merken

Wolle, Pflaster, Mützen: Biathleten kämpfen mit arktischer Kälte

Der Weltcup soll die Sportart in Nordamerika populärer machen. Die Bilder der Athleten sind schon mal echte Hingucker. Und es wird noch frostiger.

Lisa Vittozzi aus Italien hat sich auf ihre Weise mit den Temperaturen arrangiert.
Lisa Vittozzi aus Italien hat sich auf ihre Weise mit den Temperaturen arrangiert. ©  dpa

Selbstgestrickte Wollhandschuhe, Pflaster im Gesicht oder einfach zwei Mützen übereinander - im Kampf gegen die arktische Kälte zeigen sich die Biathleten im kanadischen Canmore kreativ. Bis auf minus 37 Grad sanken die Temperaturen in der Provinz Alberta in dieser Woche bereits, am Wochenende werden bei den Weltcuprennen in Übersee wieder bis zu 29 Grad unter Null erwartet. "Da friert einem so ein bisschen das Jochbein weg", sagte Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer zu einem besonders kalten Streckenteil. Während es im Schießstadion bislang meist noch sonnig war, liegen viele Teile der Laufstrecke im kalten Schatten. Das könnte noch zu Problemen führen.

Die Gesamtweltcup-Führende Dorothea Wierer zog sogar im Rennen dicke Wollhandschuhe über, viele Athleten liefen zum Auftakt am Donnerstag mit schützenden Pflastern im Gesicht. "Das Abziehen hat mehr wehgetan als die Kälte beim Rennen", sagte Denise Herrmann. Problematisch war es vor allem, die Füße und Hände bei Temperaturen zwischen minus zehn und 14 Grad warmzuhalten. "Ich habe sogar ein bisschen geschwitzt, nur die Finger sind am Ende ein bisschen eingefroren", sagte Vanessa Hinz, die als Sechste zweitbeste Deutsche über 12,5 Kilometer im Einzel wurde. Franziska Hildebrand, als Vierte die stärkste der DSV-Skijägerinnen, erlitt im Ziel einen Kreislaufzusammenbruch.

Anzeige
Gemeinsamer Aufruf der sächsischen Krankenhäuser und der Staatsregierung
Gemeinsamer Aufruf der sächsischen Krankenhäuser und der Staatsregierung

Freistaat schaltet Online-Portal zur personellen Unterstützung der sächsischen Krankenhäuser.

 Gewöhnungsbedürftiger Anblick - sagt Siegerin Tiril Eckhoff aus Norwegen über sich selbst.
 Gewöhnungsbedürftiger Anblick - sagt Siegerin Tiril Eckhoff aus Norwegen über sich selbst. © dpa

"Es kann durchaus sein, dass ihr die Finger eingefroren sind, die tauen jetzt wieder auf, das sind unheimliche Schmerzen", sagte Laura Dahlmeier. Die Doppel-Olympiasiegerin lief als eine von nur ganz wenigen Athletinnen ganz ohne Pflaster und hatte nach eigener Aussage keine Probleme mit der Kälte. "Es fühlt sich durch die kalten Bedingungen nur immer ein bisschen zäh an", sagte sie. Am besten kamen bislang die Norweger mit den Extrembedingungen klar. Johannes Thingnes Bö siegte bei den Männern, Tiril Eckhoff bei den Frauen. "Wenn ich mal wieder ein Rennen gewinne - und aussehe wie ein Idiot", schrieb Eckhoff bei Instagram und scherzte über ihre Pflaster.

Weiterführende Artikel

Was macht eine Sächsin beim Biathlon - ohne Gewehr? 

Was macht eine Sächsin beim Biathlon - ohne Gewehr? 

Viktoria Franke genießt ihre Arbeit in der extremen Kälte beim Weltcup in Canmore. "Weil’s dem Herzen guttut."

Schutz wird aber auch bei den verbleibenden Wettkämpfen bis Samstag nötig sein, gerade da soll es nach leichter Besserung wieder bitterkalt werden. In den IBU-Regeln ist festgelegt, dass bei weniger als minus 20 Grad kein Start erlaubt ist. Der Weltverband IBU werde "die Wettersituation genau beobachten, um die Gesundheit der Athleten nicht zu gefährden". Als Maßnahmen wurden bereits Strecken verkürzt, der Wettkampfkalender geändert und Rennen in den Nachmittag verlegt. (dpa)