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Buchhändler stemmt sich gegen das Netz

Bei Comenius in Görlitz legen sechs Damen Wert auf persönliche Beratung. Mit Erfolg.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Von Matthias Klaus

Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Görlitz. Die Geschichte der Bienen also. Ein Buch, das mehrere Generationen zu Wort kommen lässt. Los geht es 1852, und die Story endet im Jahr 2098. Ein Werk von Verlust aber auch von Zuversicht. In der Comenius-Buchhandlung an der Steinstraße steht es derzeit auf Platz drei der Bestseller im Regal, gebundene Ausgabe und damit immerhin 20 Euro teuer. Und es ist das momentane Lieblingsbuch der Chefin des Geschäftes. „Es gibt Hoffnung für die Zukunft“, sagt Anja Sorkalle.

Hoffnung für die Zukunft – das hat sie auch für die Filiale. Trotz Konkurrenz. Trotz des anscheinend übermächtigen Angebotes im Internet – und in der Stadt selbst. Denn mit Thalia an der Berliner Straße hat die Comenius-Buchandlung einen großen Konkurrenten in Görlitz. „Natürlich spielt das Internet im Buchhandel eine große Rolle“, sagt Anja Sorkalle. Letztendlich könne das Netz doch nicht mehr bieten, als die Buchhandlung vor Ort. Aber Letztere bietet vielleicht sogar ein bisschen mehr. Am frühen Donnerstagnachmittag herrscht reger Betrieb im Buchladen. Immer wieder wird Anja Sorkalle aus dem Gespräch gerissen, muss Fragen von Kunden beantworten: Haben Sie dieses oder jenes Buch auf Lager? Kann ich es bestellen? Wenn ja, wann bekomme ich es? „Sehen Sie, darum geht es bei uns: den persönlichen Kontakt“, sagt die Buchhändlerin. Der werde von den Kunden geschätzt. Deshalb hat die Comenius-Buchhandlung auch ihre Stammkundschaft. „Bei uns gibt es Bestellungen über Nacht ohne Aufpreis. Wir stöbern vergriffene Bücher auf“, schildert Anja Sorkalle. Die Buchpreisbindung sei ein großer Vorteil sagt die Chefin der Filiale. Diese Regelung schreibt den Verlagen und den Buchimporteuren vor, für jedes Buch einen unveränderbaren Preis festzusetzen. „Ohne die Buchpreisbindung hätten wir es gegen die großen Anbieter im Internet wahrscheinlich sehr schwer“, sagt Anja Sorkalle. Im vergangenen Jahr feierte das Geschäft sein 115-jähriges Jubiläum in Görlitz. 1902 gründeten die Pastoren Braune, Anderson und Festner als Vorstand des Vereins für Asyl und Stadtmission eine „Schriftenniederlage“. Ihr Ziel: der Vertrieb von Bibeln, Testamenten, christlicher Literatur, Wandsprüchen und Spruchkarten. 1923 übernahm die evangelische Brüder-Unität Herrnhut das Geschäft. Kein Wunder also, dass die heutige Filiale auch die berühmten Herrnhuter Sterne verkauft. „Vor allem im November, Dezember ist da Hochsaison“; sagt Anja Sorkalle. Touristen kaufen aber auch noch im Januar als Souvenir.

Überhaupt: Neben Büchern und Sternen bietet Comenius unter anderem Spiele, Kalender. Doch das Hauptaugenmerk liegt auf dem gedruckten Wort. Ja, sagt die Chefin, Bücher in dieser Form sind immer noch gefragt. „Ganz ehrlich“, schmunzelt Anja Sorkalle, „richtige Buchliebhaber werden nicht zu einem E-Book wechseln.“ Wobei auch das bei Comenius ein Thema ist, es auch schon einen kleinen Stamm an E-Book-Freunden gibt, die sich über das Geschäft das gewünschte Erzeugnis an ihre E-Mail-Adresse schicken lassen. „Im Vergleich zu den ,üblichen’ Büchern ist die Zahl aber noch gering“, sagt Anja Sorkalle. Sechs Kolleginnen arbeiten in der Comenius-Buchhandlung, ein reiner Frauenbetrieb. Und auf Wunsch sind sie sogar nach Ladenschluss noch für ihre Kunden da: „Nachts in der Buchhandlung“ heißt die Aktion. Wer den nächtlichen Geschäftsbesuch bucht, kann stöbern, plauschen und natürlich lesen.

Es sind wohl auch diese Zusatzangebote, die die Kundschaft an der Comenius Buchhandlung liebt. Seit 1971 trägt das Geschäft diesen Namen. Nach fast 100 Jahren war es 1999 vom Klosterplatz an die Steinstraße gezogen. Zum Bestand gehören die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine. Gut sortierte christliche Regionalliteratur - immer noch eine Einzigartigkeit der Buchhandlung. Die Werke haben inzwischen einen neuen Platz, eine „eigene Ecke“, wie es Anja Sorkalle schildert. Damit sind sie als Besonderheit des Geschäftes besser erkennbar.

In einer Serie beleuchtet die SZ den Görlitzer Innenstadthandel. Bisher erschienen ist der Auftakt „Wie dem Handel geholfen werden soll“ am vergangenen Donnerstag. Nach dem Buchhandel geht es am kommenden Mittwoch um die Görlitzer Biomarkt-Landschaft.