merken

Busse werden leichter und pfiffiger

Klimaanlagen, Spezialfelgen und intelligente Steuerung sollen den Verkehrsbetrieben beim Sparen helfen.

© Sven Ellger

Von Andreas Weller

Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Der Luftkompressor, der die Energie fürs Bremsen liefert, wird automatisch ausgeschaltet, wenn es bergauf geht, dank 117 Sensoren „weiß“ der Bus genau, wann er steht oder anfahren muss, dann wird die Energiezufuhr angepasst, bergab wird erzeugter Strom in den Elektromotor gespeist, und eine intelligente Klimaanlage kühlt oder heizt nach Bedarf. Der Bus der nahen Zukunft fährt bereits mit Diesel- und Elektromotor durch Dresden.

Demnächst bekommt er noch Karbon-Aluminium Felgen. Nicht wegen der Optik, die sparen 200 bis 250 Kilo Gewicht. „Unsere Felgen wiegen maximal die Hälfte von Stahlfelgen“, so Jens Werner, Chef der ThyssenKrupp Carbon Components. Entwickelt und produziert werden die Felgen in Kesselsdorf, vor den Toren Dresdens. Für die Forschung der gesamten neuen Komponenten, die derzeit und künftig getestet werden, ist die TU Dresden verantwortlich. Das Land fördert die Forschung mit 4,2 Millionen Euro. Die Verkehrsbetriebe (DVB) testen die Pilotlinie 64 derzeit. Das gesamte Projekt kostet 4,5 Millionen Euro und gehört zum „Schaufenster Elektromobilität“.

Das Ganze ist eine Kooperation mit Bayern. Von der Firma Spheros aus Gilching bei München kommen die Luft-Wärmepumpen, also die Klimaanlagen für den Bus. Die Technologie stammt von Tiefkühllastern. Die Anlage fängt ab 24 Grad Celsius an zu kühlen, aber nur ein bis drei Grad unter der Außentemperatur. Damit besteht im Sommer weniger Gefahr, sich im Bus zu erkälten. Außerdem kann abschnittsweise gekühlt und geheizt werden, sodass kein leerer Bus klimatisiert werden muss.

Das hilft vor allem im Winter zu sparen. Denn der kleine Dieselmotor im Hybridbus ist nur dafür ausgelegt, die Batterien des Elektromotors aufzuladen. „Ein Hybridbus verbraucht bis zu siebenmal mehr Heizöl als ein herkömmlicher Dieselbus“, so DVB-Sprecher Falk Lösch. Die Zusatzheizung benötigt etwa zehn Liter auf 100 Kilometer. Die elektrische Luft-Wärmepumpe ersetzt den Bedarf nahezu komplett. Nur bei Frost wird noch zusätzlich Heizöl benötigt. Die Pumpe wird deutschlandweit bisher nur in Dresden eingesetzt.

Seit Ende 2014 testen die DVB den Bus vom Typ MB-Citaro G BlueTec Hybrid zwischen Kaditz und Reick. Noch bis zum Sommer 2016 wird weiter an den Sensoren getüftelt. Die Felgen aus Kesselsdorf sollen eine weitere Einsparung bringen, weil weniger Gewicht bewegt werden muss. Auch wenn 200 bis 250 Kilo weniger, bei 18 Tonnen Gesamtgewicht, nicht viel klingen, geht es auch bei Bussen um jedes Kilo. „Die Felgen sind aus einem speziellen Karbongeflecht“, so Werner. Sie seien zwar etwa 20 Prozent teurer als Stahlfelgen, aber sparen Energie und sind umweltfreundlicher, weil weniger Abgase produziert werden, wenn der Bus leichter ist.

Ab dem kommenden Jahr soll die Neuheit in Serienproduktion gehen. Dann werden in Kesselsdorf 30 000 Felgen im Jahr produziert. Werner plant später eine richtige Massenproduktion. Wie viele die DVB anschaffen und ob sich die neue Bus-Technik durchsetzt, zeigt sich dann.