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Bürgertreffen zu Flüchtlingen geplant

Rathauschef Zenker will vor dem Ausbau des Asylstandorts mit den Einwohnern reden – wie und wann, sagt er in seiner starken Neujahrsrede.

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© Norbert Millauer

Von Ulrike Keller

Weinböhla. Seit Jahren schon steht es leer, das ehemalige Ferienlager am Weinböhlaer Querweg. Weshalb der Gemeinderat hier Platzkapazitäten sieht, um Unterkünfte für weitere Flüchtlinge zu schaffen. In der Gemeinde sorgt das für Gesprächsstoff.

Einige Amtskollegen raten dem Weinböhlaer Bürgermeister zwar ab. Viele fragen, warum er sich das antun will. Doch Siegfried Zenker (CDU) möchte in der ersten Märzhälfte eine Bürgerversammlung zum Thema Asyl und konkret zur Unterbringung am Querweg einberufen. Das kündigte er am Sonntag in seiner Neujahrsrede an. „Ich habe das Gefühl, es wird erwartet“, begründete er auf Nachfrage. Allerdings betonte er ausdrücklich, dass sich die Einladung nur an Weinböhlaer richtet. „Externe Krawalltouristen lassen wir nicht rein.“ Dafür sorge eine Einlasskontrolle.

Einwohner können Fragen stellen

Auf einen Termin für die Versammlung verständigen sich alle Beteiligten gerade. Alle Beteiligten heißt: die Fachleute im Podium. Denn geplant ist eine Informationsveranstaltung im Zentralgasthof, bei der die Bewohner der Gemeinde ihre Fragen stellen können und fachkundige Antwort erhalten. Außerdem soll bei dieser Gelegenheit gesagt werden, ab wann am Querweg gebaut werden könnte.

Nach dem aktuellen Stand ließe sich bis Mitte des Jahres das alte Ferienlager – mit Ausnahme des Satteldachhauses – komplett abreißen. Auf der frei werdenden Fläche hätten vier moderne Wohncontainer Platz. Jeder von ihnen bietet Raum für 32 Personen. Im Sommer könnten diese zusätzlichen Unterkünfte bezugsfertig sein. Ein entsprechend aktualisiertes Angebot hat der Betreiber bereits an das Landratsamt übergeben. Dieses prüft nun. Und entscheidet letztlich.

In zwei Punkten, in denen die Gemeinde selbst tätig werden kann, ist sie es schon geworden. Sie hat die Erweiterung der Löschwassermenge für das Areal am Querweg beauftragt. Der Kommunalservice Brockwitz-Rödern wird den Querschnitt der Zuleitung vergrößern. Außerdem beantragt das Rathaus zurzeit eine sogenannte Bufdi-Stelle zur Betreuung der Asylbewerber. „Besetzen wollen wir diese in Absprache mit dem Unterstützerkreis „Weinböhla hilft“, sagt Siegfried Zenker. Außer Frage steht für ihn, dass die Diakonie fachlich die Oberhand behalten wird. Der zusätzliche Gemeindeangestellte soll den Mitarbeitern aber da, wo es geht, bestmöglich unter die Arme greifen.

In seiner starken Neujahrsrede verwies der Bürgermeister mehrfach auf die mehr als 20 Jahre Erfahrung Weinböhlas bei der Unterbringung und Betreuung von Asylbewerbern. Daher wisse man auch, dass die allermeisten Flüchtlinge nicht in der Gemeinde bleiben. Vielmehr suchten und fänden sie ihre Zukunft in großen Städten und Ballungszentren in den alten Bundesländern. Daraus folgerte er, dass sich für Weinböhla die Aufgabe der Integration anders stellt als eben in Großstädten und Ballungszentren. Eher in Richtung Vermittlung von Alltagskompetenzen und Integrationsfähigkeit, so der Rathauschef.

Gegenseitige Achtung und Respekt nötig

Fragt man ihn, sagt er, dass es für die Kitas und Schulen im Ort schon früher ganz normal gewesen sei, Flüchtlingskinder aufzunehmen und einzubeziehen. Insofern stelle die Integration im Alltag eine Weinböhlaer Tugend dar. Diese bewährten Wege könne man auch künftig beschreiten, und zwar unaufgeregt, vorurteilsfrei und sachlich.

Zwischenapplaus erntete Siegfried Zenker am Rednerpult für sein offenes Bekenntnis, die Forderung des Landrates an die Staatsregierung zu unterstützen. Gemeint ist die Forderung, künftig nur noch Asylbewerber an Kommunen zuzuweisen, die registriert sind und zuvor gesundheitlich untersucht wurden. Dies sei für eine rechtsstaatliche Ordnung und die Sicherheit unserer Bürger unerlässlich, erklärte der Bürgermeister. In diesem Zusammenhang dankte er dem Meißner Landrat Arndt Steinbach für seine Klarheit in dieser Frage.

In der Gesamtschau der Asylthematik machte der Weinböhlaer Rathauschef auf einen positiven Effekt nach innen aufmerksam. Die Flüchtlingsdebatte halte uns gewissermaßen auch einen Spiegel vor. „Die Wertigkeit unserer eigenen Kultur wird uns bewusster“, sagte Siegfried Zenker. Die jetzige Situation rege zum Nachdenken darüber an, was unsere Kultur ausmacht und was sie von anderen unterscheidet.

Er äußerte sich besorgt über die mögliche Gefahr, den Respekt voreinander zu verlieren. Für den notwendigen Austausch zu den Themen Flucht und Asyl wünsche er sich auch künftig eine Kultur der gegenseitigen Achtung und des Respekts. „Selbst bei scheinbar nicht miteinander zu vereinbarenden Standpunkten“, so der Bürgermeister. Keine Meinung dürfe den Anspruch auf uneingeschränkte Wahrheit erheben. „Jeder ist vielmehr gehalten, sich bewusst zu machen, dass die eigene Überzeugung auch nur relativ ist.“