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Politik

Brexit: Fünf Dinge, die jetzt wichtig sind

Noch vor kurzem bibberte man in London und Brüssel vor einem No-Deal-Brexit. Nach der Wahl in Großbritannien scheint alles geregelt. Aber wie geht es nun weiter?

Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, bringt am letzten Tag des Wahlkampfes ein Schild mit seinem Wahlslogan im Garten eines Anhängers an.
Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, bringt am letzten Tag des Wahlkampfes ein Schild mit seinem Wahlslogan im Garten eines Anhängers an. © Ben Stansall/AFP POOL/AP/dpa

Von Verena Schmitt-Roschmann

Brüssel/London. Ein großer Stoßseufzer. Nach dem Wahlsieg von Boris Johnson in Großbritannien scheint endlich das Finale des Brexit-Dramas in Sicht, das die Europäische Union seit mehr als dreieinhalb Jahren quält. Am 31. Januar 2020 soll Großbritannien die EU nun wirklich verlassen. Aber ist das der Abschluss dieser scheinbar unendlichen Geschichte? Experten sagen: Nein, jetzt geht es erst richtig los. Und die Europäer sollten nicht den Fehler begehen, wegen allgemeiner Ermüdung den Brexit vorschnell abzuhaken.

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Fünf Dinge, die jetzt wichtig sind:

1. Der Fahrplan

Schon nächste Woche soll das neu gewählte britische Unterhaus zusammentreten und noch vor Weihnachten über das Austrittsabkommen mit der EU abstimmen - vermutlich am 20. Dezember. Eine Mehrheit gilt nach Johnsons hohem Wahlsieg als sicher. Geht in London alles glatt, wird das Europaparlament das Vertragswerk absegnen. Das Haus tagt Mitte Januar in Straßburg. Haben beide Parlamente zugestimmt, tritt der Vertrag in Kraft und die britische EU-Mitgliedschaft endet am 31. Januar um Mitternacht. Großbritannien wird Drittstaat. Aber es beginnt sofort eine Übergangsphase bis Ende 2020, in der sich praktisch nichts ändert.

2. Es gibt (erstmal) keinen Sturz über die Klippe

Nur zur Erinnerung: Eigentlich war der 29. März 2019 der Brexit-Tag. Dann der 12. April. Dann der 31. Oktober. Jedesmal verlängerte die EU die Frist, um einen No-Deal-Brexit mit unabsehbaren Folgen für Bürger und Unternehmen zu verhindern. Der ist nun zumindest abgewendet. Der Vertrag schafft Rechtssicherheit für mehr als drei Millionen EU-Bürger in Großbritannien und eine Million Briten auf dem Kontinent, er regelt milliardenschwere Schlusszahlungen Großbritanniens an die EU und verhindert eine harte Grenze zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland. Das gebe jetzt eine gewisse Sicherheit, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag in Brüssel.

3. Die Hängepartie ist aber nicht vorbei

Dennoch ist man sich in Brüssel weitgehend einig: "Die schwierige Phase kommt noch", so sagte es der Brexit-Experte Fabian Zuleeg von der Denkfabrik European Policy Centre der Deutschen Presse-Agentur. Denn der bisherige Vertrag regelt nur die Vergangenheit, nicht aber die Zukunft. Beide Seiten wollen eine "spezielle Partnerschaft", wie Merkel sagte, enge Handelsbeziehungen und enge Zusammenarbeit zur Abwehr von Terror und Verbrechen. Bezieht man wirklich alle Wünsche mit ein, wird das ein extrem kompliziertes Gebilde. Gleichzeitig soll das Vertragswerk schon binnen weniger Monate stehen, vor Ende der Übergangsfrist. "Unser größter Knackpunkt wird sein, dass wir diese Verhandlungen sehr schnell machen müssen", sagte Merkel.

4. Die Startposition der EU

Zuleeg sagte, es werde, wenn überhaupt, nur ein sehr einfaches Abkommen möglich sein, das Zölle im Warenexport vermeidet. Auch das werde aber nur klappen, wenn Großbritannien weiter viele EU-Standards einhält. "Dann wird Großbritannien akzeptieren müssen, was die EU vorlegt", meinte der Brüsseler Experte. Denn die EU geht mit einer strikten Bedingung in die Verhandlungen: ein "Level Playing Field". Großbritannien soll sich nicht mit Steuer-, Sozial- oder Umweltdumping Vorteile verschaffen, wenn es weiter unter günstigen Bedingungen Handel mit der EU treiben will - immerhin der größte britische Absatzmarkt. Merkel erwartet, dass London die Spielräume sehr genau ausloten wird und sich in jedem Fall ein Wettbewerber vor der Küste des Kontinents in Stellung bringt. Aber halb so schlimm, meinte die Kanzlerin: "Also, ich sehe da eher ein belebendes Element."

Die EU hat überlebt

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