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Bürgermeister testet Elektroauto

Zwei Wochen fährt Frank Seifert einen elektrisch angetriebenen Dienstwagen. Sein Fazit fällt durchwachsen aus.

© Sebastian Schultz

Von Jürgen Müller

Stauchitz. Er ist ein Mann der leisen Töne, der parteilose Stauchitzer Bürgermeister Frank Seifert. Da passte es ganz gut zu seiner zurückhaltenden Art, dass er ein Elektroauto fuhr. Für zwei Wochen stellte ihm die Energieversorgung Sachsen Ost (Enso) einen elektrisch betriebenen, lautlosen Flitzer der Marke VW als Dienstfahrzeug zur Verfügung. Das Fazit des Testes fällt durchwachsen aus. „Klar ist, dass derzeit ein Elektroauto für uns als Gemeindeverwaltung als Dienstfahrzeug nicht infrage kommt“, so der Stauchitzer Gemeindechef.

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Als Hauptgrund nennt er die geringe Reichweite. Selbst bei vollgeladenem Akku habe die nur 125 Kilometer betragen. Theoretisch. „Sobald man Verbraucher wie Licht, Radio oder Heizung einschaltet, sinkt die Reichweite dramatisch“, so Frank Seifert. Obwohl der Akku jede Nacht geladen wurde, sei er nur kurze Strecken in der Gemeinde gefahren. „Bis ins Landratsamt nach Meißen und zurück habe ich mich nicht getraut. Wäre peinlich gewesen, wenn der Bürgermeister im Elektroauto liegengeblieben wäre“, sagt er und lacht. Einmal wollte er nur ins benachbarte Stauchitz fahren. Obwohl eine Reichweite von 35 Kilometern angezeigt war, traute er sich nicht. „Da habe ich dann doch lieber meinen Diesel genommen.“ Auch gemessen an den Kosten sei ein Elektroauto nicht günstiger als ein Diesel, so Seifert.

Begeistert war er von der Beschleunigung und vom nahezu lautlosen Fahren. Doch er sieht da auch Sicherheitsprobleme. „Einmal bin ich bis auf zwei Meter an eine Gruppe älterer Bürger herangefahren. Die haben mich erst bemerkt, als ich die Scheibe heruntergelassen und sie angesprochen habe“, sagt er.

Gänzlich ausschließen möchte er Elektro-Fahrzeuge als Dienstwagen beispielsweise für den Bauhof jedoch nicht. „Da müssten sie aber deutlich mehr Reichweite haben.“ Generell sieht der Bürgermeister derzeit vor allem für Dorfbewohner kaum
Anreize, sich ein Elektroauto zuzulegen. In der gesamten Gemeinde gibt es nicht eine einzige Elektrotankstelle. „Wer keine Garage mit Stromanschluss hat, für den wird es schwierig“, sagt er.