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Polizei greift weniger Illegale auf

Nach dem Rekordjahr 2015 geht die Zahl von Flüchtlingen in Zügen stark zurück. Dafür nehmen Schleusungen zu.

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© Tobias Wolf

Von Tobias Wolf

Von März bis Mai hat die Dresdner Bundespolizeiinspektion einen deutlichen Rückgang illegaler Einreisen verzeichnet. In den grenzüberschreitenden Fernzügen sowie am Hauptbahnhof und dem Neustädter Bahnhof seien in diesem Zeitraum 257 Migranten aufgegriffen worden, sagt Bundespolizeisprecher Holger Uhlitzsch. In den ersten beiden Monaten des Jahres waren es noch 624 Menschen.

Dennoch ist die Zahl mit 881 noch doppelt so hoch wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bis Ende Juni 2015 waren 440 Asylsuchende aufgegriffen worden. Insgesamt hatten Bundespolizisten im vergangenen Jahr 3 570 Migranten ohne Einreiseerlaubnis erwischt – ein neuer Rekord der Dresdner Inspektion. Vor allem bei Stichprobenkontrollen fallen die Migranten ohne gültige Reisepapiere in den internationalen Zügen zwischen Budapest, Prag und Dresden sowie am Hauptbahnhof auf. Mehrere Teams der Bundespolizei begleiten die grenzüberschreitenden Züge von oder nach Bad Schandau jeden Tag.

Die Hauptherkunftsländer der Asylbewerber waren von März bis Mai Syrien, Afghanistan, Irak. Unter ihnen befinden sich auch immer wieder alleinreisende Minderjährige bis 17 Jahre und Kinder, sagt Uhlitzsch. Bis Mitte Juni sind 36 illegal eingereiste Migranten gefasst worden. Wer den Polizisten ins Netz geht, wird zunächst zur Zentrale in der Schweizer Straße gebracht. Dort müssen die Einwanderer ihre Fingerabdrücke abgeben und werden erkennungsdienstlich behandelt.

Auch eine Strafanzeige wegen illegalen Aufenthalts in Deutschland wird gegen die Ertappten erstattet. Anschließend werden die Asylsuchenden nach Rücksprache mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) an die Zentrale Ausländerbehörde in Chemnitz und die Erstaufnahme-Unterkünfte in Dresden weiter vermittelt. Der Trend bei den illegalen Einreisen über Fernzüge und die Bahnhöfe sei zwar derzeit rückläufig. „Eine Prognose für die nächsten Monate ist nicht möglich“, sagt Uhlitzsch. Im Sommer könnten sich wieder mehr Flüchtlinge auf den Weg nach Mitteleuropa machen – so wie im vergangenen Jahr, als ab der Jahresmitte Hunderttausende ins Land kamen.

„Bei Befragungen in den griechischen Aufnahmelagern werden immer noch Deutschland und Skandinavien als Hauptziele genannt“, sagt der 35-jährige Bundespolizist. Viele kämen jetzt auch wieder über das Mittelmeer. „Trotz der geschlossenen Balkanroute sind genug Migranten unterwegs, die auf Biegen und Brechen hierher wollen, weil sie einem Schleuser schon ihr Geld gegeben und alles aufgegeben haben“, sagt Uhlitzsch. Das spürten die Bundespolizisten auch hier. „Seit Mai nehmen die Schleusungen wieder zu.“ Das außereuropäische Schleusergeschäft floriere und es vergehe kaum eine Woche, in der kein Boot kentert. Insgesamt zwölf Ermittlungsverfahren hat die Dresdner Bundespolizei in diesem Jahr schon begonnen.

Schwerpunkte sind die Autobahn 17 im Bereich Breitenau sowie der A4-Grenzübergang Ludwigsdorf. Über Letzteren werden vor allem Menschen aus der Russischen Föderation und Tschetschenien eingeschleust. „Sie kommen mit Autos und Taxis teils mit polnischem Kennzeichen am Bahnhof Neustadt an“, sagt Uhlitzsch. „Das haben Befragungen der Geschleusten ergeben.“ Zwei Verfahren gibt es dazu derzeit. Um die Autobesitzer über die internationale Rechtshilfe mit Polen zu identifizieren, werden auch Überwachungskameras ausgewertet. In einigen Fällen gebe es Tatverdächtige. Am Hauptbahnhof ist das schwieriger, weil die Migranten schon vorher abgesetzt würden und zu Fuß zum Bahnhof kämen. Auch gegen diese Schleuser wird ermittelt, weil sie die Illegalen mit falschen Papieren ausstatten und genau einweisen, welche Wege sie gehen müssen.