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Busmannkapelle erhält Glashülle

Die Gesellschaft zur Förderung einer Gedenkstätte für die Sophienkirche Dresden sammelt seit 16 Jahren Geld - und macht mit Aktionen auf das Vorhaben aufmerksam.

© Sven Ellger

Von Bettina Klemm

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Der Förderverein für die Busmannkapelle wartet auf das Frühjahr. „Wenn die Temperaturen auch nachts über acht Grad liegen, können wir beginnen“, sagt der Vorsitzende Peter Schumann. Die Gesellschaft zur Förderung einer Gedenkstätte für die Sophienkirche Dresden sammelt seit 16 Jahren Geld und macht mit Aktionen auf das Vorhaben aufmerksam.

Nun soll der dritte Bauabschnitt am Postplatz – zwischen den Häusern an der Wilsdruffer Straße und dem langen Gebäuderiegel vor dem Taschenbergpalais – beginnen. 1,6 Millionen Euro wird er kosten, bezahlt von Bund, Freistaat und der Stadt Dresden. Als Erstes stellen die Bauleute das Dach auf. Die Aufträge dafür sind vergeben. Anders als in den ersten Plänen der Architekten Gustavs & Lungwitz wird es kein Dach aus Glas, sondern ein gedecktes geben. Damit werden angenehme Temperaturen im Inneren der Gedenkstätte angestrebt. Mit Glasdach würde die Sonne die Räume stärker aufheizen.

Peter Schumann kündigt auch eine weitere Veränderung an. Ursprünglich sollten die Glasflächen in einem Metallgerüst Halt finden. Jetzt wird der gesamte Glaskörper geklebt. Damit beschreiten die Bauherren Neuland, schließlich wirken durch den Wind große Kräfte auf das Glas. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr haben sie deshalb an der TU Dresden einen sogenannten Belastungsversuch durchgeführt. Das aus vier Schichten zusammengeklebte Glas wurde unter Druck gesetzt. Mit einem Knall sei die Scheibe erst lange nach der errechneten Belastungsgrenze zerbrochen – sie wurde milchig, aber kein Stück flog heraus. So beschreibt Schumann die Aktion. Die Glasarbeiten sollen im August, der gesamte Rohbau zum Jahresende abgeschlossen sein.

Die Gedenkstätte wird an die Opfer des Zweiten Weltkriegs sowie an die zwei Diktaturen erinnern. Zugleich soll mit ihr die Geschichte der Sophienkirche dargestellt werden. Jenes Werk der gotischen Baukunst war im Krieg zerstört worden. Aber es wäre möglich gewesen, sie wieder aufzubauen. Das wurde aus ideologischen Gründen und auf direkte Weisung des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht verhindert. „Die Kirche ist unwiederbringlich verloren“, sagt Schumann. Aus diesem Grund hält er auch nichts von dem Vorschlag eines Altstädter Ortsbeirats, am Nachbargebäude die Umrisse der Kirche darzustellen.

Für die Gedenkstätte werden Teile der Busmannkapelle, die einst im Inneren der Sophienkirche waren, verwendet. Im Inneren der Gedenkstätte werden historische Grabplatten sowie die Büsten des Ehepaars Busmann aufgestellt.

Eine ungewöhnliche Form der Erinnerung an Sophienkirche und Busmannkapelle hat Kurt Walter Schleicher geschaffen. Der Ehrenvorsitzende des ältesten Briefmarken-Sammelvereins in Deutschland hat Collagen aus Briefmarken angefertigt. Seine Bilder will er später dem Förderverein zur Verfügung stellen. Eines der Briefmarkenbilder wurde bereits im Jahreskalender des Fördervereins verwendet.