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Buschkowsky kennt keine rote Linie

Der frühere Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky rechnet ab mit „seiner“ SPD.

© Ole Spata/dpa

Von Ulrich Zawatka-Gerlach

Trotz der markigen Sprüche, die Heinz Buschkowsky selbst im Ruhestand am Fließband produziert, hat es der frühere Neuköllner Bezirksbürgermeister bisher immer noch geschafft, im Rahmen des breit gefächerten sozialdemokratischen Kanons zu bleiben. Jetzt aber sagen nicht nur linke Genossen, dass er eine rote Linie überschritten habe.

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Der SPD, „seiner“ SPD, warf Buschkowsky mangelnden Realitätssinn vor. Sie sei zu einer „Klugscheißerpartei“ geworden. „Der Volkspartei SPD ist das Volk abhandengekommen, und sie hat es nicht bemerkt“, ätzte der schillernde Ex-Bezirksbürgermeister in einem Interview. Auch für einen Buschkowsky, der noch nie unter Sprachhemmungen litt, scheint es schwieriger geworden zu sein, in Zeiten des Verfalls von Sprache und politischem Anstand in der Öffentlichkeit durchzudringen. Also muss er immer noch eins draufsetzen, koste es, was es wolle. Seit Kurzem spielt der Sozialdemokrat als Experte in einer RTL-Show mit, in der sich die Zuschauer daran ergötzen dürfen, wie Hartz-IV-Empfänger auch dann noch am Leben zerbrechen, wenn sie einen Koffer voll Geld geschenkt bekommen. Das passt: Ein „Wir schaffen das“ war von Buschkowsky nie zu hören. Während seiner langen Kiez-Karriere stand er stets für griffige und realitätsnahe Beschreibungen des Scheiterns, des sozialen Elends und der angeblich wachsenden Bedrohung durch fremde Kulturen. Mit der populären (oder populistischen?) Einschätzung, dass „Multikulti gescheitert ist“, eroberte der bis dahin wenig bekannte Bürgermeister 2004 die deutschen Talkshows.

Auch der Erfolg seines Buches „Neukölln ist überall“ bestätigte Buschkowsky offenbar in der Einschätzung, dass er des Volkes wichtigste Stimme ist. Dass die langjährige Berliner Ausländerbeauftragte Barbara John (CDU) das Buch als „Groschenroman mit fatalen Wirkungen“ einschätzte, war ihm egal. Eines hat „Mr. Neukölln“ mit der jüngsten Tirade bewirkt: die SPD in der Überzeugung zu einen, dass sie alle Kräfte braucht, um sich aus dem Elend zu befreien – mit Ausnahme von Buschkowsky. Was bleibt ihm? Man kann den Ex-Bürgermeister im Schloss Britz als Trauredner buchen. Preis auf Anfrage. (mit dpa)