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Bürgermeister kämpfen für Strecke Pirna–Sebnitz

Die Kürzungspläne des Verkehrsverbundes stoßen in den Rathäusern auf Unverständnis. Dort werden jetzt Allianzen und Gegenmaßnahmen geschmiedet.

© Daniel Förster

Von Matthias Weigel

Sebnitz. Es träfe Sebnitz zwar nicht ganz so hart wie Neustadt, Stolpen oder Dürrröhrsdorf-Dittersbach. Dennoch will Bürgermeister Mike Ruckh (CDU) den „Kampfmodus“ aktivieren. Grund ist eine mögliche Einstellung der Bahnlinie Pirna–Neustadt–Sebnitz (SB 71). Angesichts einer drohenden Finanzierungslücke im Nahverkehr hatte der Verkehrsverbund Oberelbe erklärt, bei Einsparungen zuerst nachfrageschwache Linien einstellen zu wollen. Dazu gehöre auch die Nahverkehrslinie, die von der Städtebahn Sachsen gefahren wird.

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Sebnitz wäre dann aus Richtung Pirna nicht mehr direkt erreichbar – hat aber über die Nationalparkbahn und Bad Schandau eine Altarnative. „Dennoch werden wir diese Kürzungspläne nicht einfach so hinnehmen“, sagt Ruckh. Bereits am 27. Januar sollte das ein Thema im Stadtrat sein. Im Kreistag am 1. Februar will er ebenfalls einen Antrag zum Erhalt der Strecke einbringen – und außerdem die bestehende AG Bahn reaktivieren, in der die Anrainerkommunen vertreten sind. „Wir werden uns auch dort positionieren. Man kann eine Region nicht so einfach vom Bahnverkehr abkoppeln“, sagt Ruckh. Auch vor dem Hintergrund, dass erst jüngst der Lückenschluss nach Tschechien erreicht worden sei, könne man nun das Angebot nicht einfach eindampfen. „Mein Blick geht jetzt ganz klar Richtung Freistaat“, sagt Ruckh.

Denn dort liege die Hauptursache für das Dilemma. Aus dem Topf des Nahverkehrs, den der Bund füllt, habe Sachsen einen üppigen Teil nach eigenem Gutdünken für sich behalten. Beispielsweise wurden davon Schülerbeförderung und Investitionen finanziert. „Die daraus resultierende Unterfinanzierung des Nahverkehrs an sich fällt dem Freistaat nun auf die Füße“, sagt Ruckh. Denn der Bund fährt die Mittel für Sachsen zurück. Ausbaden müssten das die Kommunen und Bürger. Ruck zeigt sich aber kämpferisch. „Wir sind kampferprobt und die Bahnstrecke ist nicht das erste Mal totgesagt“, sagt Ruck. Bislang habe man immer wieder Lösungen erstreiten können.

Berufsschulzentrum in Gefahr

Stolpens Stadtchef Uwe Steglich (FDP) verweist dabei auf die Initiative „Hände weg vom Sächsischen Schweiz Ring“ aus dem Jahr 2010. Das Thema stand damals unter den gleichen Argumenten zur Debatte. Dieser Widerstand werde sich nun sicher erneut formieren. „Mir sind natürlich die Fahrgastzahlen bekannt“, sagt Steglich. Ein Problem sei, dass viele Haltepunkte außerhalb der Ortschaften liegen. „Da ist die Busanbindung natürlich optimaler“, sagt Steglich. Tendenziell seien zwischen Neustadt und Pirna mehr Fahrgäste unterwegs als zwischen Neustadt und Sebnitz. Zudem laufe über die Linie ein erheblicher Teil des Schülerverkehrs, den Busse nicht ohne Weiteres abdecken könnten. Einen Einschnitt, gerade fürs Berufsschulzentrum Pirna, dürfe man sich nicht leisten.

Außerdem sei die Nachfrage bei der Strecke schon immer gering und die Wirtschaftlichkeit schon immer ein Diskussionspunkt gewesen. „Jetzt, nachdem man Übergangsstellen, P&R-Parkplätze in Sebnitz, Stolpen und Dürrröhrsdorf-Dittersbach geschaffen, die grenzüberschreitende Eisenbahnverbindung 2014 in Betrieb genommen und damit nicht unerhebliche Steuergelder investiert hat, sollte man die damalige sicher politische Entscheidung zum Erhalt der Strecke auch weiter mittragen und nicht erneut debattieren“, sagt Steglich. Zudem könne man Fahrgastzahlen nicht losgelöst sehen – immerhin sei die Strecke Sebnitz–Bad Schandau ursprünglich der RB 71 zuzuordnen gewesen, da diese früher von Pirna über Sebnitz bis Bad Schandau führte.

Peter Mühle (NfN), Bürgermeister von Neustadt, blickt mit Sorge auf die Entwicklung. „Der Plan ist nicht nachvollziehbar“, sagt er. Das sei eher ein Zeichen von kurzsichtiger Politik, nur die Wirtschaftlichkeit als absolutes Kriterium zu betrachten und daran alles festzumachen. „Unsere ländliche Region lebt jedoch mit dieser Strecke. Dass in den Nachtstunden keine Züge fahren, ist akzeptabel. Aber besonders in den Morgen- und Nachmittagsstunden sind die Züge mit Pendlern sehr gut besetzt“. Zudem dürfe man die SB 71 als Zubringer zu anderen Linien nicht unterschätzen. Wenn man das Angebot immer weiter ausdünne, wie vor Jahren bereits die Strecke nach Bautzen über Neukirch, müsse man sich über sinkende Attraktivität nicht wundern. „Das ist ein völlig falsches Signal. Wir brauchen die Strecke“, sagt Mühle.

Pirnas OB Klaus-Peter Hanke (parteilos) sieht das ähnlich. „Wir dürfen den ohnehin schon ausgedünnten Nahverkehr nicht noch weiter beschneiden. Damit hängen wir das Umland noch viel stärker ab und sorgen dafür, dass die negativen demografischen Aspekte noch verstärkt werden“, sagt er. Auch Pirna habe großes Interesse am Erhalt der Linie, nicht zuletzt wegen des Berufsschulzentrums. Hanke will sich für eine Weiterfinanzierung stark machen.