merken

Bullen im Oberhaus

Die Gründungsstadt des DFB hat wieder einen Erstligisten. RasenBallsport Leipzig schlägt Karlsruhe und steigt sieben Jahre nach der Gründung des Vereins in die 1. Bundesliga auf. RB schaffte damit den dritten Aufstieg im vierten Jahr.

© dpa

Daniel Klein

Leipzig. Rot-silberner Glitter schwebte vom Himmel, nacheinander wurden riesige Plakate von allen Spielern im Rund enthüllt. Die gesamte Mannschaft feierte nach Abpfiff mit Bierduschen und dem T-Shirt „Wir sind E1ns! Aufsteiger 2016“ auf der Brust. „Es gibt nichts Schöneres im Moment, das ist unglaublich“, sagte Abwehrspieler Marvin Compper bei Sky. „Wir mussten ganz viel Widerstand brechen, aber am Ende sind wir verdient aufgestiegen. Da gibt es keine anderen Worte für.“

Anzeige
Energiegeladen zu Dynamo
Energiegeladen zu Dynamo

Auto-Hammer schickt dich und zwei Freunde exklusiv mit persönlichem Chauffeur zum Dynamo-Heimspiel am 30. Oktober. Elektrisch und inklusive VIP-Karten.

Durch einen 2:0-Sieg vor 42 559 Zuschauern in der ausverkauften Red Bull Arena gegen den Karlsruher SC ist der Aufstieg von RB Leipzig in die Bundesliga perfekt. Für Trainer Ralf Rangnick war der Start in die Aufstiegssause allerdings schmerzhaft: Auf der Flucht vor der Bierdusche von Stürmer Davie Selke stürzte er und griff sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an den linken Oberschenkel.

Rund 2 500 Anhänger hatten sich vor dem Spiel an einem Fanmarsch durch die Innenstadt beteiligt, die Stimmung im ausverkauften Stadion war erstligareif – und auf der Vip-Tribüne reichlich Prominenz versammelt. Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz saß dort, der ehemalige Formel-1-Pilot Mark Webber und auch Ex-Dynamo Alexander Zickler, der jetzt in der Nachwuchsabteilung von RB Salzburg arbeitet. Das Kommen hat sich gelohnt.

Rangnick hatte Fabio Coltorti das erste Mal seit Anfang Februar wieder ins Tor gestellt – wohl auch eine Art Verneigung vor dem Schweizer, der bereits zwei Aufstiege mit den Leipzigern gefeiert hatte, sich also bestens auskennt mit dem Thema. Und der 35-Jährige wurde gefordert, als er gegen Dimitris Diamantakos einen Rückstand verhinderte (30.).

Sonst aber dominierten die Gastgeber. Oft mangelte es dem letzten Pass jedoch an Präzision, deshalb sprangen in der ersten Hälfte nur zwei klare Chancen heraus. Yussuf Poulsen zielte knapp daneben (21.), den Kracher von Lukas Klostermann parierte René Vollath (32.). Schiedsrichter Peter Sippel übersah zudem ein Handspiel des Karlsruhers Gaetan Krebs im Strafraum (43.).

Nach der Pause fiel endlich das erlösende Tor. Nach einem Einwurf flankte Stefan Ilsanker in den 16er, Emil Forsberg spitzelte den Ball aus kurzer Distanz ins Tor (52.). Die Aufstiegsparty nahm ihren Lauf. Die Welle schwappte durchs Rund, Techniker positionierten unterm Stadiondach die Glitterfontänen. Als KSC-Keeper Vollath einen harmlosen Freistoß von Marcel Halstenberg durch die Hände gleiten ließ, gab es kein Halten mehr (86.).

Die wichtigste Personalie für die Premiere im Oberhaus hatten die Rasenballer bereits geklärt. Nach wochenlangem Hin und Her vermeldete der Aufsteiger am Freitag den Wechsel von Trainer Ralph Hasenhüttl vom FC Ingolstadt. Der 48 Jahre alte Österreicher erhält in Leipzig einen Dreijahres-Vertrag – gültig für beide Ligen.

Am Sonnabend verabschiedete sich Hasenhüttl beim Heimspiel gegen den FC Bayern von den Ingolstädter Anhängern. Dabei erntete er auch viele Pfiffe. Im Fanblock wurden große Transparente hochgehalten, darauf stand: Hasenhüttl wolle lieber Rangnicks Hofnarr in Leipzig sein als König der Schanzer, oder: Er habe keinen Charakter. Sonderlich elegant hat Hasenhüttl die wunderbare Beziehung nicht beendet. Trotz laufenden Vertrages wollte er weg. Selbst seine Spieler aber versicherten, sie hätten Verständnis dafür, dass der Trainer sich verändern wolle.

Und aus Stein ist der Österreicher nicht. Er weinte, als er nach dem Spiel vor den Fanblock trat, er weinte, als er das Spielfeld verließ, er weinte, als er später betonte, er sei „sehr, sehr stolz, was in den letzten drei Jahren hier passiert ist“. Vom letzten Tabellenplatz in der 2. Liga hat er Ingolstadt emporgehoben und in der 1. Liga gehalten. Die Mannschaft, die er nun gegen eine Ablöse von maximal zwei Millionen Euro vorzeitig verlässt, weiß jedenfalls, was sie an ihm hatte. Ihm wiederum scheint noch einmal sehr bewusst geworden zu sein, was er an seinem Team hatte. „Hier waren Jungs“, sagte Kapitän Marvin Matip, „die für ihn durchs Feuer gegangen sind.“ Hasenhüttl kämpfte mit seiner brüchigen Stimme. „Wir hatten hier eine tolle Zeit. Das vergisst man nicht so schnell“, sagte er innerlich aufgewühlt. Seit Sonntag steht fest: Hasenhüttl kann weiter erstklassig arbeiten.

Weiterführende Artikel

Lange Partynacht für Leipzigs Fußballer mit Feuerwerk und Disco

Lange Partynacht für Leipzigs Fußballer mit Feuerwerk und Disco

Mit einem gigantischen Höhenfeuerwerk an der Red Bull Arena haben RB Leipzig und seine Fans den Aufstieg in die Bundesliga gefeiert.

Mit dem Aufstieg ist auch der Wunsch von Red-Bull-Gründer Mateschitz weiter realistisch, bis zu seinem 80. Geburtstag die Meisterschale in der Hand zu halten. Bis dahin hätte der ambitionierte Verein noch neun Jahre Zeit. Das Budget soll sich auf 30 bis 35 Euro erhöhen. RB-Vorstandsvorsitzender Oliver Mintzlaff rechnet in der Beletage mit vielen ausverkauften Spielen in der Red Bull Arena. Eine neue Machbarkeitsstudie zur Erweiterung auf 57 000 ist schon fertig. Geprüft wird auch ein Neubau außerhalb von Leipzig. Die Entscheidung soll Ende des Jahres fallen. (mit sid, dpa)