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Brücke muss komplett neu gebaut werden

Bei einem der Bauwerke an der Poppitzer Landstraße reicht die geplante Reparatur nicht aus. Doch es fehlt das Geld.

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© Sebastian Schultz

Von Christoph Scharf

Riesa. Die rotweißen Absperr-Elemente sind nicht zu übersehen: Seit einem Monat engen die sandgefüllten Plastikteile zwei Brücken an der Poppitzer Landstraße ein. Auf der kürzesten Verbindung zwischen der Riesaer Innenstadt und der B 6 nach Meißen gibt es seitdem Behinderungen im Verkehr: An den beiden Engstellen darf nur noch Tempo 30 gefahren werden. Außerdem passen dort jeweils nur noch Fahrzeuge aus einer Richtung durch, sodass der Gegenverkehr warten muss.

Das geht seit Anfang Dezember so, und ein Ende ist nicht abzusehen. Im Gegenteil: Ging man anfangs noch davon aus, die beiden betroffenen Brücken sanieren zu können, ist jetzt klar, dass das in einem Fall nicht mehr ausreicht. „An der ersten Brücke aus Richtung Stadt ist keine Sanierung möglich, sondern ein Ersatzneubau nötig“, sagt Riesas Rathaus-Sprecher Uwe Päsler. Dieses Bauwerk ist ohnehin schon so malade, dass dort eine Tonnage-Beschränkung auf 16 Tonnen angeordnet wurde. Insgesamt gibt es auf der Poppitzer Landstraße vier Brücken, die direkt hintereinanderliegen und die Fahrbahn über Jahna-Niederung und Mühlgraben hinweg führen.

Während die beiden mittleren Exemplare keinen Ärger machen, besteht bei der ersten aus Richtung Riesa wie bei der letzten am Poppitzer Ortseingang Handlungsbedarf. Das stellte sich bei Bauwerksprüfungen heraus, die schon 2016 durchgeführt wurden: Damals wurde laut Stadtverwaltung festgestellt, dass bereits bekannte Bauwerksmängel schlimmer geworden waren. Solche Brücken werden regulär im Wechsel Haupt- und einfachen Prüfungen unterzogen. Die Hauptprüfungen werden dabei von externen Brückenprüfingenieuren gemacht. „Bei Bedarf wird die Prüfung auf objektbezogene Schadensanalysen, Materialuntersuchungen und Tragfähigkeitsberechnungen erweitert“, so Uwe Päsler.

Die Prüfung 2016 endete mit einer Zustandsnote von 3,0 – das bedeutet, dass der Zustand „nicht ausreichend“ ist. „Damit sind Maßnahmen zur Schadensbeseitigung oder Warnhinweise zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit oder Nutzungseinschränkungen umgehend erforderlich“, erklärt Rathaus-Sprecher Päsler.

Das Hauptproblem liege bei der Verkehrssicherheit – die Brücken würden keinen genügenden Schutz mehr bieten, wenn dort jemand dagegen prallt. „Die Kappen und die darauf befindlichen Geländer sind schadhaft. Der Zustand verschlechtert sich zunehmend“, sagt der Stadt-Sprecher. Besonders betroffen ist das sogenannte Bauwerk 15, nahe dem Entsorgers Sero. „Dort sind deutliche Betonschäden ersichtlich, wo sich deshalb eine Materialuntersuchung erübrigt.“ Das Bauwerk 18, also die stadtauswärts letzte der vier Brücken, ist dagegen in einem Zustand, dass es nicht abgerissen und neugebaut werden muss, sondern voraussichtlich noch saniert werden kann.

Auch dieses Vorhaben ist allerdings ziemlich aufwendig: Dazu müssten erst Materialuntersuchungen und Tragfähigkeitsberechnungen zur Feststellung der Sanierungsfähigkeit erfolgen. „Nötig sind neue Kappen, Geländer, Fahrbahnaufbau, einschließlich Überbauabdichtung, und eine Sanierung der Betonoberflächen“, sagt der Rathaus-Sprecher. Kein Wunder also, dass die beiden kaputten Brücken teuer werden: „Grobe Schätzungen veranschlagen für beide Brücken zusammen etwa 500 000 Euro. Derzeit ist das im Haushalt aber nicht darstellbar.“

Pendler auf dem kurzen Weg Richtung B 6 werden sich also auf nicht absehbare Zeit auf die beiden Engstellen einstellen müssen. Immerhin: Außer an der Zaußwitzer Straße, wo es ein ähnliches Problem gibt, sind – nach jetzigem Stand – keine weiteren Riesaer Brücken in solch schlechtem Zustand.