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Brüstungen drohen abzustürzen

Die Augustusbrücke ist desolat. Sie muss überwacht werden, um Überraschungen zu vermeiden. Ende 2016 soll der Bau starten.

© Sven Ellger

Von Peter Hilbert

Die Sanierung von Dresdens traditionsreichster Brücke ist dringend nötig. Seit ihrer Übergabe vor 105 Jahren ist sie noch nie grundhaft instand gesetzt worden. Die Stadt hat jetzt einen genauen Plan, wie die Erneuerung vorbereitet und umgesetzt werden soll. Den erläuterte gestern Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz.

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Der Auftakt: Neustädter Treppe und Stützwand werden jetzt erneuert

Die ersten Arbeiten hatten bereits im November 2014 auf der Neustädter Brückenseite begonnen. Dort werden die Treppe und die Stützwand am Narrenhäusel erneuert. Das ist sehr aufwendig. Denn der denkmalgeschützte Wandfries unter der Bogengalerie muss bleiben. Deshalb wurde dahinter ein spezieller Verbau aus Stahlträgern und Holzbohlen errichtet. Geplant war, dass die Arbeiten in diesem Monat beendet werden. Doch daraus wird nichts, stellt Koettnitz klar. Die Firmen würden zu wenig Leute auf der Baustelle einsetzen, nennt er den Grund.

Derzeit wird noch die Stahlbetonkonstruktion unterm Fußweg abgedichtet. Zudem wird das Treppenfundament fertiggestellt. Koettnitz hofft, dass bis zum Stadtfest Mitte August der gesperrte Fußweg wieder frei ist. Die Arbeiten sollen bis September dauern. Dafür investiert die Stadt knapp 1,3 Millionen Euro.

Die Gefahr: Risse an Brüstungen über der Elbe und Pfeilern

Seit Jahren ist der Zustand der 1910 fertiggestellten Augustusbrücke kritisch. Schon 2008 mussten Aussichtsplattformen gesperrt werden. Im März dieses Jahres waren bei einer Überprüfung im zweiten Pfeiler neben dem Terrassenufer und in der Brüstung Risse entdeckt worden. Mehrere Tage konnten Schiffe nicht durch die Brücke fahren, um die desolaten Sandsteinteile auf der sogenannten Kanzel abbauen zu können. Jetzt wird diese von einer Messanlage überwacht und regelmäßig inspiziert. Gefahr droht aber auch an drei weiteren Kanzeln über der Elbe, die schon teilweise oder komplett gesperrt sind. „Es kann passieren, dass wir bis 2016 die Brüstungen abbauen müssen, um das Abstürzen von Teilen zu verhindern“, erklärt Koettnitz.

Die Vorbereitung: Stadt will den Bauantrag im September einreichen

Die Juniflut 2013 war für die Augustusbrücke ein Glücksfall, zumindest finanziell. Denn die Stadt hatte nicht genügend Geld für die dringend nötige Sanierung. Die kostet insgesamt knapp 20,3 Millionen Euro. Jetzt kann der Stadtanteil komplett mit Fluthilfemitteln (13,9 Millionen) und Fördermitteln für den kommunalen Straßenbau (3,7 Millionen) finanziert werden. Den Rest bezahlen die Verkehrsbetriebe und andere Versorger.

Im September will die Stadt bei der Landesdirektion die Unterlagen zur Planfeststellung einreichen, damit de facto den Bauantrag stellen. Koettnitz hofft, dass das Großvorhaben nach einem halben Jahr genehmigt wird. Die Arbeiten können aber erst beginnen, wenn die Albertbrücke komplett fertiggestellt ist. Dabei muss auch die abgebaute Brücke über die Zufahrt an der Glacisstraße wiedererrichtet werden. Denn das ist die einzige Baustellenzufahrt für die Augustusbrücke.

Die Sanierung: Radler und Fußgänger können an der Baustelle vorbei

Im Herbst 2016 soll die Sanierung der Augustusbrücke beginnen. Für den Fahrzeugverkehr wird sie dann voll gesperrt. Nur Fußgänger und Radfahrer dürfen über die Elbquerung. Wegen der Baustelle werde das Stadtfest 2017 voraussichtlich nur auf der Altstädter Seite gefeiert.

An der Brückenbreite wird sich nichts ändern. Allerdings soll der Abstand der Gleise auf drei Meter vergrößert werden. Damit wird es möglich, künftig größere Stadtbahnwagen auf dieser Strecke einzusetzen. Beiderseits der Gleise sind jeweils 1,80 Meter breite Radwege geplant. Dafür soll das alte Pflaster glatt abgeschnitten und aufgeraut werden, um eine für Radler geeignete Fahrbahn zu haben.

Die Bordsteinhöhen müssen bleiben, um abdriftende Fahrzeuge aufhalten zu können. Geplant sind Fußgängerquerungen mit abgesenktem Bordstein. Zwei davon sollen ab Oktober testweise auf der Altstädter Brückenseite angelegt werden.

Der Plan: Frei nur noch für Bahnen, Taxis und Stadtrundfahrten

Nach der Sanierung wird die Brücke verkehrsberuhigt und für Privat-Kfz gesperrt. Auf der Neustädter Seite soll sich eine direkte Fußwegverbindung zur Hauptstraße anschließen. Allerdings nicht durch den Fußgängertunnel. Denn den will die Stadt zuschütten und stattdessen Überwege ausbauen. Dafür hat sie 700 000 Euro Fluthilfemittel beantragt. Seit dem Juni-Hochwasser 2013 ist der Tunnel gesperrt.