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Brummis im Visier

Kriminelle klauen immer häufiger Lkw-Ladungen – wie kürzlich an der Raststätte Dresdner Tor. Die Versicherung zahlt nicht immer.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Marcus Herrmann und Hauke Heuer

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Wilsdruff. Oft kommen die Täter nachts. Unbewachte, kaum beleuchtete Rasthöfe, wenig frequentierte Parkplätze oder abgelegene Gewerbegebiete in Autobahnnähe sind die bevorzugten Gebiete, wo Diebe zuschlagen. Und sich schnell wieder aus dem Staub machen. Gefühlt jede Woche erbeuten sogenannte Planenschlitzer wertvolle Waren aus Lkw.

So schlugen die Langfinger am 25. Januar an der Raststätte „Dresdner Tor“ zu. Im Schutze der Dunkelheit schnitten sie an drei Sattelzügen aus Litauen, der Slowakei und Ungarn die Planen auf. Zwei der Brummis hatten wertvolle Ware geladen. Die Kriminellen ließen fünf Fernsehgeräte und 100 Autoreifen mitgehen. Das Diebesgut hatte einen Wert von 21 000 Euro.

Am ersten Februar wetzten Diebe am Dresdner Tor wieder die Messer. Sie schlitzten die Plane eines polnischen Sattelzuges auf. Auch hier entdeckten sie rund 200 Autoreifen im Wert von rund 10 000 Euro. Das perfide an der Aktion: Während die Langfinger die Reifen verluden, schlief der Lkw-Fahrer seelenruhig in seiner Kabine.

Björn Kupfer vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sagt, dass derartige Fälle noch im unteren Schadensbereich liegen würden. „Sind Zigaretten, Tablets, Mobiltelefone, Alkohol geladen, geht es schnell über die Million.“ Speditionen verfügten oft über eine Verkehrshaftungsversicherung. Unabhängig von der Art des Verlustes bekomme der Versicherungsnehmer dabei maximal zehn Euro pro Kilogramm der verschwundenen Ware. Eine 40-Kilo-Waschmaschine würde also mit 400 Euro erstattet. „Es existiert jedoch keine Pflicht zu dieser Versicherung. Gibt es sie nicht, bleibt man auf dem Schaden sitzen“, so Kupfer.

Nach Angaben der GDV steigt die Zahl der Fälle, in denen sich Planenschlitzer auf Ladeflächen bedienen, stark an. Jede vierte Straftat spielt sich in Nordrhein-Westfalen ab. Danach folgt schon Sachsen, heißt es in einem Newsletter der auf Straßenverkehr spezialisierten Kravag-Versicherung. Öffentliche Parkplätze an Autobahnen und Raststätten seien dabei beliebte Tatorte, Hotspots sind die Bundesautobahnen A 2, A 4 und A 7.

„Wir beobachten vor allem in Grenznähe zunehmend durch Planenschlitzer verursachte Schäden“, sagt Brigitte Römstedt, Sprecherin der R+V Versicherungen in Wiesbaden. Dabei gehen die Täter immer öfter organisiert und professionell vor. „Ein kleiner Halbmond mit dem Teppichmesser genügt, damit die Täter die Ware erspähen können. Dann holen sie sie leise und äußerst geschickt von der Ladefläche.“ Laut GDV betrug der jährliche Schaden durch Ladungsklau in Deutschland zuletzt 300 Millionen Euro. 34 Prozent gehen auf das Konto von Planenschlitzern – meist aus dem osteuropäischen Raum. Sinnvoll seien daher schnittfeste Planen oder Lkws, die mit versteckten GPS-Sendern ausgestattet sind, um sie wiederzufinden. „Das ist aber Sache der Unternehmen“, ergänzt Brigitte Römstedt.