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Bücher rollen bis fast vor die Haustür

Die Kommunen müssen ab diesem Jahr mehr Geld für den Service zahlen. Dafür steigt bald auch der Ausleihkomfort.

Mandy Laske nutzt regelmäßig und gern den Service der Fahrbibliothek des Landkreises Mittelsachsen – genau wie viele weitere Bewohner des ländlichen Raumes. Viele Kunden sind schon gespannt, wie der neue Bus aussehen wird, der wahrscheinlich ab April im E © André Braun

Kriebstein/Striegistal. Wenn die Leser nicht in eine Bibliothek kommen können, dann kommt die Bibliothek eben zu ihnen. Diesen seit September 1992 bestehenden Service wollen die Nutzer im ländlichen Raum nicht mehr missen. Für manche ist es das einzige Stück Kultur, das ihnen geblieben ist. 

Das wissen auch die Gemeinderäte. Deshalb haben sich sowohl die Räte von Kriebstein als auch von Striegistal entschieden, den kommunalen Jahresbeitrag zu zahlen, neue Verträge mit höheren Gebühren zu unterschreiben. Gerade weil bei schmalem Budget jeder Euro zählt, hatten sich die Kriebsteiner Räte die Entscheidung nicht leicht gemacht. Immerhin sind ab 2019 als Gemeindeanteil 6 900 Euro fällig. Bislang zahlte Kriebstein 1 800 Euro.

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Ähnlich sieht es in der Gemeinde Striegistal aus. Wie Hauptamtsleiterin Sabine Brendecke auf Nachfrage sagte, lag der bisherige Anteil, den die Kommune beisteuerte, bei 2 400 Euro. Ab diesem Jahr sind es 6 800 Euro. „Alle bisherigen neun Haltepunkte können beibehalten werden“, so die Amtsleiterin.

Diese Zahlen will Gabriele Hohmann, die Leiterin der Kreisergänzungsbibliothek und damit auch für die Fahrbibliothek zuständig, nur ungern ohne ein paar erklärende Worte stehenlassen. Wie sie schildert, haben sich in den 25 Jahren gleichbleibender Gebühren viele Kosten erhöht. 

Unter anderem zählt sie den Kraftstoff, die Lohnkosten und auch die Kosten für Neuanschaffungen und Pflege von Medien auf. Also sei eine Anpassung nötig gewesen. Das sei auch den Kommunen im Vorfeld offengelegt worden. „Und alle, bis auf eine Ausnahme, nutzen unseren Service trotz Erhöhung weiter“, sagt Gabriele Hohmann. Mit Erdmannsdorf sei sogar noch ein neuer „Kunde“ dazugekommen. 

Auf das Angebot der Kreisergänzungsbibliothek greifen vor allem diejenigen Kommunen zurück, die selbst keine eigenen, häufig ehrenamtlich geführten Bibliotheken mehr anbieten wollen oder können. „Der Zuspruch ist nach wie vor groß“, bescheinigt die Leiterin. Daher seien manche Leser auch in Sorge gewesen, ob das Angebot bestehen bleiben kann, wenn die Kommunen mehr bezahlen müssen.

Für die Nutzer ändert sich finanziell gesehen nichts. Sie beteiligen sich eher symbolisch an den Kosten für das kulturelle Angebot auf dem Lande mit einem gestaffelten Jahresbeitrag. Finanziert wird der Bus insgesamt über Fördergeld und Mittel, die der Landkreis beziehungsweise die Kommunen bereitstellen.

Damit der Bus weiter zuverlässig über die Dorfstraßen Mittelsachsens rollen kann, muss das mehr als 25 Jahre alte Fahrzeug ausgetauscht werden. „Das wird unser zweiter Bus sein und wir hoffen, dass wir ihn nächsten Monat in Betrieb nehmen können“, so Gabriele Hohmann. 

Von dem neuen Mobil erhofft sie sich Stabilität. „Manchmal bangen wir schon, ob er die Tour durchhält“, sagt sie über den bisherigen Bus. „Der Neue ist ein bisschen moderner“, kündigt die Leiterin der Kreisergänzungsbibliothek an. Er habe Technik wie einen Beamer an Bord, mit denen die Lesebienchentour für die Kita-Kinder ein noch größeres Erlebnis werden könnte als bisher. Außerdem sei er klimatisiert. Dadurch dürfte sich vor allem die Ausleihe in den heißen Sommermonaten für die Nutzer wie für die Mitarbeiter angenehmer gestalten.

Und noch auf ein weiteres Plus freut sich Gabriele Hohmann: „Der neue Bus ist etwas kleiner und wendiger. Möglicherweise können wir dadurch Haltepunkte anfahren, die bislang problematisch sind.“ Auch neue Stationen schließt sie nicht aus – sofern die Orte in den Fahrplan für den riesigen Landkreis passen. (mit FP/jl)