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Bürger wollen Krone retten

Bautzen kann nicht auf die Stadthalle verzichten, sagt die neue Bürgerinitiative – und fordert die Stadt zum Handeln auf.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

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Bautzen. Kultur ist kein Luxus. Kultur muss man sich leisten wollen. Diese zwei Sätze wiederholt Utta Winzer immer wieder. An einem Ecktisch in der Billardgarage hat die Bautzenerin ihre engsten Verbündeten um sich gescharrt. Ihre Mutter ist gekommen, eine Freundin, ein Bekannter. Der harte Kern einer kleinen Bürgerinitiative, die, wenn es nach Utta Winzer geht, noch viel größer werden soll. Bei Tee und Cola wird an diesem Nachmittag hefig diskutiert – über das, was Bautzen lebenswert macht, über die „Krone“ und darüber, wie die derzeit zum Verkauf stehende Stadthalle doch noch gerettet werden kann.

„Löbau hat eine Veranstaltungshalle, die Hutbergbühne in Kamenz ist spitzenmäßig. Und was ist mit Bautzen?“, sagt Utta Winzer und blickt fragend in die Runde. „Bautzen ist größer als Löbau. Ich verstehe nicht, warum wir es nicht auf die Reihe bekommen“, antwortet ihre Freundin Evi Laugwitz. Ihre Mutter, Erna Winzer, erinnert an die vielen schönen Veranstaltungen, die es in der Stadthalle gab. Dann meldet sich auch Martin Schneider-Krawc zu Wort. „Wenn Bautzens Oberbürgermeister darauf besteht, dass die Stadt die Krone nicht kauft, muss er eine neue Halle in Aussicht stellen. Die Turnhalle am Schützenplatz ist kein Ersatz“, sagt er und will noch weiter reden, da fällt ihn Utta Winzer ungeduldig ins Wort: „Ich würde den Herrn Ahrens gern mal fragen, ob er je eine Veranstaltung in der Krone besucht hat.“

Jugendweihe und Abschlussball

Die Stimmung am Ecktisch ist angespannt. Eine Mischung aus Wut, Trotz und Aktionismus. Immer dann, wenn eine Pause entsteht, sucht Utta Winzer neue Argumente und blättert dafür in einem Ordner. Darin: unzählige Zeitungsartikel und Texte der Stadtverwaltung. Jede Information, die sie finden konnte, hat sie gesammelt – auch die aktuelle Stellungnahme des Bautzener Oberbürgermeisters. Erst vor ein paar Tagen hat sich Alexander Ahrens (SPD) zu Wort gemeldet. Von den Eigentümern der Stadthalle Krone forderte er erneut eine deutliche Senkung des Kaufpreises. Anderenfalls werde die Stadt dem Kauf des Gebäudes nicht zustimmen. Sollte der Stadtrat anders entscheiden, werde der OB sein Veto einlegen, stellte Ahrens klar und nannte einen Höchstpreis von 430 000 Euro für die Krone und den angrenzenden Parkplatz. Die Berliner Onnasch-Gruppe hatte das Areal zuletzt für 2,2, Millionen Euro angeboten. Als Utta Winzer davon in der Zeitung las, stand für sie fest: So kann es nicht weitergehen. Sie erinnerte sich an ihre Jugendweihe in der Stadthalle, an den Abschlussball und schrieb auf, was ihr in den Sinn kam. Dann nahm sie ihren Mut zusammen, stellte sich bei der Stadtratssitzung vorn ans Pult und trug ein kurzes Plädoyer für den Kauf der Stadthalle vor.

OB Ahrens antwortete ihr und versprach, dass die Stadt nicht leichtfertig entscheiden würde. Doch das genügte ihr nicht. „Für mich war das keine Antwort“, sagt sie. Ab diesem Zeitpunkt stand für die Bautzenerin fest, dass sie etwas unternehmen will. Winzer, die als Stadtführerin arbeitet, sprach Bekannte an, redete mit Freunden und richtete eine Mailadresse für jene ein, die sie unterstützen wollen.

Ideeller Wert für Stadt und Bürger

Zurück in die Billardgarage. Der Tee ist längst ausgekühlt. Doch das stört hier niemanden. Utta Winzer erzählt gerade eine Geschichte, die sie auch ihren Gästen vorträgt, wenn sie mit ihnen am Reichenturm vorbeiläuft. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das Bauwerk bei einem Stadtbrand beschädigt. „Die Bürger haben damals eine Lotterie ins Leben gerufen und auf diese Weise Geld für die Sanierung des Turms gesammelt“, sagt sie und betont voll Überzeugung: „Auf diese Bürger bin ich wirklich stolz.“ Diese kleine Geschichte ist für Utta Winzer ein Paradebeispiel dafür, was alles geht, wenn nur der Wille da ist.

Der Wille ist für sie auch entscheidend, wenn es darum geht, die sanierungsbedürftige Stadthalle mit wenig Aufwand wieder flott zu machen. Oder dann, wenn sie auf die Frage antworten soll, wie die Stadt künftig Veranstalter für die „Krone“ begeistern soll. Natürlich spielt auch Geld am Tisch der Bürgerinitiative eine Rolle. Allen ist klar, dass die Rettung der Stadthalle nicht billig wird. „Aber dazu könnte man einen Teil der SED-Millionen verwenden“, sagt Winzer. Sie hat sich informiert und herausgefunden, dass die Ost-Länder nach einem Rechtsstreit über das Vermögen der DDR-Staatspartei SED bald Geld erhalten. Etwa 58 Millionen Euro entfallen auf Sachsen. „Man kann doch etwas davon in die Krone stecken“, ist Winzer überzeugt.

Aber sollte die Stadt die Krone auch dann kaufen, wenn der Eigentümer mit dem Preis nicht weiter nach unten geht? Am Ecktisch wird es still. Utta Winzer zögert. „Ja, ich denke schon“, meint sie dann. Die Krone habe einen ideellen Wert, den der Oberbürgermeister gar nicht erahnen könne, erklärt sie. Die Bautzenerin wird weiter nach Unterstützern suchen. Und dann? In den kommenden Wochen möchte Utta Winzer alle Stadtratsfraktionen besuchen und auch sie davon überzeugen, dass die Krone gerettet werden muss.

Diskutieren Sie mit uns: Soll die Stadt Bautzen die Krone kaufen und als Veranstaltungshaus erhalten?

Wir freuen uns auf Ihre Meinung via E-Mail, Facebook oder als Leserbrief.

Sächsische Zeitung, Lauengraben 18, 02625 Bautzen

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