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Brötchen für Müllermilch

Der Leppersdorfer Bäcker Kunath hat vor dem Eingang der Molkerei einen Stand eröffnet. Hier geht es international zu.

© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

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Leppersdorf. Der Größenunterschied ist gewaltig. Vorn der winzige Imbisswagen und angesichts der Kälte mit der noch kleineren Verkaufsluke. Nur wenige Meter dahinter ragt die Fassade der Molkerei von Müllermilch in den Himmel. 40 Meter hoch, mit riesigem Logo darauf. Und doch ist der kleine Imbisswagen auf dem Parkplatz für viele Schichtler die erste Adresse. „Wir merken, wenn im Werk die Nachtschicht zu Ende ist, dann kommen die Leute und holen sich bei uns frische Brötchen und anschließend geht es ab nach Hause“, sagt Angelika Hermkes. Sie verkauft seit 6 Uhr morgens, was verlangt wird. Kaffee, Brot, Süßes. Nach den Schichtarbeitern kommen die Büroleute. „Das ist dann so vor acht Uhr der Fall. Sie nehmen sich gerne mal eine süße Schnecke oder gerade jetzt zur Faschingszeit Pfannkuchen mit. So für zwischendurch vermute ich.“

Seit einem Jahr steht der Imbiss jetzt auf dem Parkplatz. Es läuft gut, sagt Bäckermeister Martin Kunath. „Besser geht immer“, fügt er noch hinzu. Wie kam er auf die Idee, am Eingang der Müller-Molkerei einen Bäckerstand aufzumachen? „Das hat angefangen, als bekannt wurde, dass an der Zufahrtsstraße zur Molkerei ein Supermarkt mit einem Bäckerstand aufmachen soll. Da dachte ich, als einheimischer Leppersdorfer Bäcker muss ich hier Flagge zeigen.“

Ein wahrer Oldtimer

Selber als Filialist in den geplanten Einkaufsmarkt einziehen, das will er nicht. „Nein, ich bleibe mein eigener Herr. Ich will selber sagen, wann geöffnet wird, wann geschlossen. Meinen Imbiss kann ich wieder zumachen, wenn ich denke, es ist an der Zeit.“

Nach den ersten Überlegungen passierte erst mal nichts. Bis ein Zufall zu Hilfe kam. Sein Bruder, der in Radeberg einen Autohandel betreibt, hatte auf seinem Hof einen Verkaufswagen stehen, mit dem er nicht so richtig etwas anzufangen wusste. „Das ist ein wahrer Oldtimer, der war schon Schrott. Mein Bruder hat ihn wieder aufgebaut“, sagt er. Eine Dresdnerin wollte das Gefährt kaufen und damit als Waffelbäckerin über das Land ziehen. Dann hatte die Frau plötzlich andere Pläne und Kunaths Bruder blieb auf dem Wagen sitzen. „Er bot ihn mir an. Jetzt steht er an der Einfahrt von Sachsenmilch.“

Zwei Verkäuferinnen eingestellt

Martin Kunath stellte zwei Verkäuferinnen ein, die teilen sich die Schichten. Geöffnet ist von morgens 5.45 Uhr bis 16 Uhr. Am Sonnabend bis 10 Uhr. Es gibt frische Brötchen, Brot und Kuchen oder Getränke und Süßigkeiten. Eine Zeitung ist auch zu haben.

Den guten Ruf hat sich der Stand gleich zu Anfang erarbeitet. Damals gab es Tage, an denen sich die Milchlaster von der Toreinfahrt bis fast zur Autobahn stauten. Da hat sich die Verkäuferin ein Tablett geschnappt, eine Thermoskanne mit Kaffee und jede Menge Becher. „Ich bin dann von Lkw zu Lkw gegangen und habe den Fahrern Kaffee angeboten. Die waren dankbar. Ruckzuck hatte ich alles verkauft.“ Jetzt geht es manchmal international an dem Stand zu. „Es kommen polnische Fahrer zu uns, aber auch Spanier sind darunter“, erzählt Angelika Hermkes. Glücklicher Umstand: Sie hat während der DDR in Ferienlagern in Polen und Tschechien gearbeitet und kann einige Wörter Polnisch. „Die Fahrer freuen sich, wenn sie in ihrer Landessprache begrüßt werden. Dann lassen sie sich gerne auf ein Schwätzchen ein.“

Bei ihrer Arbeit als Verkäuferin hat sie auch gelernt, dass die Geschmäcker in den Ländern ganz verschieden sind. Während die polnischen Fahrer ganz gerne zu einer heißen Bockwurst greifen, laufen die bei den Spaniern überhaupt nicht. Da kommen die nicht ran. Sie nehmen eher belegte Brötchen mit.“

Dennoch sind die Tage des Wagens gezählt. „Er wird abgeschafft. Wir ersetzen ihn durch einen geräumigen Container mit großen Fenstern. Darin können die Kunden auch mal einen Kaffee trinken, ohne gleich kalte Finger zu bekommen.“ Bestellt ist der Container schon. In den nächsten Wochen wird er angeliefert. Mitte März soll er stehen. „Ich bin gespannt, wie er angenommen wird. Dann übrigens ist der Verkaufswagen wieder frei. Wer beispielsweise Bratwürste auf Märkten anbieten will, sollte dann zugreifen.“