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Buch-Spaß im Dampf-Zug

Die Tauschbibliothek in der Lößnitzgrundbahn ist wieder unterwegs. Und zieht vor allem jüngere Leser an.

Mal sehen, was da noch liegt. Moritz (7) interessiert sich für das Angebot der fahrenden Tauschbibliothek in der Lößnitzgrundbahn. Auch Opa Frank schaut sich das näher an, rechts Oma Cornelia. Die Bücherkisten sind bis Freitag auf regulären Fahrten des Lö
Mal sehen, was da noch liegt. Moritz (7) interessiert sich für das Angebot der fahrenden Tauschbibliothek in der Lößnitzgrundbahn. Auch Opa Frank schaut sich das näher an, rechts Oma Cornelia. Die Bücherkisten sind bis Freitag auf regulären Fahrten des Lö © Norbert Millauer

Radebeul/Moritzburg. Gleich zu Ferienbeginn geht ein großer Wunsch von Moritz in Erfüllung. In seinen ersten Winterferien. Die Großeltern nehmen den Erstklässler mit zu einer Zugfahrt im Lößnitzdackel. Für Maschinen, inbesondere Eisenbahnen, hat der siebenjährige Coswiger eine große Vorliebe. Davon kündet auch eine Eisenbahnplatte bei ihm daheim, erzählt Opa Frank. Moritz’ Augen leuchten, als der Opa das Spielzeug in Modellbahnspur TT erwähnt. Es wird nicht nur zu Weihnachten hervorgeholt, ist bei Bedarf das ganze Jahr im Einsatz.

Und heute, an diesem frühlingshaften Ferientag, kann Moritz die großen Vorbilder seiner kleinen Loks und Wagen genauer anschauen. Schau, jetzt wird gekuppelt, erklärt der Opa, als die Dampflok in Radebeul-Ost rückwärts an die Waggons heranschnauft. Moritz ist ganz Auge und Ohr. Kann dann sogar in Ruhe in den Führerstand hinein blicken.

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Später geht es noch weiter mit den Besonderheiten. Die freundliche Schaffnerin empfiehlt für die Fahrt nach Moritzburg den Lesewochen-Wagen. Sechs Holzkisten bieten dort Literatur aller möglichen Richtungen. Wer schon immer mal wissen wollte, wie er ein Rankgitter für seine Clematis bauen kann – bis Freitag wird er dazu im Lößnitzdackel fündig, falls nicht vorher schon ein anderer Interessent das Büchlein gegen ein eigenes ausgetauscht hat.

Denn so funktioniert das Lesevergnügen, wie der Fahrgast an der Waggonwand erfährt: „Buch schnappen, Dampfzugfahrt genießen und ganz gemütlich lesen“, heißt es da. Was aber geschieht, wenn die Fahrt vorm Buch zu Ende ist? Gerade jüngeren Leuten passiert das schon mal, erzählt die Schaffnerin. Ist eine Zug-Rückfahrt geplant, lässt sich das Buch mitnehmen auf Wanderung oder Spaziergang, beispielsweise durch Moritzburg. Beim Heimrollen wird es einfach wieder an Ort und Stelle abgelegt. Oder eben mit nach Hause genommen – im Austausch gegen ein Werk aus dem heimischen Bücherregal.

Für Kati Schmidt, Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft (SDG) mbH, ist das eine Möglichkeit, den Fahrgästen Abwechslung zu bieten, wie mit anderen Veranstaltungen, auch den Faschingsfahrten. Aufs Buch gekommen ist das SDG-Team über einen Kollegen mit Verwandtschaft bei einem Verlag. Erste Exemplare fanden den Weg zur Bahn. Außerdem Bücher, von denen sich die Dampfbahn-Mitarbeiter trennen konnten. Bilderbücher, Bücher für Jugendliche, Sachbücher, Romane, Krimis – vieles liegt bunt gemischt in den Kisten.

Manches mit dem Aufkleber „Gefunden und getauscht bei den SDG-Lesewochen“. Denn die Aktion gibt es das dritte Jahr – nicht nur in der Lößnitzgrundbahn, auch in der Weißeritztal- und Fichtelbergbahn. Da kann es schon vorkommen, dass ein Wälzer aus Oberwiesenthal im Wagen nach Moritzburg landet. Sollte mal jemand ein Buch mitnehmen wollen und kein Tauschbuch zur Hand haben – kein Problem. Kati Schmidt: Schön, wenn das Werk jemanden findet, dem es wichtig ist.

Die Schaffnerin weiß von einem Vater und seiner Tochter, die sich ganz speziell auf die Lesewoche im Lößnitzdackel freuen, um dort tauschen zu können.

Moritz hat inzwischen sein Buch entdeckt. Energie aktuell, das will er unbedingt genauer anschauen. Auch wenn draußen die sonnige Natur vorbeizieht. Mit Pferden auf einer Wiese im Lößnitzgrund. Dazu würde wohl auch ein Tierbuch gut passen. Aber Moritz hat es die Technik auf dem Energiebuch angetan. Immer wieder blättert er darin. Das mit dem Lesewagen war wirklich eine Überraschung, erklärt sein Opa, der sich aus der Kiste vor ihm ebenfalls ein Buch herausgefischt hat.

Dann zieht der Dampf aus dem Lokschornstein den Blick nach draußen. Jetzt qualmt sie schön, sagt der Opa. Moritz überlegt kurz. Er möchte der Lok gern noch etwas näher sein. Umstieg am folgenden Haltepunkt. In den übernächsten Wagen. Richtung Dampfross.

Immer mal wieder sind aber die Bücher stärker. Zugführer Holger Weich erinnert sich an die vorangegangene Fahrt nach Radebeul. Oma, Opa, zwei Enkel, Mädchen und Junge, etwa drei, vier Jahre. Und viel Vorlesebedürfnis im Lesewochen-Wagen.

Wer dazu beitragen möchte, dass es noch mehr zum Lesen, Vorlesen und Tauschen gibt, der kann Überzähliges aus seinem Bücherschrank als Geschenk direkt an den Zug bringen – bis Freitag noch an den Lößnitzdackel, dann vom 25. Februar bis 1. März an die Weißeritztalbahn.

www.loessnitzgrundbahn.de