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Bürgermeister verwundert über Figuren-Ärger

Der Ratschef muss sich jetzt zum Verkauf von Sandsteinfiguren erklären. Bürger wollen sie zurück. Der Fall wird untersucht.

© SZ

Von Heike Sabel

Bad Gottleuba. „Für das Geld hätte ich sie mir auch in Garten gestellt“, sagt Monika Weidner. Die Gottleubaerin meint die vier Sandsteinfiguren, die Bürgermeister Thomas Mutze (parteilos) für rund 2 500 Euro verkauft hat. „Ich finde es unverschämt, dass alles so verhökert wird“, sagt Monika Weidner. Zudem gehörten die Figuren ins Stadtbild. Die letzte der vier Jahreszeiten-Figuren, der Frühling, stand am Bürgerhaus. Dass Mutze den Stadtrat beim Verkauf nicht einbezog, bringt Einige in Rage. Andere meinen, die Figuren hätten doch 20 Jahre lang keinen interessiert, warum nun das Theater. Das Landratsamt klärt jetzt die rechtliche Frage des Verkaufes. Die Kommunalaufsicht hat inzwischen mit Mutze gesprochen. Er habe weitere Auskünfte für Anfang nächster Woche in Aussicht gestellt, sagt das Landratsamt. Dem Landkreis geht es insbesondere um die Frage des Wertes der Figuren und ob sie Kunst sind. Um sie zu verkaufen, muss es eine Bewertung geben, „die im Rahmen der doppischen Haushaltsführung vorliegen sollte“, sagt Amtsleiter Thomas Obst. Haben die Figuren einen besonderen wissenschaftlichen, geschichtlichen, künstlerischen oder denkmalpflegerischen Wert, muss das Landratsamt dem Verkauf zustimmen.

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Erst nach dem Vorliegen der geforderten Unterlagen könne der Verkauf rechtlich beurteilt werden. Sind die über 100 Jahre alten, von Bildhauern entworfenen und erstellten Figuren wirklich nur so wenig wert und nichts Besonderes, wäre Mutze zumindest gesetzlich im Recht. Moralisch aber bleibt sein Handeln fraglich.

Niemanden gestört, nichts gekostet

Immer mehr wird auch gefragt, wen die Figuren gestört haben, ob sie Kosten verursachten und an wen sie verkauft wurden. Gestört haben sie niemanden, es stand ja nur noch eine am Bürgerhaus, und gekostet haben sie auch nichts. Der Steinmetz-Betrieb Kajer in Berggießhübel hatte sie kostenlos für die Stadt eingelagert. Die Restaurierung der zum Teil sehr stark beschädigten Figuren hingegen hätte schon viel Geld gekostet. Geld, das die Stadt derzeit nicht hat. Das allein rechtfertige jedoch nicht den Verkauf der Figuren, noch dazu für einen offensichtlichen Spottpreis.

Was den Käufer betrifft, ist von einem Privatmann die Rede. Solange nicht weitere Informationen offengelegt werden, bleibt ein Beigeschmack. Ist es ein Kunstfreund oder einfach nur ein Freund? Der geringe Preis gibt Spekulationen Raum. Eine Forderung wird immer lauter: Die Figuren müssen zurück. „Sie haben meine Kindheit begleitet, standen an meinem Schulweg“, sagt Stadtrat Robert Kühn (CDU). „Deshalb habe ich sehr viel Interesse am Verbleib.“ Die CDU-Fraktion beschäftigt sich am Montag, einen Tag vor der Stadtratssitzung, mit dem Verkauf.

Bürgermeister Mutze äußert sich bisher nicht wieder. Er war bei der ersten Nachfrage vorige Woche verwundert. „Die Figuren waren 20 Jahre als Ensemble nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen. Warum jetzt eine Nachfrage der SZ?“