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Brot und Brötchen werden teurer

Warum jetzt auch die Bäcker zu Preisanpassungen gezwungen sind, erklärt Innungsobermeister Michael Bachmann.

Von Jens Fritzsche

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Seit dieser Woche kostet das Zweipfundbrot beim Bachmann-Bäcker in Eibau fünf Cent mehr: nicht mehr 2,45 Euro wie bisher, sondern 2,50 Euro. Michael Bachmann will seine Kunden nicht gleich verschrecken. „Ich erhöhe schrittweise“, erklärt der 40-Jährige, der auch Obermeister der Bäckerinnung im Landkreis ist. Warum die Bäckereien jetzt zu Preisanpassungen gezwungen sind, erklärt Michael Bachmann im Gespräch mit der SZ.

Michael Bachmann (40) führt einen Familienbetrieb mit sechs Mitarbeitern in Eibau. Foto: Rafael Sampedro
Michael Bachmann (40) führt einen Familienbetrieb mit sechs Mitarbeitern in Eibau. Foto: Rafael Sampedro © www.foto-sampedro.de

Herr Bachmann, stimmt es? Brot und Brötchen werden teurer?

Ja, das wird so werden. Und wir haben zum Teil auch schon erhöht. Die meisten Kollegen werden das wie ich wohl schrittweise machen. Diesmal betrifft es auch nicht nur uns Handwerksbetriebe. Die Ankündigung zu Preiserhöhungen in der Branche kam aus der Backwarenindustrie. Aber ob wir wollen oder nicht: Wir werden uns anschließen müssen.

Warum?

Weil alles, was wir brauchen für ein gutes Brot, teurer geworden ist: die Zutaten, die Mitarbeiter, die Energie. Wir wollen und können uns nur mit guter Qualität durchsetzen. Hohe Qualität ist überhaupt die einzige Überlebenschance für uns Handwerksbetriebe. Davon bin ich überzeugt.

Sie sagen, Mitarbeiter werden teurer?

Ja, das macht den kleinen Betrieben am meisten zu schaffen. Wir wollen und müssen unsere Fachkräfte ordentlich bezahlen, sonst kriegen wir irgendwann keine mehr. Aber mehr als zehn Euro Stundenlohn ist zumindest für mich und meinen kleinen Familienbetrieb nicht drin. Noch schwieriger ist es mit dem Mindestlohn. Am Anfang war ich sehr dafür, dass der eingeführt wird und es aufhört mit den fünf, sechs Euro Dumpinglöhnen. Aber 2019 sind wir mit dem Mindestlohn schon bei 9,20 Euro. Ich frage mich, wer da tatsächlich profitiert.

Die Lohnkosten sind aber nicht der einzige Grund für die Preiserhöhungen?

Nein, natürlich nicht. Wir müssen für alle unsere Zutaten mehr bezahlen – und das wirklich in Größenordnungen: Die Preise für Milch und Butter sind auf einem Rekordniveau. Wir rechnen auch damit, dass das Mehl teurer wird. Auf welche Preissteigerungen wir uns da einstellen müssen, können wir noch gar nicht abschätzen. Wir wissen noch nicht, wie sich die schlechte Getreideernte auswirken wird.

Die Landwirte sagen, die Getreidepreise werden nicht wesentlich steigen, weil auf dem Weltmarkt noch im Überschuss produziert wird.

Für uns ist aber nicht der Weltmarkt entscheidend, sondern die Produktion vor Ort. Wir sind immer bemüht, so regional wie möglich einzukaufen. Gerade das macht ja den Unterschied zwischen einem Handwerksbetrieb vor Ort und der Backwarenindustrie aus. Wir beziehen unser Mehl aus den Mühlen der Region. Die Mühlen wiederum beziehen das Getreide von den umliegenden Landwirtschaftsbetrieben. Diese Kreisläufe wollen wir doch am Leben erhalten. Das Mehl aus unseren regionalen Mühlen braucht keine Konservierungsstoffe und hat eine viel höhere Qualität als das aus industrieller Großproduktion, das im Einkauf billiger wäre.

Wirkt sich auch die neue Lkw-Mautpflicht auf Bundesstraßen aus?

Ja, sehr sogar: Die Zulieferer, die mit großen Fahrzeugen unterwegs sind, wie Mehl-lieferanten und Großhändler, geben die Mehrkosten weiter und schlagen sie auf die Preise auf. Das ist auch so eine politische Entscheidung, die ich nicht nachvollziehen kann und die den Mittelstand kaputtmacht. Und am Ende bezahlen die Kunden.

Wie reagieren denn Ihre Kunden auf die Preiserhöhungen?

Ich denke, die meisten werden Verständnis haben. Wir machen das ja nicht, um uns eine goldene Nase zu verdienen, sondern weil es nicht anders geht. Das wissen die Kunden. Ich glaube auch nicht, dass es den Kunden lieber wäre, wenn wir stattdessen an der Qualität sparen würden. Da ist ja gerade unser Vorteil: Dass man bei uns die Butter im Streuselkuchen noch schmecken kann. So soll das auch bleiben.

Wie viel kostet das Brot nächstes Jahr?

Das muss jeder Betrieb für sich kalkulieren. Wir rechnen in der Branche im Schnitt mit Preissteigerungen um zehn Prozent.

Gespräch: Jana Ulbrich