merken

Bürgerentscheid über Kulturhauptstadt?

Die heiße Phase zur Vorbereitung auf eine Zittauer Bewerbung ist angelaufen. Dafür gibt es überraschende Unterstützung.

© SZ Thomas Eichler

Von Thomas Mielke

Zittau. Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) hat am Mittwoch den offiziellen Startschuss für die Vorbereitung auf eine Bewerbung der Stadt Zittau um den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2025“gegeben. Während einer Pressekonferenz in der Klosterkirche erläuterten er, Landrat Bernd Lange (CDU) und Ana Zavartanik Ugrin, Beigeordnete von Nova Gorica in Slowenien und Beauftragte für die Bewerbung ihrer Stadt, den Stand und die Strategie. Das sind die Neuigkeiten:

Anzeige
Ausschreibung der Gemeinde Lohsa
Ausschreibung der Gemeinde Lohsa

Wir suchen zur Betreibung der Kindertagesstätten in Lohsa einen Träger.

Fritz Pleitgen hat mit dem Ruhrgebiet erstmals eine Region zum Kulturhauptstadttitel geführt und empfiehlt Zittau die Bewerbung.
Fritz Pleitgen hat mit dem Ruhrgebiet erstmals eine Region zum Kulturhauptstadttitel geführt und empfiehlt Zittau die Bewerbung. © dpa/dpaweb

Mitbestimmung: Zittauer sollen über Bewerbung entscheiden

Die Zittauer sollen direkt darüber entscheiden, ob sich ihre Heimatstadt 2019 tatsächlich um den Titel bewirbt. OB Thomas Zenker kündigte an, einen entsprechenden Antrag am Donnerstag im Stadtrat stellen zu wollen. Sollte der Stadtrat zustimmen, würde die Abstimmung parallel zur Wahl im Mai 2019 stattfinden. „Wenn wir es nicht schaffen die Bevölkerung bis Mai zu überzeugen, macht eine Bewerbung im September keinen Sinn“, sagte Zenker. Voraussichtlich im September 2019 muss die Stadt endgültig entscheiden, ob sie sich bewirbt. Bis zum möglichen Bürgerentscheid sei noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, sagte Kai Grebasch, Rathaussprecher und Marketingverantwortlicher der Stadt, der SZ am Rande der Pressekonferenz. Dieser Aufgabe stelle man sich aber gern und in dem Wissen, dass sie wichtig und nötig sei. Landrat Lange ist sich ziemlich sicher, dass das auch gelingen wird.

Nächste Schritte: Konzept und Ausschreibung von Stellen

Nachdem in der Vorwoche die Steuerungsgruppe für die Bewerbung erstmals zusammengekommen ist, soll nun ein Kuratorium aufgebaut werden. Das Gremium mit Vertretern aus vielen Schichten der Gesellschaft wird die Stadt inhaltlich bei der anstehenden Erstellung eines Konzepts beraten. Zudem werden nun die ersten zwei von maximal vier Mitarbeiterstellen für die Bewerbung und deren Vorbereitung ausgeschrieben. Gesucht werden laut OB Projektmanager, die gut kommunizieren können und die Zittauer auf dem Weg mitnehmen. Große Namen wie beispielsweise beim Mitbewerber Dresden sind nicht zu erwarten. Es wäre für eine Kleinstadt kaum angemessen, für die Kulturhauptstadt-Mitarbeiter oder deren Chef Hunderttausende Euro auszugeben, sagte Zenker.

Geld: Sparkasse gibt einen zweiten großen Scheck

Nach den 30 000 Euro im Jahr 2017 hat Michael Bräuer, Chef der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, dem Zittauer OB am Mittwoch einen weiteren Scheck in Höhe von 60 000 Euro für die Bewerbung übergeben. Zur Begründung für das Engagement nannte er drei Punkte: Man wolle es unterstützen, wenn in der Region etwas Positives passiert und nicht nur gejammert werde, sagte Bräuer. Zudem will die Sparkasse helfen, die reiche Kultur und schöne Landschaft in und um ihren Hauptsitz in Zittau bekannter zu machen. „Nicht zuletzt haben wir ein Eigeninteresse“, sagte Bräuer. Inzwischen kämen viele Kunden der Sparkasse auch aus den angrenzenden Regionen im Ausland. Wenn am weiteren Zusammenwachsen dieser Regionen gearbeitet wird, ist die Sparkasse im Boot.

Partner: Jelenia Góra und Boleslawiec wollen mitmachen

Zittau will sich bekanntlich mit der ganzen Region inklusive des Sechs-Städte-Bundes, der Umlandgemeinden, des Landkreises Görlitz und Liberec (Reichenberg), des Kleinen Dreiecks bewerben. Nun haben auch Boleslawiec (Bunzlau) und Jelenia Góra (Hirschberg) angefragt, ob sie sich beteiligen dürfen, wie OB Zenker bekannt gab. Erstmals äußerten sich bei der Pressekonferenz Slowenen zu den gemeinsamen Plänen mit Zittau. Das südosteuropäische Land darf wie Deutschland 2025 eine Kulturhauptstadt stellen. Die Stadt Nova Gorica erwägt wie Zittau eine Teilnahme. Ihre Region und der Landkreis Görlitz sind seit Jahren Partner und auf Anregung von Landrat Lange erwägen Zittau und Nova Gorica eine Parallelbewerbung. Zenker und Ana Zavartanik Ugrin sagten, dass die Hauptthemen die durch den Zweiten Weltkrieg geteilten Städte Görlitz, Zittau und Nova Gorica sowie die Brücken über Flüsse in die Nachbarländer Polen und Tschechien beziehungsweise Italien und Österreich sein könnten. Die slowenische Delegation hat in den letzten Tagen unter anderem das Neiße-Filmfestival und das internationale Theaterfest J-O-S besucht und mit eigenen Beiträgen bereichert. Um die Zusammenarbeit weiter zu vertiefen, ist unter anderem ein Kooperationsvertrag zwischen der Hochschule Zittau/Görlitz und der Uni in der slowenischen Stadt geplant.

Unterstützer: Ehemaliger ARD-Chef fordert zur Bewerbung

Zittau hat für die Bewerbung einen prominenten Unterstützer gewonnen: Fritz Pleitgen. Der ehemalige ARD-Chef hat als Geschäftsführer der Ruhr 2010 GmbH das Ruhrgebiet als erste Region in Deutschland zur Europäischen Kulturhauptstadt gemacht. Formaler Bewerber war die Stadt Essen. Er habe gesagt, dass sich die Region um Zittau unbedingt bewerben solle, sagte Landrat Lange, der mit Pleitgen in Verbindung steht. OB Zenker ergänzte, dass sich die Stadt bei den zwei Stellenausschreibungen, die jetzt anstehen, inhaltlich an Vorgaben aus Pleitgens Netzwerk gehalten hat. Lange, der die Idee für Zittaus Bewerbung hatte, will mit Martin Puta, Chef des Kreises Liberec, im EU-Ausschuss der Regionen in Brüssel die Werbetrommel für Zittau rühren. Sie haben bereits einen Kooperationsvertrag unterschrieben. Lange verspricht sich von einer Bewerbung, dass die Region sich hinter einem Ziel vereint und die Oberlausitzer wieder mehr Stolz auf ihre Heimat und das Erreichte entwickeln.