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Bye-bye Wiener Loch

Der Grundstein ist gelegt. Bis Mitte 2016 entstehen 241 Wohnungen und zehn Läden.

© Visualisierung: MPP-Meding-Plan

Von Bettina Klemm

Der Bauzaun an der Prager Straße macht neugierig: Auf schwarzem Grund wird darauf geworben: 251 Möglichkeiten, Dresden zu leben. „Wir bauen 241 Wohnungen und zehn Läden“, erklärt Thomas Cromm. Der Vorstand der Revitalis Real Estate AG hat gestern unter der Überschrift „Bye-bye Wiener Loch“ zur Grundsteinlegung eingeladen. Bis zum Sommer 2016 will die Firma Porr Deutschland ein Ensemble mit vier sechs- und siebengeschossigen Gebäuden sowie 327 Tiefgaragenplätzen bauen. Rund 70 Millionen Euro werden in das Prager Carrée, wie es die Bauherren nennen, investiert.

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Am Kran hängend hat SZ-Fotograf André Wirsig den Blick in die Baugrube aufgenommen. Gebaut wird von der Prager Straße (rechts) zur Breslauer Straße (links). 1 Betonplatte für das zweite Untergeschoss. 2 Bewehrungsstähle. 3 Provisorische Zufahrt. 4 Tunnelz © André Wirsig
Blick auf das „Prager Carrée“ von der Prager Straße in Richtung Hauptbahnhof. © REVITALIS
So soll der Innenhof gestaltet werden. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro MPP Meding Plan aus Hamburg. © REVITALIS

Es entstehen Ein- bis Fünf-Zimmerwohnungen. Sie sind zwischen 35 und 140 Quadratmeter groß. Die gesamte Wohnfläche beträgt 17.400 Quadratmeter. Die Wohnungen werden vermietet, je nach Lage sollen zwischen neun und zwölf Euro kalt je Quadratmeter bezahlt werden. Die Wohnungen haben Fußbodenheizung, Parkett, Einbauküchen, hochwertige Bäder und bodentiefe Fenster. Die Dächer werden begrünt, der Innenhof bepflanzt. In etwa einem Jahr wird die Musterwohnungen fertig sein, dann kann das Unternehmen Richert & Oertel Immobilien Dresden mit der Vermarktung der Wohnungen beginnen. Für die Läden gebe es bereits eine gute Nachfrage, die Vermietungsgespräche laufen. Eigentümer wird ein deutsches Finanzunternehmen, dem vor allem Versicherungen und Pensionsfonds angehören.

16 Jahre lang eine Baugrube

Damit endet die Geschichte des Wiener Lochs. 1998 wurde die Baugrube im Zusammenhang mit dem Tunnelbau vor dem Hauptbahnhof ausgehoben, sagt Baubürgermeister Jörn Marx (CDU). Doch die Stadt konnte keinen Investor finden. Auch Cromm war zunächst skeptisch. Im Februar 2012 sei er nach zehn Jahren Abstinenz nach Dresden gereist, um sich die Fläche anzusehen. „Wau, was für ein großes Loch. Ich lief im Uhrzeigersinn darum, dann noch einmal in entgegengesetzter Richtung“, erzählt er. Dann sei er über die Prager Straße zur Frauenkirche und zur Elbe gelaufen. Weil überschlafen gut ist, habe er anschließend im Hotel Newa um ein Zimmer mit „Lochblick“ gebeten. So freundete er sich mit der Baugrube an. Die Fakten zu Dresden, wie Geburtenhauptstadt und vierter Platz in Deutschland in Sachen Lebensqualität, taten ein Übriges.

Nach einem kurzen Aufstöhnen sei auch Jan-Oliver Meding vom Skeptiker zum Befürworter mutiert. Er ist Architekt und ebenfalls Vorstand der Revitalis Real Estate. „Ich bin etwas nervös, denn ich habe noch nie ein Loch verabschiedet“, gesteht er. Meding war auch der Architekt des Hotels Holiday Inn Express am Dr.-Külz-Ring und weilte so 2006 häufig in Dresden. „Ich kannte das Loch und seine Geschichte gut.“ Mit einer humorigen Rede beteiligt sich auch Kabarettist Uwe Steimle am Fest.

Nach der Entscheidung für den Kauf des Wiener Lochs habe es eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt gegeben. So seien die Probleme, neudeutsch Herausforderungen, gelöst worden. „Es ist meine erste Grundsteinlegung auf einem Tunnel“, sagt Meding. Das sei statisch nicht einfach gewesen, zumal die Unterlagen weitgehend verschwunden seien.

Letztlich sei aber ein innerstädtisches Wohnquartier mit viel Grün entwickelt worden. Die Gespräche mit der Stadtverwaltung und dem Stadtrat hätten das Projekt bereichert, erklärt der Architekt. „Wir berücksichtigen die Bedürfnisse aller Altersgruppen“, versichert der Architekt. Zuvor habe Revitalis Real Estate ein Gutachten angefertigt.

Nach Abschluss des Baus wird auch das Umfeld gestaltet. „Wir haben dazu mit der Stadt einen Vertrag geschlossen und setzen die zehn Jahre alten Planungen der Stadt voll um. Die Kosten sind mit dem Kaufpreis verrechnet worden“, sagt Thomas Cromm. So werden die Straßenbeläge erneuert und ergänzt. Die Uwe Steimle bat schon jetzt, auch an Bäume und Bänke mit Lehnen zu denken.