewaltexzessen gekommen. Rechts- und Linksextreme griffen Polizisten an, mehr als 100 Beamte wurden verletzt. Die Ermittlungen gegen König lösten Kritik aus. Am 10. August 2011 hatten Polizisten aus Dresden seine Dienstwohnung in Jena durchsucht und unter anderem einen Computer und Schriftstücke beschlagnahmt. Die Razzia sorgte auch in Kirchenkreisen für Unmut. König warf den Behörden in Sachsen später vor, Demonstranten gegen Neonazi-Aufmärsche zu «diffamieren, isolieren und kriminalisieren».

Das Landgericht Dresden hat bis 13. Mai sechs Verhandlungstage anberaumt. (dpa)