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Café Hotspot zwischen Erfolgen und Scherben

Der Treff für Flüchtlinge und Deutsche am Obermarkt 6 in Görlitz wurde diese Woche erneut angegriffen. Dabei passiert drinnen viel Gutes.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Von Ingo Kramer

Görlitz. Irgendwie passen die Bilder nicht zusammen an diesem Donnerstagmittag. Eigentlich sind Julia Schlüter und ihre Mitstreiter vom Café Hotspot am Obermarkt 6 mit der Presse verabredet, um zu berichten, was sich bei ihnen in jüngster Zeit getan hat, welche erfreulichen Neuigkeiten es gibt. Doch die großen Scheiben des Cafés sind kaputt. Eingeworfen mit Pflastersteinen in der Nacht von Ostermontag auf Dienstag. „Wir haben Anzeige gegen unbekannt erstattet“, sagt Julia Schlüter, eine der Hauptinitiatoren des vom Second-Attempt-Verein betriebenen Treffpunktes für Flüchtlinge und Deutsche. Schon Anfang Januar sei die Eingangstür gesprengt worden, 200 Euro hat die Reparatur damals gekostet.

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Diesmal wird es teurer, denn die Unbekannten haben zwei sehr große Scheiben eingeworfen. Nächste Woche sollen sie repariert werden, ungefähr 1000 Euro kostet es voraussichtlich. Auch Spuckflecken finden sich oft an den Scheiben, zudem Aufkleber der „Jungen Alternativen“ und der Ein-Prozent-Bewegung. „Die mögen uns ganz sicher nicht“, sagt Julia Schlüter. Wer hinter den beiden nächtlichen Anschlägen steckt, ist trotzdem unklar. Andererseits hat das Café auch jetzt wieder viele wohlwollende Nachrichten erhalten – und nach dem zweiten Anschlag eine Spende.

Auch sonst haben die Initiatoren derzeit viel Positives zu berichten. Vier syrische Flüchtlinge und ein tunesischer Student arbeiten inzwischen aktiv mit. Mit Mohammad Aleleiwi (25) hat das HotSpot seit Februar erstmals einen Bundesfreiwilligendienstleistenden aus Syrien. „Ich bin verantwortlich für den Nachmittagsbetrieb“, sagt er. Mittwoch bis Freitag, 15 bis 19 Uhr ist er der Ansprechpartner vor Ort, kümmert sich um die Integration von jungen Arabern, macht Übersetzungen, bildet die Brücke zwischen den deutschen Initiatoren und der syrischen Gemeinschaft. Der Donnerstag ist der eigentliche Beratungsnachmittag, aber auch an den beiden anderen Tagen hilft er, wo er kann.

Ab nächste Woche ist Sara Alfakhouri aus Syrien jeden Dienstagnachmittag vor Ort – für den Frauennachmittag. „Bisher kommen vor allem Männer ins Hotspot“, sagt die 20-Jährige. Das soll sich nun zumindest dienstags ändern: „Auch Frauen haben ein Recht auf Beratung und darauf, sich zu treffen.“ Dabei soll es vor allem um Informationen und Austausch gehen. Eine „Ladies Night“, bei der Frauen feiern, gibt es schon seit Dezember einmal im Monat. Ungefähr 20 Frauen sind meist dabei. Der Dienstag soll nun für Kontinuität sorgen.

Kontinuierlich finden auch die Barabende statt: Immer Mittwoch bis Sonnabend, ab 19 Uhr. Allerdings nur noch bis 31. August, sagt Cornelius Hütter vom Barkollektiv. Danach muss das Café Hotspot schließen, weil das Haus saniert werden soll. „Wir suchen neue Räume, ungefähr so groß wie hier“, sagt Cornelius Hütter. Aktuell nutzt das Café drinnen und im Hof jeweils etwa 65 Quadratmeter. Ein renovierungsbedürftiger Zustand und ein niedriger Mietpreis wären gut – idealerweise wieder in zentraler Lage. Wer etwas Passendes hat, was ab 1. September frei ist, kann sich jederzeit im Hotspot melden. Gern auch direkt beim Barabend oder zu einer der zahlreichen Veranstaltungen. Die nächste findet schon am heutigen Freitagabend statt: Die Dresdener Musikerin Paula Peterssen singt und spielt, ab 20 Uhr, im Café Hotspot. Nur von draußen wird sie schlecht zu sehen sein: Die eingeschlagene Scheibe ist provisorisch durch eine Platte ersetzt, die ein Görlitzer Sprayer spontan gestaltet hat.