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Bruchbude wird Schmuckstück

Das Haus Burgstraße 23 stand schon in den 1980er Jahren leer, jetzt wird es saniert – Burgblick inklusive.

© Anne Hübschmann

Von Udo Lemke

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Meißen. Kommt man von der Burgstraße aus ins Erdgeschoss hinein, dann zeigen sich die nackten, breiten Ziegel, die vor Jahrhunderten einmal von Hand geformt worden sind – manchmal ist noch das Muster der über den Ton gestrichenen Finger zu erkennen. „Wir haben den Putz abgenommen, weil die Wände stark versalzen waren“, sagt Architektin Antje Hainz. Und: „Das Haus hat schon 1986, als ich nach Meißen gekommen bin, leer gestanden.“

Eine alte Renaissance-Holzbalkendecke hat sich im Erdgeschoss erhalten – bleibt abzuwarten, wie sie aussieht, wenn sie restauriert ist © Anne Hübschmann
Vollkommen abgebrochen worden ist der hintere Teil des Hauses, ein Anbau aus dem 19. Jahrhundert, der nicht mehr zu halten war. © Anne Hübschmann

Damit ist es nun vorbei. Der Münchener Eigentümer des Renaissancehauses auf der Burgstraße 23 hat Antje Hainz und ihren Mann Andreas, die in der benachbarten Nummer 22 ihr Architekturbüro betreiben, beauftragt, das Haus wieder zu einem solchen zu machen. Das heißt, dass im konkreten Fall vor dem Aufbau der Abriss kam. Denn an das alte Renaissancehaus, das man nach allem, was man weiß, in die Zeit um 1560 datieren kann, war 1886 hinten ein Anbau angefügt worden. „Da waren alle Decken durch, wir mussten den Anbau komplett abreißen“, so Antje Hainz.

Und so sieht es denn von der Hofseite auch aus (siehe unteres Foto links). Der Blick geht ungehindert vom Erd- bis hinauf ins Dachgeschoss. Der vordere Teil des Hauses hin zur Burgstraße, der gut 300 Jahre älter ist, als der hintere, kann demgegenüber erhalten bleiben. Am Freitag war dort im Erdgeschoss ein Betonfußboden gegossen worden. Und blickt man nach oben, dann ist eine alte Renaissancedenke aus dem 16. Jahrhundert zu sehen. Ob sich unter der abbröckelnden weißen Farbe noch originale Bemalungen erhalten haben, weiß Antje Hainz noch nicht. Was sie definitiv weiß, ist die Tatsache, dass die Decke erhalten bleiben wird. Weil ihr Zustand aber so schlecht ist, wird sie nur behutsam restauriert und darüber kommt die neue, die eigentlich tragende Decke. „Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in den öffentlich zugänglichen Räumen Geschichte sichtbar wird“, so die Architektin. Und zu sehen sein wird die Holzbalkendecke später, kommt doch in den Erdgeschossraum ein Laden. Ins Haus selbst werden zwei Wohnungen eingebaut. Im ersten Geschoss eine Drei-Raum-Wohnung von 90 Quadratmetern und in den zweiten und das Dachgeschoss eine Vier-Raum-Wohnung von 160 Quadratmetern Größe.

Die Erfahrung zeigt, dass solche großen Wohnungen in Meißen stark nachgefragt sind. „In der ersten Sanierungswelle nach der Wende sind vor allem kleinere Wohnungen entstanden.“ Das ändert sich nun, nicht nur auf der Burgstraße 23. Die Hainzes haben auch schon die Görnische Gasse 4 umgebaut, und das Erste, das weg war, waren die großen Wohnungen. Und auch für die in der Burgstraße gibt es schon einen Interessenten.

Allerdings ist der Weg bis dahin noch weit. Jetzt ist erst einmal der Schutt weggeräumt, Großblockziegel und allerhand Material stapeln sich im langen Hausflur neben Werkzeugen. Die Treppe zum ersten Geschoss ist frisch geschüttet, der Beton ist noch fingerweich. Doch Anfang kommenden Jahres sollen beide Wohnungen bezugsfertig sein. „Dann wird man vom Dachgeschoss einen schönen Blick hinauf zur Burg haben.“ Der Blick nach unten in den Hof wird drei Pkw-Stellplätze und begrünte Hausmauern zeigen. Die Zufahrt wird über das Nachbargrundstück der Hainzes gewährleistet.

Insgesamt 800 000 Euro wird die Sanierung kosten. Der erste namentlich bekannte Besitzer der Burgstraße 23 hätte seine Freude daran gehabt. Das war ein Herr Appell, ein Kürschner, also jemand, der Pelze hergestellt hat. Der hat das Haus, nachdem es die Schweden im Juni 1637 abgebrannt hatten, wieder aufgebaut. Er wäre stolz, wenn er wüsste, dass es immer noch steht.