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Liegt der Busbahnhof am falschen Ort?

Bautzens Grünen-Stadtrat Claus Gruhl fordert die Verlegung zum Bahnhof – und bekommt dafür viel Rückenwind.

© Uwe Soeder

Von Frances Scholz

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

Aktuelle Themen sowie Tipps und Tricks für den Alltag: Fabian Deicke stellt Experten verschiedener Gebiete die Fragen der SZ-Community.

Täglich fahren mehr als 300 Busse vom Bautzener Busbahnhof ab. Vor allem am Nachmittag, wenn sich die Schüler auf den Heimweg machen, ist der Andrang am August-Bebel-Platz groß.

Wenn es nach Grünen-Stadtrat Claus Gruhl geht, müsste dieser Andrang auf die Busse eigentlich am Bahnhof stattfinden. „Ich trage diese Idee schon seit Längerem mit mir rum. Das Gebiet rund um den Bahnhof ist verkehrstechnisch und strategisch wichtig für unsere Stadt, deshalb sollte auch der Busbahnhof dort angesiedelt sein“, sagt Claus Gruhl. In vielen Städten seien Busbahnhof und Bahnhof zusammenhängend, wie zum Beispiel in Bischofswerda oder Görlitz. Für Bautzen sei eine Zusammenlegung daher nur von Vorteil.

So sieht es auch Sandra Trebesius vom regionalen Verkehrsverbund Zvon. „Eine Zusammenlegung wäre die bessere Variante“, sagt sie. Genug Platz wäre auf dem Gelände. Auch Parkplätze für Pendler könnten dort geschaffen werden. „Es gab viele Ideen und Konzepte dazu. Man könnte auch einen Knotenpunkt schaffen am Bahnhof. Dort könnten sich die Busse nochmals treffen und vom Bahnhof abfahren“, sagt sie. Der Zvon habe viel mit der Stadtverwaltung diskutiert, aber bisher gab es keine Bewegungen. „Der Bahnhof ist das Tor zur Stadt, da muss man einfach mehr daraus machen. Wir sind offen für alle Ideen und wollen uns auch einbringen.“ Auch Peter Bitterlich von Regiobus findet die Idee grundsätzlich gut. „Aber zwei Knotenpunkte, einer am Bebel-Platz und einer am Bahnhof sind nicht sinnvoll. Es sollte nur einen Treffpunkt der Busse geben“, sagt er.

Stadt hält sich raus

Die Bautzener Stadtverwaltung verweist hingegen auf die Verhandlungen mit einem Investor. „Die Stadt hält sich dazu raus. Die Deutsche Bahn verhandelt noch mit dem Investor. Außerdem ist es nicht die Aufgabe der Stadt, das Gebiet am Bahnhof zu entwickeln“, sagt Stadtsprecher André Wucht. Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung aber einmal geprüft, ob sie das Gelände selbst erwerben könnte. „Dafür fehlen aber die finanziellen Mittel und deswegen ist auch eine Verlegung des Busbahnhofs kein Thema“, sagt André Wucht.

Genau diese Einstellung halten die Bautzener Stadträte für falsch. „Man muss sich einfach mit dem Thema Bahnhof beschäftigen und kann sich da nicht rausnehmen“, sagt Angela Palm, Fraktionschefin der Linken. Den Busbahnhof an den Bahnhof zu verlegen, würde aus ihrer Sicht das Areal wieder attraktiver machen. „Ein Umsteigen von Bahn auf Bus wäre so auch leichter“, sagt Angela Palm.

Gebiet könnte attraktiver werden

Auch die Halle könnte dann wiederbelebt werden. So stellt sich FDP-Stadtrat Mike Hauschild vor, den Frischemarkt dort hinein zu holen. „Es würde Sinn machen, denn am Bahnhof wären durch eine Verlegung des Busbahnhofs auch viel mehr Leute vor Ort. Niemand müsste mehr draußen stehen und frieren und könnte drinnen noch Einkäufe erledigen“, sagt er. Diese Idee hat auch Claus Gruhl. „Am kleinen Kiosk am Busbahnhof herrscht immer viel Betrieb. Warum sollte das nach einer Verlegung nicht auch am Bahnhof so sein? Es gibt einfach viele Möglichkeiten, um das ganze Gebiet attraktiv zu machen.“

Für Sandra Trebesius vom Zvon ist es vor allem wichtig, dass der Bahnhof wieder zu einem Bahnhof wird, den am Ende auch Busfahrgäste mit nutzen könnten. „Es muss wieder Toiletten im Bahnhof geben, auch Schließfächer und ein Fahrkartenschalter.“ Vor allem für Tagesgäste, die mit dem Zug kommen, sei der Bautzener Bahnhof ein trauriger Anblick. Aber sie versteht auf der anderen Seite auch das zögerliche Verhalten des Käufers. „Es gibt einen großen Investitionsbedarf und er braucht auch eine gewisse Sicherheit“, sagt sie.

Sinnvolle Zusammenlegung

Matthias Knaak von der CDU hat dafür ebenfalls Verständnis. „.Bei solch großen Immobilienprojekten gibt es halt auch großen Klärungsbedarf zwischen den Verhandlungsparteien.“ Roland Fleischer von der SPD und Karin Kluge vom Bautzener Bürgerbündnis sind sich hingegen einig, dass eine Weiterentwicklung nur durch eine Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung und dem Investor gelingen kann. „Der Busbahnhof am Bahnhof könnte lukrativ für den Investor sein. Dafür muss aber ein Gesamtkonzept her“, sagt Roland Fleischer. Vor allem im Zuge der Eröffnung des Berufsschulzentrums würde eine Zusammenlegung von Bus und Bahn Sinn machen. „Das verleiht dem Areal nochmals neue Dynamik. Ein Verkehrsknotenpunkt an dieser Stelle wäre einfach wichtig“, sagt Claus Gruhl.

Er und auch die anderen Stadträte wollen sich für die Idee einsetzten. „Wir werden sie auf alle Fälle in der Fraktion besprechen“, sagt Karin Kluge. So lange verlassen weiterhin täglich mehr als 300 Busse den August-Bebel-Platz.

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