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Bühnenturm im Kraftwerk hat seine Höhe

Die Spielstätten für Operette und TJG sind im Rohbau fast fertig. Aber es gibt weiter Geldsorgen.

© Norbert Millauer

Von Bettina Klemm

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Kaum zu glauben, dass es noch eineinhalb Jahre dauert, bis die Staatsoperette und das Theater Junge Generation im Kraftwerk Mitte zu Premieren einladen. Wer am einstigen Kraftwerksgelände vorbeifährt, erlebt, wie sich die Baustelle in kürzester Zeit verändert. Etwa 140 Bauarbeiter sind zweischichtig im Einsatz.

Der Bauherr, die Firma Kommunale Immobilien Dresden (KID), und die Baufirma Ed. Züblin haben am Freitag den aktuellen Stand präsentiert. Von der Bühnenhöhe führten 130 Stufen über die Stufen einer Bautreppe zum Bühnenturm der künftigen Staatsoperette. „Der Turm hat seine endgültige Höhe von 31,30 Metern fast erreicht“, erklärt KID-Projektleiter Florian Brandenburg. Später werden darin die Kulissen hochgezogen.

Gut zu sehen ist aus dieser Höhe auch der Turm des künftigen Theaters Junge Generation. Diesem fehlt noch eine Betonschalung bis zur endgültigen Höhe von 26,35 Metern über dem Bühnenniveau. Auch der Turm für die Probebühne ist bisher zu einem Drittel fertig. Er wird so hoch wie der TJG-Turm.

Mit Fantasie lassen sich auf der Baustelle auch die künftigen Bühnen und Zuschauerräume erkennen. Die Operette wird über 700 Zuschauerplätze und das TJG über 350 verfügen. Probebühne und Puppentheater haben jeweils 125 Plätze. Rund um jede Bühne gibt es zudem Lagerflächen für einen schnellen Szenenwechsel.

Beeindruckend ist auch das Bautempo an der Ehrlichstraße. Auch dort haben die Bauarbeiter von Züblin die endgültige Höhe des Rohbaus erreicht. „Im Erdgeschoss werden Büros sowie Künstlergarderoben eingerichtet. Zudem gibt es kleine Werkstätten“, sagt Brandenburg. Passend zu den historischen Klinkerbauten erhält der Theaterneubau später eine Fassade aus Corten-Stahl. Erste Proben dafür wurden angebracht. Etwa ein Jahr wird es dauern, bis die Fassade die typische Rostentwicklung erreicht hat. Im künftigen Neubau werden bereits Anlagen für die Lüftung, für Wasser und Abwasser sowie für die Sprinkleranlage zum Brandschutz vorbereitet.

Auch ein denkmalgeschütztes Gebäude an der Ehrlichstraße wird in den Theaterkomplex einbezogen. Später werden dort die beiden Intendanten der Theater, Felicitas Loewe und Wolfgang Schaller, ihre Büros erhalten. Auch für die gesamte Verwaltung der Theater wird Platz geschaffen. Dazu müssen auch die Grundrisse und die Treppenaufgänge verändert werden. Die Abrissarbeiten im Inneren sind abgeschlossen, und erste Zwischenwände und Türöffnungen entstehen derzeit. Auch das Dach wird aktuell saniert. Gegenüber von der Ehrlichstraße entsteht der Theaterboulevard. Dazu wird die historische Maschinenhalle saniert. Über zwei größere Eingänge gelangen die Besucher später zu den Foyers, Kassen und Sanitäranlagen. In der Maschinenhalle befinden sich auch die Probebühne und das Puppentheater. KID-Geschäftsführer Axel Walther ist überzeugt, die Termine einhalten zu können und den Bauverzug, der durch Betonteile im Boden entstanden ist, aufzuholen. Allerdings waren in der veranschlagten Summe von 97 Millionen Euro für das Gesamtbauwerk auch 3,2 Millionen Euro EU-Fördermittel eingeplant. Doch weil die Kriterien nicht erfüllt werden, können diese nicht ausgezahlt werden. Nun suchen Stadt, Land und SAB nach Auswegen. Es soll einen Tausch geben: Mehr Fördermittel beispielsweise bei Schulen und Turnhallen einzusetzen und das dafür geplante Geld der KID zu geben. Derzeit liegt eine Liste mit Vorschlägen über elf Millionen Euro vor. In etwa vier Wochen könnte darüber entschieden werden. Bis dahin kann Walther nun keine Aufträge für die Ausstattung der Häuser ausschreiben.

Sorgen haben auch die Intendanten der beiden Theater. Sie hatten um etwas mehr Geld im Doppelhaushalt gebeten, um den Umzug und die Werbung für die neue Spielstätte vorbereiten zu können. Nicht nur, dass dem kaum gefolgt wurde, der Finanzbürgermeister hat zudem eine Haushaltssperre verfügt. Allein bei der Operette fehlen so fast 100 000 Euro. Beide setzen auf Zweckoptimismus und hoffen, dass die Verwaltung und der Stadtrat noch eine Lösung finden.