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Bürgerbüro im Bahnhof später fertig

Beim Umbau des Bahnhofs Potschappel gerät der Zeitplan wegen fehlender Baufirmen durcheinander. Und nicht nur das.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Annett Heyse

Freital. Wer öfters ab dem Potschappler Bahnhof mit der S-Bahn fährt, läuft seit Monaten mitten durch eine Baustelle. Und sieht es dabei ganz gut vorangehen. Nach den Abriss- und Entkernungsarbeiten wurde das Mauerwerk bereits trockengelegt. Derzeit finden Arbeiten an der Fassade statt, das Natursteinmauerwerk wird neu verfugt. Auch die Dachdecker haben mit ihrem Teil der Sanierung begonnen. Doch so perfekt, wie es den Anschein hat, läuft es dann doch nicht. Am Bahnhofsgebäude, welches von der Stadt derzeit zu einem Verwaltungszentrum umgebaut wird, ist einiges ins Stocken geraten.

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Bisher ging man im Freitaler Bauamt noch von einem Fertigstellungstermin Anfang 2019 aus. Jetzt gibt es einen drei- bis viermonatigen Verzug. „Wir gehen aktuell von einer Verschiebung auf Ende April 2019 aus“, teilte Matthias Weigel, Pressesprecher der Stadt Freital, mit. Der Grund ist ausgerechnet die gute Auftragslage vieler Baufirmen. Weil deren Terminplaner voll sind und für zusätzliche neue Aufträge kaum noch Personal auf dem Arbeitsmarkt zu finden ist, geben die Betriebe schlicht keine Angebote bei öffentlichen Ausschreibungen mehr ab.

Die Folge ist, dass nicht nur private Bauherren Probleme bekommen, Firmen zu finden. Auch die Kommunen suchen händeringend nach Unternehmen für ihre Baustellen. So musste im Falle des Potschappler Bahnhofs das Los für den Rohbau – eigentlich ein lohnenswerter Auftrag – sogar komplett neu ausgeschrieben werden. Es hatte sich schlicht keine Firma beworben. Ähnlich verlief die Ausschreibung der Elektroinstallation. Hier habe es nur ein Angebot gegeben, welches allerdings unzulänglich gewesen sei, heißt es aus dem Rathaus. Auch dieses Los musste neu ausgeschrieben werden.

Weil der Bauplan zeitlich eng getaktet ist, sind von einer Verzögerung meistens alle nachfolgenden Gewerke betroffen. Dieser Dominoeffekt hat sich nun auch beim Bahnhofsumbau eingestellt: Heizung-Lüftung-Sanitär, Trockenbauer, Putzer, Maler, Fußbodenleger – sie alle werden erst später als zunächst vorgesehen auf der Baustelle erscheinen.

Und es liegt nicht nur an fehlenden Angeboten, dass sich die Fertigstellung verzögert. Als im Sommer 2017 mit der Sanierung begonnen wurde, ergaben sich neue Probleme – wie so häufig, wenn in alte Gebäude eingegriffen wird. Weigel: „Bei der Trockenlegung des Mauerwerks und der statischen Ertüchtigung gab es Mehraufwendungen.“ So mussten zusätzliche Stahlträger eingezogen werden. Auch erforderte der Zustand im Dachbereich eine Verstärkung beziehungsweise den Austausch der Holzkonstruktion.

Beides – die gute Auftragslage im Baugewerbe und der zusätzliche Aufwand bei der Sanierung – hat finanzielle Folgen. So rechnete die Stadt zunächst mit Baukosten von 3,5 Millionen Euro. Inzwischen hat sie die Zahl noch oben korrigiert – auf gut vier Millionen Euro.

Die gute Stimmung im Rathaus hinsichtlich des Bahnhofs will sich dadurch aber niemand verderben lassen. Schließlich wird das zusätzliche Verwaltungsgebäude dringend gebraucht. Denn in den beiden Rathäusern Potschappel und Deuben ist es zu eng geworden. Zudem verfügt Freital noch nicht einmal über ein zentrales Bürgerbüro, wie in anderen Rathäusern bereits üblich.

Deshalb entsteht im Erdgeschoss des Bahnhofs ein Bürgerbüro. Dort können die Freitaler an einer zentralen Stelle beispielsweise Ausweise beantragen, Formulare abholen oder Anfragen loswerden. Des Weiteren ist im Erdgeschoss ein Mehrzweckbereich mit Sitzungszimmern geplant, der auch für die Stadtteilarbeit und öffentliche Veranstaltungen genutzt werden kann. In der Etage darüber entstehen 40 Arbeitsplätze für die Stadtverwaltung. Welche Abteilungen genau in das Gebäude umziehen, steht noch nicht fest. Unter dem Dach werden Räume für die Stadtratsfraktionen eingerichtet.