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Bröckelnde Augustusbrücke wird repariert

© Norbert Millauer

Rund 350 Steine werden vermessen und nummeriert. Ab Montag soll die Durchfahrt wieder möglich sein.

Von Sandro Rahrisch und Bettina Klemm

Vor der Reparatur steht das Vermessen. Nachdem die Risse am zweiten Elbpfeiler an der Augustusbrücke deutlich größer geworden waren, musste das Bauwerk am Donnerstag für die Schifffahrt gesperrt werden. „Es besteht die Gefahr, dass bis zu einer Tonne schwere Teile der Brüstung abbrechen“, erklärte Reinhard Koettnitz. Der Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes der Stadt hat bereits am Freitagmorgen Firmen mit der Reparatur beauftragt.

Zunächst haben Vermessungstechniker jeden der rund 350 Steine in dem betroffenen Abschnitt des historischen Bauwerks genau geprüft und mit einer Nummer versehen. „Die Steine sollen später wieder an den selben Stellen eingebaut werden. Ähnlich haben wir es auf der Treppe auf der anderen Seite gemacht“, erklärt Koettnitz.

Danach haben Mitarbeiter des Betriebes Backer-Bau mit der Reparatur begonnen. Sie sollen das Wochenende durcharbeiten. Spätestens am Montag, hofft Koettnitz, kann dann die Durchfahrt wieder freigegeben werden. Zu den Kosten kann er noch nicht viel sagen. Etwa 10 000 Euro könnten es werden.

Weil nicht auszuschließen ist, dass diese Brüstungsteile Güter- und Fahrgastschifffahrt, aber auch Sportboote und Paddler treffen, hat das Wasser- und Schifffahrtsamt am Donnerstag die Elbe zwischen Ostragehege und Saloppe sofort gesperrt. Sein Leiter Klaus Kautz hatte auch sofort die Sächsische Dampfschiffahrt informiert. „Wir fahren aber im Moment nur mit unserer Stadtrundfahrt und Schlösserfahrt elbaufwärts und sind nicht betroffen“, sagte Dampferchefin Karin Hildebrand. Elbabwärts geht es erst mit Saisonbeginn am 2. April. Bis dahin sollen die Arbeiten längst abgeschlossen sein.

Schlechter dran sind die Frachtkapitäne. Für sie führt die Brückensperrung zur Zwangspause. Diese könnte für die Spediteure teuer werden. Sollte die Elbe am Montag nicht wieder freigegeben werden, wird es auch eng für die sächsischen Binnenhäfen. An diesem Tag soll ein mit 400 Tonnen Holz beladenes Schiff aus dem Torgauer Hafen auslaufen und die tschechische Stadt Štetí ansteuern, sagte Sprecherin Mandy Hofmann am Freitag. Ein weiteres Schiff, das Schrott transportiert, wird sich im Laufe des Dienstags in Decin in Bewegung setzen und Kurs auf Dresden nehmen. Die Frachter müssten eine Zwangspause am Ostragehege beziehungsweise an der Saloppe einlegen, falls die Reparaturen an der Augustusbrücke länger dauern. Oder sie verlassen den Hafen gar nicht erst, die Lieferungen würden sich verspäten. „Mit einem Schaden an der Brücke war zwar irgendwann einmal zu rechnen, trotzdem sind wir davon überrascht worden, dass der Abschnitt für Güterschiffe komplett gesperrt wird“, sagte Hofmann.

Einen Schiffsstau an den Sperrstellen Ostragehege und Saloppe konnte das Schifffahrtsamt am Freitag nicht beobachten. Nach SZ-Informationen ist es allerdings möglich, dass mindestens ein Güterschiff die Gefahrenstelle in der Nacht zum Freitag passiert hat, obwohl Besatzungen über den Nautischen Informationsfunk von der Sperrung informiert worden sind. „Ein Verstoß ist uns nicht bekannt“, so ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Allerdings werde der gesperrte Abschnitt auch nur „ab und zu“ kontrolliert. Kapitäne, die trotz Verbots weiterfahren, würden eine Ordnungswidrigkeit begehen, ähnlich wie ein Autofahrer, der in entgegengesetzter Richtung in eine Einbahnstraße fährt.

Die 1910 fertiggestellte Brücke wurde noch nie umfassend saniert. Aber bei der Brückenprüfung vor einem Jahr waren bereits kleine Risse aufgefallen. Diese hatten sich nun aber vergrößert. „Nach jetzigem Stand ist das aber die einzige akute Stelle“, schätzte Koettnitz ein. Wenn die Sanierung der Albertbrücke beendet ist, soll die Augustusbrücke erneuert werden.