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Wütende Worte für den Landrat

Auwälder auszulichten, reicht beim Hochwasserschutz in der Region um Riesa nicht aus – sagen die Absender eines offenen Briefs.

© Sebastian Schultz

Von Christoph Scharf

Nünchritz/Zeithain/Riesa. Der Auwald an der Elbe bei Riesa wirkt idyllisch – verschlimmert aber bei einem Hochwasser die Folgen. Ihn deutlich auszulichten, ist nur ein Punkt, den drei Bürgerinitiativen in einem offenen Brief an Landrat Arndt Steinbach (CDU) fordern.

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Vertreter hatten an der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses des Kreistags und an der Kreistagssitzung im Riesaer Stern teilgenommen. Dort habe man feststellen müssen, „dass sowohl die Kreisverwaltung im Landratsamt als auch die Kreisräte weit entfernt sind, über die dringendst zu lösenden Probleme des Hochwasserschutzes im Landkreis zu beraten und zu beschließen“, heißt es im Brief der Initiativen „Hochwasser Nünchritz 2013“, „Hochwasserschutz Röderau“ und „Lebenswerte Elbaue“.

Seit dem Elbhochwasser 2013 habe man sich ausschließlich – wie schon nach 2002 – auf die Aktivitäten der Landestalsperrenverwaltung (LTV) zum baulichen Hochwasserschutz verlassen. Eckehard Bielitz, Chef des LTV-Betriebs Oberes Elbtal, hatte im Kreistag einen Überblick über laufende Maßnahmen vorgestellt. Von seinen Aussagen seien Vertreter der Bürgerinitiativen aus Nünchritz und Röderau aber enttäuscht gewesen. „Unsere Anliegen zur nachhaltigen primären Hochwasser-Vorsorge in den Aktivitäten am ‚Runden Tisch Hochwasser‘ wurden leider nicht entsprechend ihrer Bedeutung hervorgehoben“, schreibt Reinhard Neumann von der Nünchritzer Bürgerinitiative.

Die LTV habe allein den technischen Hochwasserschutz und die investierten Millionen in den Mittelpunkt gestellt, ohne die Schwerpunkte des „Runden Tisches Hochwasser“ auch nur zu erwähnen: Dort geht es unter anderem um die Auslichtung des Uferwalds bei Promnitz, eine bessere Pflege des Elbvorlands, eine Ausweitung der Elbe in Höhe Riesa und Änderungen an der S 88, die teils umgebaut, teils verlegt werden soll. – „Wir wissen, dass sich die LTV nur als reine Verwaltung von Projekten sieht und nicht neue alternative Projekte entwickelt“, heißt es im Brief. Dabei könnte die Elbe bei einem Hochwasser wie 2013 zwischen Nünchritz und Brücke Riesa in ihrem Bett bleiben, wenn man das Vorland gezielt beräumen würde.

Landkreis-Dezernent Andreas Herr hatte im Technischen Ausschuss einen mehrstufigen Maßnahmeplan vorgestellt, wie man mit dem Auwald umgehen kann – schließlich sei er als FFH-Gebiet geschützt. Den Bürgerinitiativen reicht das nicht. „Wir erwarten, dass der Landrat sich politisch an die Spitze stellt und die Kreisräte aktiv einbezieht. Es reicht nicht, immer nur mal einen reparierten Deich einzuweihen und die Feuerwehr mit größeren Pumpen auszurüsten“, heißt es im Brief. Die Absender fordern eine „verantwortliche Arbeitsgruppe“ zur Umsetzung des Sofortprogramms der Bürgerinitiativen.

Laut Kreis-Sprecherin Kerstin Thöns ist der Landkreis mit den drei Initiativen im Kontakt. „Es gab viele Gespräche zu allen Themen, die der Landkreis entscheiden kann. Und es gibt Vorschläge der Kreisverwaltung für ein Sofortprogramm.“ Eine Arbeitsgruppe der Behörde ausschließlich zur Umsetzung der Forderungen der Bürgerinitiative könne es aber nicht geben, sagt Kerstin Thöns: Die Kreisverwaltung wolle weiter zwischen den „Fronten“ vermitteln. Schließlich sei bei Weitem nicht nur das Umweltamt beteiligt – sondern auch das Schifffahrtsamt, der Sachsenforst, die Kommunen, die LTV und die Bewirtschafter der Flächen.