merken

Dresden

Brille verhilft zum Sieg in Australien

Wie Dresdner Schüler den Endausscheid der First Lego League gewannen – und warum jetzt Schluss ist. 

Feiern mit roter Rakete: Beim Wettbewerb in Australien wurden die SAP Rockets zum inoffiziellen Weltmeister der Technik-Genies gekürt.
Feiern mit roter Rakete: Beim Wettbewerb in Australien wurden die SAP Rockets zum inoffiziellen Weltmeister der Technik-Genies gekürt. © privat

Allein für das Touristenprogramm hätte sich diese Reise gelohnt: Das Opernhaus von Sydney, Koalas und Kängurus streicheln im Zoo, wandern im Nationalpark. Einmalige Erlebnisse für die Schüler des Martin-Anderson-Nexö-Gymnasiums und ihren Lehrer Peter Ehrlich.

Um die halbe Welt gereist sind sie Anfang Juli allerdings aus einem ganz anderen Grund. Sie wollten beweisen, dass sie zu den innovativsten Nachwuchsprogrammierern der Welt gehören. Mit ihrem Team SAP Rockets traten sie bei der sogenannten First Lego League an, einem Wettbewerb für Technikfreaks. Dort stehen vor allem aus Legosteinen gebaute und programmierte Roboter im Mittelpunkt. In einer Spezialkategorie sollten die Teilnehmer in diesem Jahr jedoch auch Ideen entwickeln, wie man stressgeplagten Astronauten zu mehr Entspannung verhelfen könnte. Die Dresdner Schüler entwarfen daraufhin eine Brille, die mit blinkenden LED-Lichtern den Sehnerv so reizen soll, dass das Gehirn seinen Stress einfach vergisst. Sogar mit der Weltraumlegende Sigmund Jähn traten die Schüler in Kontakt und holten sich Tipps ab. Eine medizinische Studie an der TU Dresden bewies, dass der spezielle Algorithmus des Blinkens tatsächlich wirkt.

Anzeige
Jede Minute draußen auskosten

In den folgenden Monaten halten wir uns lieber in kuschelig warmen Räumen auf. Die Sonne sieht unsere Haut seltener und viele leiden unter einem Vitamin-D-Mangel.

Dann startete der Wettbewerb: Über den Regional- und Landesausscheid qualifizierten sich die Dresdner mit ihren Ideen und technischen Fähigkeiten ab dem vergangenen November zunächst souverän für das Zentraleuropafinale im österreichischen Bregenz, siegten im Mai auch dort und sicherten sich damit ihr Ticket für den internationalen Endausscheid in Australien. Es war schon die zweite Finalteilnahme des Teams nach 2016 im amerikanischen St. Louis. Nicht zuletzt diese Erfahrung sollte sich nun auszahlen.

In Australien traten vor wenigen Tagen 48 Teams aus 45 Ländern an. Aufregend genug. Als dann nach drei Tagen voller Wettbewerbe in den Kategorien Forschung, Robot Game, Robot Design und Teamwork aber der Gesamtsieger bekannt gegeben wurde, klappten den Dresdnern die Kinnladen herunter. Gefeiert wurde in Schwarz, Rot und Gold. Die SAP-Raketen dürfen sich als Weltmeister fühlen!

Wie genau und mit welchem Punktevorsprung die Dresdner den Titel errangen, das wissen nur die Juroren. „Es gab kein transparentes Ranking, aus dem man das hätte ableiten können“, sagt Lehrer Peter Ehrlich. Wirklich interessieren mochte das aber in den Stunden und Tagen nach dem Triumph von Australien niemanden.

Mit diesem größtmöglichen Erfolg wird die Geschichte der SAP Rockets vom Martin-Anderson-Nexö-Gymnasium vorerst enden. Schon seit mehreren Jahren trafen sich die technikbegeisterten Schüler einmal in der Woche nachmittags in der Schule zum Basteln und Diskutieren. Während sie sich jetzt anderen Aufgaben zuwenden, muss ihr Lehrer erst einmal durchschnaufen. „Einen besseren Abschluss kann man sich nicht wünschen“, sagt Peter Ehrlich. „Viele Teammitglieder werden die First Lego League weiterhin unterstützen, indem sie bei künftigen Wettbewerben als Juroren und Schiedsrichter helfen oder gar selbst ein eigenes Team coachen.“