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Die Bilanz der Großrazzia gegen Diebesbanden 

Die Bundespolizei geht in Sachsen gegen georgische Seriendiebe vor. Auch eine vietnamesische Hehlerin wird verhaftet.

Ein Bundespolizist in einem der durchsuchten Objekte, im Hintergrund die 38-jährige mutmaßliche Hehlerin. © Paul Sander

Es dürfte einer der größten Einsätze gegen die organisierte Kriminalität in diesem Jahr in Sachsen gewesen sein. 180 Bundespolizisten waren seit dem frühen Dienstagmorgen in Pirna und dem Bahretal gegen georgische Seriendiebe und ihre vietnamesischen Hehler im Einsatz.

Die Beamten durchsuchten Wohnungen sowie Ladengeschäfte, in denen mit Diebesgut gehandelt worden sein soll. Bei der Razzia seien laut Bundespolizeidirektion Pirna gestohlene Gegenstände und Beweismaterial gefunden worden, unter anderem Hunderte hochwertige Zahnbürsten, Kosmetikprodukte und Babynahrung.

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Eine mutmaßliche vietnamesische Hehlerin wurde in Pirna festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt. Die 38-Jährige wird verdächtigt, Diebesgut angekauft und nach Tschechien verschoben zu haben. Die Frau betreibt in Pirna-Copitz ein Nagelpflegestudio und einen Gemüseladen sowie einen Gemüseladen in der Pirnaer Altstadt.

Auch zwei Asylbewerber wurden verhaftet. Die Verdächtigen sollen einer Bande von rund 40 Georgiern angehören, die im Raum Dresden und Pirna regelmäßig organisierte Ladendiebstähle begeht. Gegen zwei weitere Vietnamesen wird wegen Hehlerei ermittelt. Weitere zwei Vietnamesen wurden aufgegriffen, die keine Aufenthaltserlaubnis haben.

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Perfekt organisierte Diebestouren

Seit 2016 gehen Staatsanwaltschaft und die Kriminalabteilung der Bundespolizei Hinweisen nach, wonach georgische Diebesbanden von Dresden aus in mehreren Bundesländern gezielt vor allem Babynahrung, Spirituosen, Kosmetikprodukte und Kaffee stehlen und an Hehler verkaufen. Zunächst hätten die Diebe vor allem in Bahnhofsgeschäften zugeschlagen, ihren Aktionsradius aber schnell auf Supermärkte und Discounter in kleineren Städten Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens ausgeweitet.

Zum großen Teil wurden die Waren in den Geschäften vietnamesischer Hehler verkauft - oder im Fall von Babynahrung über Tschechien bis nach Asien verschoben. In China lassen sich nach mehreren Skandalen in der Milchindustrie mit deutschem Milchpulver deutlich höhere Preise erzielen als in Deutschland.

Die verhaftete Vietnamesin war der Bundespolizei zufolge erst am vergangenen Sonntag zufällig auf der Autobahn 17 auf dem Weg nach Tschechien kontrolliert worden. In ihrem Auto fanden Polizisten dabei allein 350 Packungen Aptamil-Milchpulver, teure Shampoos und hochwertige Rasierklingen. Sie soll einen handgeschrieben Zettel - eine Art „Einkaufsliste“ - bei sich gehabt haben, aber keine Rechnungen oder Kaufbelege für die Waren. Die Georgier, deren Wohnungen in Gersdorf, einem Ortsteil von Bahretal durchsucht wurden, sollen der Vietnamesin einen großen Teil der Gegenstände geliefert haben.

Erst im August hatten Bundespolizisten drei Georgier verhaftet, die zu der Tätergruppe gehört haben sollen und ihr Diebesgut an die festgenommene Hehlerin verkauft hatten. Die Ermittlungen hierzu sind bereits abgeschlossen. Der Fall soll demnächst vor dem Landgericht Dresden verhandelt werden.

Bei den Durchsuchungen in Pirna und dem Bahretal beschlagnahmten die Polizisten zwei Autos,einen neuwertigen Audi A6 Kombi und einen Mercedes Sprinter sowie rund 28.000 Euro Bargeld. Um das Vermögen der Täter vollständig einzuziehen, sind im Laufe des Tages auch Bankkonten, Lebensversicherungen und Bausparverträge der Beschuldigten gepfändet worden.

Auch das sächsische Landeskriminalamt soll an den heutigen Durchsuchungen beteiligt gewesen sein.

Die Ladendiebe aus Georgien gehen in Kleingruppen bis zu vier Mann in Geschäfte, decken sich gegenseitig und können so große Mengen auf einmal stehlen. Das Ganze sechs Tage die Woche, so als gingen die Tatverdächtigen einer Arbeit nach, so professionell und strukturiert ist ihr Vorgehen.

Beim letzten Großeinsatz gegen organisierte georgische Banden und ihre vietnamesischen Hehler waren im Januar 2017 im Raum Dresden 15 Tatverdächtige festgenommen sowie 30 Standorte in Sachsen und Sachsen-Anhalt durchsucht worden. Ein Großteil von ihnen ist bereits verurteilt worden. Das Gericht verhängte Strafen von bis zu zwei Jahren ohne Bewährung. Das Hauptverfahren gegen die vietnamesischen Hehler steht laut Bundespolizei noch aus.