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Busse sollen Bahn in Görlitz-Weinhübel ersetzen

Wann der Bahnhalt wegfällt, ist noch unklar. Stadträte und Rathaus versuchen, aus dem Problem eine Chance zu machen.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ingo Kramer

Mit seinem Brief hat Danilo Kuscher die Tagesordnung der jüngsten Stadtratssitzung verändert. „Ich habe den Räten vorab geschrieben, dass sie noch nicht alle Infos haben, die beim Bahnhalt Weinhübel wichtig sind“, sagt der Vorsitzende des Kühlhaus-Vereins. Auf Antrag von Gabi Kretschmer (CDU) wurde der Beschlusspunkt daraufhin von der Tagesordnung der August-Sitzung des Stadtrates gestrichen.

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Das Kühlhaus steht direkt an dem Bahnhalt – und profitiert von der schnellen Anbindung ans Stadtzentrum. Deshalb will Danilo Kuscher, dass der Grundsatzbeschluss des Stadtrates von 2011 zurückgenommen wird, wonach der Bahnhalt wegfällt, sobald der neue Halt in Deutsch Ossig am Berzdorfer See eröffnet wird. Letzteres ist ein Wunsch der Deutschen Bahn. Sie will verhindern, dass mit dem Zusatzhalt die Reisezeit von Görlitz nach Zittau zwei Minuten länger wird. Um das zu kompensieren, soll ein anderer Halt wegfallen.

„Gegen Deutsch Ossig habe ich nichts, das ist zweifellos wichtig“, sagt Danilo Kuscher. Weinhübel aber auch: Für das Kühlhaus, die Görlitzer Werkstätten und die DPFA-Schule. Es soll nicht nur einen Bahn-Haltepunkt geben, sondern alle beide, fordert er. Zumal sich das Kühlhaus erweitern will: „Wir planen Hostelwohnungen und einen alternativen Campingplatz.“

Heute steht das Thema erneut auf der Tagesordnung im Stadtrat. Doch seit August ist viel passiert, Vertreter der CDU und der Bürger für Görlitz waren im Kühlhaus, haben die Argumente des Vereins gehört und zugleich dargelegt, was möglich ist – und was nicht. „Ich habe dem Verein die Macht der Bahn und die Zwänge des Verkehrsverbundes Zvon erklärt“, sagt Rolf Weidle, Fraktionschef der Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne. Die Bahn habe sich wiederholt sehr unmissverständlich geäußert: „Die Freiheit von Stadt und Stadtrat besteht lediglich darin, zu entscheiden, ob Deutsch Ossig oder Weinhübel“, so Weidle.

Bahn-Sprecher Jörg Bönisch weist gegenüber der SZ die Verantwortung zurück. Die Deutsche Bahn erbringe in Ostsachsen keine Verkehrsleistungen: Letztlich müsse der Zvon festlegen, wo die Züge halten. Für Weidle geht es jetzt darum, aus der Situation das Beste zu machen. Das heißt: Als Ersatz für den Bahnhalt einen Bus anzubieten, der auf die Bedürfnisse von Kühlhaus, Werkstätten und DPFA-Schule ausgerichtet ist. „Wir haben den ÖPNV bald wieder selbst in der Hand und können dann vernünftige Bus-Verbindungen schaffen“, sagt Weidle. Auch Sonderbusse für Kühlhaus-Abendveranstaltungen soll es geben.

Die CDU-Stadträte Octavian Ursu und Gabi Kretschmer bestätigen solche Überlegungen. „Was wir tun können, ist, zu versuchen, die Bus-Anbindung so gut zu gestalten, dass alle Wünsche bedient werden“, sagt Ursu. Zwar wisse derzeit noch niemand, wann der Bahnhalt in Deutsch Ossig gebaut und der in Weinhübel geschlossen wird. Aber wenn es so weit ist, sollen Busse nahtlos Ersatz bieten. Die CDU wird heute einen Änderungsantrag einbringen, der mit der Bürgerfraktion abgestimmt ist, sagt Weidle: „Darin wird noch keine Linienführung festgelegt, sondern der Fakt, dass wir darauf Einfluss nehmen wollen.“

Auch Baubürgermeister Michael Wieler sieht keine Chance, dass die Bahn beide Halte bedient: „Es gibt objektive Gründe, die dagegen sprechen.“ Neben der längeren Fahrzeit seien das auch die Kosten, die jeder Halt verursacht. Doch Wieler sieht das als Chance: „Wir können Busverbindungen anbieten, die besser sind als die jetzige Bahnanbindung, gerade nach 22 Uhr.“ Auch er will Flexibilität, also mehr Busse bei großen Veranstaltungen im Kühlhaus.

Die Görlitzer Werkstätten sind derzeit mit 70 bis 80 Klienten und zwölf bis 14 Angestellten in Weinhübel. Das sagt deren Infrastrukturbeauftragter Thomas Friebe: „Viele von ihnen nutzen die Bahn.“ Und es werden mehr. In anderthalb Jahren ziehen weitere 68 Klienten und fünf Angestellte vom Gewerbecenter am Klinikum nach Weinhübel. Ein Bus wäre für die Werkstätten eine Alternative. „Allerdings dürfte er nicht viel teurer sein, denn bei uns müssen viele sehr auf das Geld achten“, sagt Friebe.

Matthias Müller, Schulleiter der DPFA-Fachschule, kann für seine Einrichtung keine konkreten Bahn-Nutzerzahlen nennen: „Das schwankt sehr, auch mit den Weiterbildungen.“ Er fürchtet aber Nachteile für die Schule, wenn die Bahn durch einen Bus ersetzt wird: „Die Wegezeiten für Schüler aus Zittau oder Weißwasser werden viel länger, wenn sie am Bahnhof Görlitz auf den Bus umsteigen müssen.“ Auch Danilo Kuscher ist noch nicht glücklich: „Wichtig ist, dass die Anbindung attraktiv ist.“ Nur ein Bus zur Straßenbahnendhaltestelle Weinhübel wäre jedenfalls keine gute Option. Diese Entscheidung aber trifft der Stadtrat heute nicht. Auf ein Wort

Stadtrat, heute, ab 16.15 Uhr, Großer Ratssaal