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Bundesbank als Helfer der Gewerkschaften

Da freut sich die IG Metall: Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erklärt drei Prozent Lohn-Erhöhung für angemessen.

© dpa

Frankfurt am Main. Angesichts des Wirtschaftswachstums könnten die Löhne etwas kräftiger steigen, urteilt die Bundesbank. Die IG Metall freut sich über die Unterstützung von ungewohnter Seite.

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Doch sofort melden sich die Gegner von deutlich höheren Löhnen. Anlass ist ein Interview mit Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Darin hat der Bundesbank-Chef sich für Lohnerhöhungen von um die drei Prozent ausgesprochen.

Die drei Prozent ergeben sich laut Weidmann aus zwei Posten: zum einen rund zwei Prozent Inflationsrate – damit sei mittelfristig zu rechnen. Zum anderen etwa ein Prozent Wachstum der Produktivität. Weidmann warnte allerdings auch vor Tarifabschlüssen weit oberhalb dieser Zahlen. Seine Einschätzungen ähneln denen der Europäischen Zentralbank.

Die IG Metall sieht sich in der Diskussion um anstehende Tariferhöhungen durch die Bundesbank bestätigt. Stefan Schaumburg, Leiter der IG-Metall-Tarifabteilung, sagte: „Präsident Jens Weidmann hat exakt die Berechnung des verteilungsneutralen Spielraums beschrieben, an der wir uns auch orientieren.“

Kritik am Bundesbank-Chef kam vom Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther. Durch die Debatte leide die Glaubwürdigkeit der Bundesbank, schreibt Hüther im Magazin Focus. Angesichts von knapp 2,9 Millionen Arbeitslosen sei es wichtig, den Lohnerhöhungsspielraum nicht auszuschöpfen.

Hüther ist der Auffassung, dass die Debatte über höhere Löhne der Notenbank geschadet habe: „Am Ende bleibt, dass die Bundesbank als eigentlich erwartungstreue Institution Erwartungen nicht erfüllt. Gelitten hat dabei die wichtigste Währung der Bank: ihre Glaubwürdigkeit.“

Gewerkschafter Schaumburg dagegen sagte, er habe sich oft genug über die Bundesbank geärgert, wenn sie mal wieder im „falschen Moment“ zur Lohnzurückhaltung aufgerufen habe. „Warum sollen wir uns jetzt nicht freuen, wenn sie mal unserer Meinung ist?“ Im November beschließt die IG Metall ihre Forderungen. (dpa)