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Breite Zustimmung fürs Welterbe

Meißens Stadträte stehen einer neuen Unesco-Bewerbung positiv gegenüber. Sie wollen aber vom OB besser einbezogen werden.

© Claudia Hübschmann

Von Stephan Hönigschmid

Meißen. Die Diskussion ums Welterbe beginnt mit einem Missverständnis. Nachdem der Naumburger Dom kürzlich zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden ist, sprach MDR Sachsen mit Meißens OB Olaf Raschke (parteilos) darüber, ob auch Meißen mit seinem Dom und der Albrechtsburg nach dem gescheiterten Versuch 2012 einen neuen Anlauf wagen könnte. Raschke bejahte das und der MDR gab zusätzlich zum Fernsehbeitrag eine Pressemitteilung heraus, die auch die SZ zitierte.

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Weil darin der Eindruck entstand, dass Raschke den Vorschlag mit dem Stadtrat abgestimmt hatte, gab es unter den Stadträten Aufregung. Inzwischen hat sich der MDR aber entschuldigt und klargestellt, dass die Aussage so nicht gefallen sei.

Dennoch plädiert SPD-Stadtrat Matthias Rost dafür, dass der Stadtrat grundsätzlich einbezogen wird. „Wir hätten es besser gefunden, wenn der OB die Idee nicht einfach in den Raum gestellt, sondern im Vorfeld mit uns gesprochen hätte. Ich finde es traurig, dass solch ein wichtiges Thema mit in den Wahlkampf hineingezogen wird.“ Dennoch stehe er der Idee aufgeschlossen gegenüber, wenn man die Bewerbung gut vorbereite.

Wofür die Unesco den Welterbetitel verteilt

Die Unesco (Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur) mit Sitz in Paris, verleiht den Titel Welterbe an Stätten, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität weltbedeutend sind und von den Staaten, in denen sie liegen, für den Titel vorgeschlagen werden.

Der Titel beruht auf der Welterbekonvention von 1972. Im Jahr 1978 wurde die Welterbeliste mit zwölf Welterbestätten eröffnet. Aktuell umfasst sie 1092 Stätten in 167 Ländern, davon sind 845 Weltkulturerbe, 209 Weltnaturerbe.

Jedes Jahr darf jeder Vertragsstaat zwei Vorschläge zur Aufnahme in das Unesco-Welterbe einreichen. Diese Vorschläge müssen jedoch bereits zwei Jahre auf der Vorschlagsliste enthalten gewesen sein, die jedes Land hinterlegt und regelmäßig aktualisiert.

In Deutschland sind 44 Welterbestätten vorhanden, darunter 41 Stätten des Weltkulturerbes und drei Stätten des Weltnaturerbes.

Meißen hatte sich bereits 2012 um die Aufnahme in die Welterbeliste der Unesco beworben. Mitte Juni 2012 verkündete die damalige Landesregierung jedoch das Aus mit dem Hinweis auf ein hohes Konfliktpotenzial, das ein Unesco-Titel für die Stadt mit sich bringe. (SZ)

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„Ich bin beispielsweise der Meinung, dass es kein Wert an sich ist, das älteste Schloss Deutschlands in der Stadt zu haben. Von daher halte ich ausschließlich eine Bewerbung mit dem aus dem Dom und der Albrechtsburg bestehenden Burgbergensemble für sinnvoll“, sagt Rost und fügt an: „Allerdings muss man vorher genau abklären, welche Verpflichtungen damit einhergehen, damit die Entwicklung auf dem Areal nicht gehemmt wird.“ Im Vergleich zu Bewerbungen für Ereignisse wie die Landesgartenschau bedauere er ein wenig, dass die Stadt nicht insgesamt profitiere, sondern nur ein bestimmter Teil konserviert werde. „In Großenhain hat man gesehen, welche positive Langzeitwirkung eine Landesgartenschau haben kann“, sagt der Stadtrat.

Heinz Gleisberg von den Linken kennt zwar auch die Vorzüge von Landesgartenschauen, sein Herzensthema ist aber eindeutig die Unesco-Bewerbung. „Meißen sollte es noch einmal versuchen. Wichtig ist jedoch, dass man den Aufwand nicht unterschätzt. Man muss es ja erst einmal auf die Deutschlandliste schaffen“, gibt er zu bedenken. Ähnlich wie Matthias Rost befürwortet auch Gleisberg eine Ensemble-Bewerbung.

„Da der Dom zu Speyer schon Weltkulturerbe ist, haben wir mit unserem Dom alleine, keine Aussicht auf Erfolg. Besser ist die Kombination von Dom, Bischofsturm und dem ersten deutschen Wohnschloss. Letzteres bietet zudem Anknüpfungspunkte zur Porzellangeschichte“, sagt Gleisberg, der für den Herbst ein detailliertes Konzept seiner Fraktion ankündigt. Allerdings stellt er ebenfalls klar: „Wenn das Kornhaus eine Ruine bleibt, haben wir keine Chance.“

Aufgeschlossen für den Vorschlag des OB zeigt sich auch die parteilose Stadträtin Romy Creutz von der CDU-Fraktion. „ Es ist zumindest eine Idee, über die man nachdenken sollte. Denn alles, was dem Renommee der Stadt Meißen hilft und dieses positiv fördert, sollte unterstützt werden. Insoweit sollte der Vorschlag des Oberbürgermeisters geprüft werden.“

Oliver Morof von der Fraktion Unabhängige Liste/FDP begrüßt den OB-Vorstoß gleichermaßen, aber unter Vorbehalt. „Generell halte ich einen Welterbetitel für einen Ritterschlag, der für die touristische Vermarktung Meißens sicherlich eine gute Sache wäre. Auf der anderen Seite kenne ich aber bisher nicht die genauen Bedingungen, die mit einer Bewerbung verbunden sind“ Man müsse sich daher vorher gründlich informieren, welche Auswirkungen der Titel haben könnte.

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„Beispielsweise darf man aktuell zu bestimmten Zeiten vor der Albrechtsburg mit dem Auto parken. Es wäre gut möglich, dass das dann nicht mehr erlaubt ist“, nennt der Stadtrat ein Beispiel für denkbare Änderungen, die sich mit dem Welterbestatus ergeben könnten.