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Campingplatzbetreiber für weiter verminderte Mehrwertsteuer

Auf Sachsens Campingplätzen gab es in diesem Jahr weniger Gäste. Vor allem ausländische Urlauber blieben aus. Nun setzen die Betreiber darauf, dass die neue Regierung ihnen keinen weiteren Strich durch die Rechnung macht.

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© dpa

Leipzig. Sachsens Campingplatzbetreiber hoffen, dass die neue Bundesregierung den verminderten Mehrwertsteuersatz für Beherbergungsbetriebe beibehält. „Für uns wäre es eine Katastrophe, wenn wir wieder den vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent zahlen müssten“, sagte eine Sprecherin des Verbandes der Camping- und Wohnmobilwirtschaft (VCWS) in Sachsen auf dpa-Anfrage. Denn dann könnten notwendige Investitionen in die Anlagen auf den Plätzen vermutlich gar nicht oder erst mit Verzögerung getätigt werden. Dies könnte sich in dem schwierigen Markt negativ auswirken. Auf den Campingplätzen des Freistaates waren laut Statistischem Bundesamt bis Ende Oktober 155.100 Gästeankünfte registriert worden, ein Minus von 9,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Hochwasser im Frühsommer verschreckte manche Urlauber, hieß es.

In Sachsen bieten rund 100 Campingplätze fast 5.600 Stellplätze. Genutzt werden vor allem von Urlaubern aus Deutschland, 132.791 wurden bis Oktober registriert, was einem Minus von 8,8 Prozent entsprach. Noch deutlicher war der Rückgang bei den ausländischen Gästen, gut 22.300 bedeuteten einen Einbruch um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings hätten sich aus Sicht des Verbandes die Zahlen nicht derart negativ entwickeln müssen: „Zwar gab es Plätze, die vom Hochwasser schwer betroffen waren, aber es gab genügend andere Anlagen, die gar nicht beeinträchtigt waren“, sagte die Verbandssprecherin. Leider sei durch die Medienberichte über das Hochwasser und eine vermeintliche Mückenplage im Anschluss bei manchen Gästen der Eindruck entstanden, ganz Sachsen sei in den Fluten untergegangen.

Schwer betroffen vom Hochwasser war unter anderem der Platz von Axel Wilhelm in Königstein, der direkt an der Elbe liegt. „Acht Wochen mussten wir dicht machen“, sagte er. Rund 500 000 Euro Schaden seien allein an der Rezeption und Gaststätte des Campingareals entstanden, das Gebäude müsse abgerissen und neu errichtet werden. „Das können wir aus eigener Kraft nicht stemmen.“ Das Land habe schnelle und unbürokratische Hilfe versprochen, doch die Beantragung von Fördermitteln gestalte sich sehr schwierig. „Wir werden in der kommenden Saison aber auf jeden Fall wieder eröffnen, auch wenn wir nur auf kleiner Flamme weitermachen können“, sagte Wilhelm.

Neben den Touristen gehören auch in Sachsen Dauercamper zu den Kunden der Campingplätze. Einige Anlagen seien ausschließlich auf diese Zielgruppe ausgerichtet, während andere Plätze nur wenige dauerhafte Stellmöglichkeiten für Caravans anböten. Die Gruppe der Dauercamper ist laut VCWS von Campingplatz zu Campingplatz unterschiedlich. Während auf manchen Anlagen die Altersspanne der Dauercamper von 40 bis 80 Jahren reiche, seien es andernorts jüngere Leute von Anfang 30, die diese Form der Freizeitgestaltung für sich und ihre Familien entdeckt hätten.

Mit unterschiedlichen Aktivitäten gehen die Campingplatzinhaber auf potenzielle Kunden zu. So bietet zum Beispiel der Campingplatz am Olbasee kostenloses WLAN, auch der östlichste Campingplatz Deutschlands in Olbersdorf hat diesen Service. Das Touristencamp Entenfarm in der Sächsischen Schweiz wirbt mit einer finnischen Grillhütte, der Campingplatz Ostrauer Mühle wurde ausgezeichnet, weil der Strom für die Anlage aus Wasserkraft erzeugt wird.

Ganz auf „Weihnachtsflüchtlinge“ und Silvestergäste hat sich der Waldcampingplatz Erzgebirgsblick eingerichtet. „Zu Weihnachten erwarten wir 45 Gäste, zu Silvester werden es 150 sein“, sagte Platzbetreiberin Antje Scheibner. Vertreten seien alle Altersgruppen, Pärchen, Familien mit Kindern und Rentner. „Die Menschen suchen das Gemeinschaftserlebnis am Lagerfeuer und beim Glühwein“, berichtete sie aus nunmehr 13 Jahren Erfahrung mit diesem Angebotspaket. (dpa)