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Bronzekugel von 1582 gefunden

Das Zittauer Museum zeigt den spektakulären Fund bis Sonntag im Foyer. Dann wird er wieder eingebaut.

© Mario Heinke

Zittau. Es ist eine kleine Sensation: Handwerker entdeckten am Dienstag bei der laufenden Reparatur des Marsbrunnens auf dem Zittauer Markt nach dem Abnehmen der Brunnensäule eine beschriftete Bronzekugel. Sie war am oberen Ende der Wasserleitung als Verteiler für die vier Wasserspeier montiert. Weder die Kugel noch der Text wurden bisher von Chronisten in irgendeiner Art erwähnt, sagt Peter Knüvener, Direktor der Städtischen Museen. Die hohle Kugel hat einen Durchmesser von 20 Zentimetern, wiegt 8,45 Kilogramm und verfügt an der Oberseite über eine Öse zum Transport per Flaschenzug. Mit der eingelöteten bronzenen Ösenplatte beträgt die Höhe der Armatur insgesamt 30 Zentimeter.

„Die Kugel wurde von Tobias Leubener, einem Zittauer Glockengießer gegossen“, sagt Helmut Hegewald vom Fastentuchverein, der die Inschrift übersetzte. Leubner ist bei Historikern bekannt, da er einige Glocken in der Gegend um Zittau gegossen hat, unter anderem in Hirschfelde und Burkersdorf, so Hegewald. Auf dem Rande der Armatur sind zwischen den austretenden Gewindestücken gegenüberliegend das Zittauer Wappen-Z und der böhmische Löwe zu sehen. Die vordere Kugelinschrift mit dem böhmischen Löwen nennt den Zeitpunkt der Errichtung des Brunnens: Anno Christi 1582. Die Rückseite nennt einzelne Personen, die zur Zeit des Brunnenbaus die Geschicke der Stadt Zittau lenkten, sagt Helmut Hegewald. Unter den Aufgeführten: August von Kohlo, Niederlausitzer Adelsherr, der 1548 zum königlichen Richter gewählt wurde, bevor er 1569 Bürgermeister wurde. Auch dabei: Johannes Scherffing, Ratsherr; Bürgermeister und Stadtrichter, Wenzeslaus Lanckisch, ebenfalls Stadtrat und Richter. Im weiteren achtzeiligen Text aus erhabenen kapitalen Buchstaben werden genannt: Joachim von Milde, Peter Just, Michael Krolofft, allesamt Ratsherren, Stadtrichter oder zeitweise Bürgermeister. In der untersten kürzesten Zeile ist der Glockengießer Tobias Leubner verewigt.

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Bei der Demontage der Brunnensäule kamen weitere Jahresangaben ans Licht. So trägt der steinerne Ring der Säule die Jahreszahl 1585. Eine mögliche Erklärung der Differenz von drei Jahren könnte sein, dass der Glockengießer den Auftrag zum Gießen der Glocke schon drei Jahre vor dem Aufstellen der Brunnensäule erhielt, sagt Helmut Hegewald. Der Historiker und Bürgermeister von Zittau, Johann Benedict Carpzov, der die Ratsakten vor ihrer Zerstörung 1757 einsehen konnte, nennt als Jahr der Brunnenaufstellung sogar 1581.

Ab sofort ist die Bronzekugel bis zum kommenden Sonntag während der Öffnungszeit im Foyer des Zittauer Museums ausgestellt. Wer die Kugel sehen möchte, muss keinen Eintritt für das Museum zahlen, sagt dessen Chef Peter Knüvener.

Der Artikel wurde am 26.4.2018, 20.25 Uhr, aktualisiert.