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Breite Zustimmung für Welterbevorschlag

Meißens Stadträte stehen einer neuen Unesco-Bewerbung positiv gegenüber. Sie wollen aber vom OB besser einbezogen werden.

Von Stephan Hönigschmid

Die Diskussion ums Welterbe beginnt mit einem Missverständnis. Nachdem der Naumburger Dom kürzlich zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden ist, sprach MDR Sachsen mit Meißens OB Olaf Raschke (parteilos) darüber, ob auch Meißen mit seinem Dom und der Albrechtsburg nach dem gescheiterten Versuch 2012 einen neuen Anlauf wagen könnte. Raschke bejahte das und der MDR gab zusätzlich zum Fernsehbeitrag eine Pressemitteilung heraus, die auch die SZ zitierte.

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Weil darin der Eindruck entstand, dass Raschke den Vorschlag mit dem Stadtrat abgestimmt hatte, gab es unter den Stadträten etwas Aufregung. Inzwischen hat der MDR aber klargestellt, dass die Aussage in dieser Form nicht gefallen sei.

Obwohl das so ist, plädiert SPD-Stadtrat Matthias Rost trotzdem dafür, dass der Stadtrat grundsätzlich einbezogen wird. „Wir hätten es besser gefunden, wenn der OB die Idee nicht einfach in den Raum gestellt, sondern im Vorfeld mit uns gesprochen hätte. Ich finde es traurig, dass solch ein wichtiges Thema mit in den Wahlkampf hineingezogen wird.“ Dennoch stehe er der Idee aufgeschlossen gegenüber, wenn man die Bewerbung gut vorbereite.

„Ich bin beispielsweise der Meinung, dass es kein Wert an sich ist, das älteste Schloss Deutschlands in der Stadt zu haben. Von daher halte ich ausschließlich eine Bewerbung mit dem aus dem Dom und der Albrechtsburg bestehenden Burgbergensemble für sinnvoll“, sagt Rost und fügt an: „Allerdings muss man vorher genau abklären, welche Verpflichtungen damit einhergehen, damit die Entwicklung auf dem Areal nicht gehemmt wird.“ Im Vergleich zu Bewerbungen für Ereignisse wie die Landesgartenschau bedauere er ein wenig, dass die Stadt nicht insgesamt profitiere, sondern nur ein bestimmter Teil konserviert werde. „In Großenhain hat man gesehen, welche positive Langzeitwirkung eine Landesgartenschau haben kann“, sagt der Stadtrat. Heinz Gleisberg von den Linken kennt zwar auch die Vorzüge von Landesgartenschauen, sein Herzensthema ist aber eindeutig die Unesco-Bewerbung. „Meißen sollte es noch einmal versuchen. Wichtig ist jedoch, dass man den Aufwand nicht unterschätzt. Man muss es ja erst einmal auf die Deutschlandliste schaffen“, gibt er zu bedenken. Ähnlich wie Matthias Rost befürwortet auch Gleisberg eine Ensemble-Bewerbung.

„Da der Dom zu Speyer schon Weltkulturerbe ist, haben wir mit unserem Dom alleine, keine Aussicht auf Erfolg. Besser ist die Kombination von Dom, Bischofsturm und dem ersten deutschen Wohnschloss. Letzteres bietet zudem Anknüpfungspunkte zur Porzellangeschichte“, sagt Gleisberg, der für den Herbst ein detailliertes Konzept seiner Fraktion ankündigt. Allerdings stellt er ebenfalls klar: „Wenn das Kornhaus eine Ruine bleibt, haben wir keine Chance.“

Aufgeschlossen für den Vorschlag des OB zeigt sich auch die parteilose Stadträtin Romy Creutz von der CDU-Fraktion. „ Es ist zumindest eine Idee, über die man nachdenken sollte. Denn alles, was dem Renommee der Stadt Meißen hilft und dieses positiv fördert, sollte unterstützt werden. Insoweit sollte der Vorschlag des Oberbürgermeisters geprüft werden.“

Oliver Morof von der Fraktion Unabhängige Liste/FDP begrüßt den OB-Vorstoß gleichermaßen, aber unter Vorbehalt. „Generell halte ich einen Welterbetitel für einen Ritterschlag, der für die touristische Vermarktung Meißens sicherlich eine gute Sache wäre. Auf der anderen Seite kenne ich aber bisher nicht die genauen Bedingungen, die mit einer Bewerbung verbunden sind.“ Man müsse sich daher vorher gründlich informieren, welche Auswirkungen der Titel haben könnte.

„Beispielsweise darf man aktuell zu bestimmten Zeiten vor der Albrechtsburg mit dem Auto parken. Es wäre gut möglich, dass das dann nicht mehr erlaubt ist“, nennt der Stadtrat ein Beispiel für denkbare Änderungen, die sich mit dem Welterbestatus ergeben könnten.